Jasmännchen wird als Hausgeist gefangen genommen und gebannt
Bruder Thinnes begab sich zur Nachtzeit nach Dahl in Jâshaus, um das Jasmännchen gefangen zu nehmen. Der Pfarrer von Kaundorf begleitete ihn. Beide blieben unten in der Küche stehen, bis das Gespenst durch die Pumpe aus dem Brunnen herausgeschlüpft und die Treppe hinan bis auf den obersten Speicher gestiegen war. Dann folgten sie. Der Pfarrer jedoch wagte nicht, mithinaufzusteigen; er blieb auf der untersten Stufe der Treppe stehen. Bruder Thinnes aber stieg mit einem Licht bis auf den obersten Speicher. Vom Gespenst sah er nur den Schatten. Beherzt ging er auf die Stelle zu, wo die Füße standen, und nahm den Geist mit einem geweihten Gürtel gefangen. Nach einem anderen Bericht sah Bruder Thinnes auch nicht einmal Jasmännchens Schatten, sondern ging mit einem geweihten Stabe tastend umher, bis er den Geist durch Berührung aufgefunden hatte. Das Gespenst hatte sich hinter dem Schornstein niedergekauert. Thinnes nahm es gefangen und band es mit einem geweihten Gürtel. Dabei entstand ein furchtbares Getöse. Jasmännchen spie Feuer und Flammen, dass es durch das ganze Haus blitzte. Der Pfarrer zitterte vor Angst und rief: »Hast du ihn? Wehr dich Bruder, wehr dich!« Darauf schrie das Gespenst mit markdurchdringender Stimme: »Was willst du denn, Banghose, draußen? Du hast ja als Bube ein Brot gestohlen!«
Als Bruder Thinnes Jasmännchen gefangen und mit dem geweihten Gürtel gefesselt hatte, zwang er ihn in Gottes Namen, Rede zu stehen. Er fragte ihn, warum er aus dem Grabe zurückkomme. Der Geist antwortete, er habe unrechtes Gut auf sich und sei nicht schwer genug, um in der Hölle bleiben zu können. Dann fragte ihn der Bruder, was denn sein Begehr sei. Der Geist erwiderte, man solle ihm einen bleiernen Mantel, bleierne Schuhe, einen bleiernen Hut, einen bleiernen Sester und eine bleierne Rolle geben, dann sei er schwer genug, um in der Hölle zu bleiben. Man solle diese bleierne Bekleidung in der nächsten Nacht auf das Vorderdach des Hauses legen, für das übrige möge man ihn dann selbst sorgen lassen.
Man tat, wie er verlangt hatte, und in der nächsten Nacht legte Jasmännchen die ganze bleierne Bekleidung an und als er auch den Sester und die Rolle zur Hand genommen hatte, sagte der Bruder: »Nun wirst du doch sicher schwer genug sein, um in der Hölle zu bleiben.«
Dann beriet man sich, wohin man den Geist bannen solle. Jasmännchen bat den Bruder, er möge ihn doch nicht ins Wasser oder in Dornen bannen; er solle ihn hinter die Haustür oder unter die unterste Treppenstufe bannen oder in einen Grashalm, in einen Palmstrauch oder ihn an einen Kreuzweg in eine Roßtrappe versetzen. Allein Bruder Thinnes willfahrte dem Verlangen des Geistes nicht. »Wenn ich dich«, so sprach er, »in Gras und Gesträusch banne, so könnte leicht ein Tier es genießen und von dir besessen werden; und wenn ich dich an einen Kreuzweg banne, so würdest du später dort Tiere und Menschen plagen; du musst wieder da hinein, wo du hergekommen bist.«
Darauf führte Thinnes ihn die Treppe herunter, ließ die Pumpe wegnehmen und versenkte ihn in den Brunnen, aus dem er so oft hervorgekommen war. In der Nähe vom Jâshaus, hart am Weg, der nach Gösdorf führt, befindet sich ein Brunnen, den man Dahler Brunnen nennt. Es heißt auch, Jasmännchen sei in diesen Brunnen versenkt worden, Dem sei, wie ihm wolle, der Brunnen ist noch heute nicht heimlich und man geht des Nachts nicht gern daran vorbei.
