Jenner
Der Jenner bei Berchtesgaden (1.874 m) gehört geologisch zu den Nördlichen Kalkalpen und bietet einen aufschlussreichen Einblick in die Gesteinsvielfalt der Region. Sein Untergrund besteht vorwiegend aus mächtigen Kalk- und Dolomitgesteinen der Triaszeit, insbesondere aus Dachsteinkalk, der durch helle, massige Bänke auffällt. Diese Kalke bildeten sich vor rund 200 Millionen Jahren in einem tropischen Flachmeer und enthalten teils gut erhaltene Fossilien wie Korallen und Muscheln. In tieferen Lagen tritt der dunklere Ramsaudolomit auf, der verwitterungsbeständiger ist und steile Felsflanken prägt. Lokal finden sich auch Mergel- und Tonsteinschichten, die erosionsanfälliger sind und sanftere Hangformen erzeugen. Tektonische Bewegungen der Alpenentstehung haben die Gesteinspakete gefaltet, verschoben und zerbrochen, wodurch der markante Gipfelaufbau des Jenner entstand. Die geologische Vielfalt trägt nicht nur zur abwechslungsreichen Landschaft bei, sondern beeinflusst auch Bodenbildung, Vegetation und Wasserführung am Berg.

Mergelkalk
Mergel ist ein Gestein, das aus einer Mischung von Ton und Kalk besteht. Je nachdem, wie viel Kalk enthalten ist, spricht man von Tonmergel, Kalkmergel oder mergeligem Kalk. Bei Mergelkalk ist demnach ein höher Anteil von Kalk enthalten. Entstanden ist Mergel vor allem in Meeren, Seen oder Lagunen, wo sich feiner Ton mit kalkhaltigen Stoffen ablagerte. Mit der Zeit wurde das Sediment durch Druck und Austrocknung zu festem Gestein. Mergel ist oft weicher als Kalkstein, verwittert leichter und enthält häufig Fossilien wie Muscheln. Da er viel Ton enthält, lässt er Wasser nur schlecht durch und bildet im Untergrund oft eine Stauschicht.
Die rote Farbe bei „rotem Mergel“ kommt durch Eisen im Gestein zustande. Wenn dieses Eisen an der Luft oxidiert, also „rostet“, entstehen Eisenoxide wie Hämatit, die für die typische Rotfärbung sorgen. Das passiert besonders in warmen, trockenen Gegenden, wo Sedimente zeitweise austrocknen und Sauerstoff eindringen kann. In feuchteren, sauerstoffarmen Umgebungen sind Mergel dagegen oft grau oder grünlich. Die Rotfärbung zeigt also, dass der rote Mergel unter Bedingungen entstanden ist, die eher trocken und wechselfeucht waren.
Einbettung in Dachsteinkalk
Die roten Mergelkalke liegen im Dachsteinkalk hier am Jenner, weil sich in der Obertrias verschiedene Ablagerungsräume nebeneinander befanden. Der Dachsteinkalk entstand auf einer flachen Plattform, während sich in den tieferen Bereichen daneben feiner Ton und Kalk absetzten – daraus wurden später die roten Mergelkalke. Durch Schwankungen des Meeresspiegels oder Rutschungen vom Plattformrand gelangten solche feinen Sedimente auch in den Bereich des Dachsteinkalks. Später, bei der Auffaltung der Alpen, wurden die Gesteine stark verschoben und zusammengeschoben. So liegen heute die dünnen, roten Mergelkalke zwischen den dicken hellen Schichten des Dachsteinkalks. Sie zeigen, dass Plattform und Becken damals gleichzeitig existierten und ihre Sedimente eng ineinander übergingen.