Gradierwerk und Dornstein
Ein Gradierwerk ist eine große Holzkonstruktion, durch die salzhaltiges Wasser, die sogenannte Sole, über Zweige aus Schwarzdorn fließt. Dabei verdunstet ein Teil des Wassers, und die Sole wird salziger. So konnte früher Salz gewonnen werden, und heute hilft das Gradierwerk auch, die Luft in Kurorten sauberer zu machen.
An den Zweigen und am Holz des Gradierwerks bildet sich mit der Zeit eine harte Schicht, die Dornstein genannt wird. Diese Kruste besteht vor allem aus Kalk (Calciumcarbonat) und Gips. Wenn die Sole bestimmte Salze enthält, können auch andere Salze wie Halit darin vorkommen. Die Farbe des Dornsteins kann weißlich, gelblich oder bräunlich sein, besonders wenn auch organische Stoffe enthalten sind. Die Oberfläche ist hart, rau und unregelmäßig, und manchmal sind ganze Zweige von der Kruste bedeckt.
Entstehung von Dornstein
Dornstein entsteht, wenn salziges Wasser (Sole) über die Dornenwände im Gradierwerk fließt. Dabei verdunstet Wasser, und die Mineralstoffe wie Kalk oder Gips werden konzentrierter. Sobald zu viele Mineralien im Wasser sind, setzen sie sich als feste Schicht an den Zweigen und am Holz ab – so entsteht der Dornstein.
Das Gradierwerk muss regelmäßig gewartet werden, weil die mineralischen Ablagerungen die Zweige verstopfen. Das alte Dornreisig wird entfernt und erneuert. Manchmal bleiben sogar Abdrücke der Zweige im Dornstein erhalten, fast wie kleine Fossilien. Chemisch ähnelt die Entstehung dem Tropfstein in Höhlen: Kalk fällt aus, weil Kohlendioxid aus der Sole entweicht (Ca(HCO₃)₂ → CaCO₃ + CO₂ + H₂O).

Sole aus Lüneburg
Die Sole in Lüneburg stammt aus natürlichen Salzlagerstätten, die vor etwa 250 Millionen Jahren während der Trias-Zeit entstanden sind. Damals lag die Region unter einem flachen Meer, dessen Wasser verdunstete und dicke Salzschichten hinterließ. Diese Salzvorkommen liegen heute tief unter der Erde. Regen- und Grundwasser sickern durch diese Schichten und lösen das Salz, wodurch eine salzhaltige Flüssigkeit entsteht – die Sole. In Lüneburg ist diese Sole besonders konzentriert und mineralreich.
Historisch wurde die Sole über Schachtanlagen und Stollen zu den Siedehütten der Lüneburger Saline geleitet, wo das Salz durch Verdampfung gewonnen wurde. Die Lüneburger Saline war eine der ältesten und größten Salzproduktionsstätten Europas und prägte über Jahrhunderte das wirtschaftliche Leben der Stadt. Heute wird die Sole hauptsächlich für Wellness- und Gesundheitszwecke genutzt, beispielsweise in der Salztherme „SaLü“ oder eben für das Gradierwerk vor Ort.