Man sagt auch, hinter Jâshaus sei ein tiefer Brunnen gewesen, der von hohen Palmstöcken umgeben war. In diesem Brunnen sei Jasmännchen versenkt worden. Zuerst legte man ihm die bleiernen Schuhe an und er versank bis an die Kniee; dann hüllte man ihn in den Bleimantel und er versank bis an die Brust. Als der Sester und die Rolle hinzugekommen waren, blieb nur noch der Kopf in der Höhe. Diesen bedeckte dann der Bruder mit der bleiernen Mütze und Jasmännchen stürzte unter entsetzlichem Grinsen in die Tiefe des Brunnens und kam nicht mehr zum Vorschein.
Von der Zeit an hat das Haus vor dem Geist Ruhe. Doch pflegen die Leute noch heute zu den Kindern zu sagen: »Schick dich gut, sonst wirst du wie Jasmännchen in einen bleiernen Mantel gehüllt und in eine Grube geworfen.«
Gemäß einem anderen Bericht ist Jasmännchen in einen Stachelbeerstrauch in der Nähe vom Jâshaus gebannt worden. Einer der ältesten Berichte ist folgender: Zuerst wurde er in einen Stachelbeerstrauch gebannt, der hinter dem Hause an dem Wasserstein stand, wo das Spülwasser herablief. Doch man fürchtete, ein Tier könne davon genießen und wirklich genoß auch einmal der Gemeindestier davon und wurde von dem Spuk derart besessen, dass er durch sein furchtbares Gebrüll dem ganzen Dorfe Schrecken einjagte. Deshalb verbannte man den Geist in die schwarze Lei, die zwischen Kautenbach und Masselter liegt. Allein auch hier hatte er keine Ruhe und schreckte durch sein Unwesen die Bewohner des Dorfes Kautenbach und der ganzen Umgegend. Da ließen die Kautenbacher den Einwohnern von Dahl sagen, sie sollten Jasmännchen zurückholen. Und nun bannte man ihn wieder in einen Stachelbeerstrauch, der im Bering des Jâshauses in dem umzäunten Kohlgarten stand, wo kein Tier mehr davon genießen konnte.
Auch soll er in Tommescht gebannt sein, nach den einen in einen Stachelbeerstrauch, nach den andern in einen Morast. Es heißt auch, er sei im Eidersgröndchen in einen Dornstrauch gefahren; dann auch, er sei, nachdem er die bleierne Montur angelegt, in der Schâlbech in einen Stachelbeerstrauch geschlüpft; endlich geht auch noch die Sage er sei in die Nähe des Pirmesberges verbannt. Überhaupt ist die Volkssage darin sehr verschieden.
Français: Jasmännchen est capturé et banni en tant qu’esprit domestique
Frère Thinnes se rendit de nuit à Dahl, dans la maison Jâshaus, pour capturer le Jasmännchen. Le curé de Kaundorf l’accompagnait. Tous deux restèrent en bas, dans la cuisine, jusqu’à ce que le fantôme sorte du puits par la pompe, monte les escaliers et atteigne le grenier. Alors, ils le suivirent. Mais le curé n’osa pas monter plus haut ; il resta sur la première marche de l’escalier. Frère Thinnes, lui, monta courageusement jusqu’en haut avec une lumière. Il ne vit que l’ombre du fantôme. Sans hésiter, il se dirigea vers l’endroit où se tenaient les pieds du spectre, et le captura avec une ceinture bénite.
Selon un autre récit, Frère Thinnes ne vit même pas l’ombre du Jasmännchen, mais il tâtonna avec un bâton consacré jusqu’à ce qu’il touche le fantôme, qui s’était recroquevillé derrière la cheminée. Il le captura et l’attacha avec une ceinture bénite. Il en résulta un vacarme terrible. Le Jasmännchen crachait du feu et des flammes, et des éclairs traversèrent toute la maison. Le curé tremblait de peur et cria : « Tu l’as ? Défends-toi, frère, défends-toi ! » Alors, le fantôme hurla d’une voix perçante :
« Que veux-tu, trouillard ? Tu as volé un pain quand tu étais enfant ! »
Après l’avoir capturé et attaché, Frère Thinnes obligea le fantôme, au nom de Dieu, à parler. Il lui demanda pourquoi il revenait de la tombe. L’esprit répondit qu’il portait un bien mal acquis et qu’il n’était pas assez lourd pour rester en enfer. Frère Thinnes lui demanda ce qu’il souhaitait. Le spectre répondit qu’on devait lui donner un manteau de plomb, des chaussures de plomb, un chapeau de plomb, une mesure (sester) en plomb et un rouleau en plomb ; alors, il serait assez lourd pour rester en enfer. On devait déposer ces objets sur le toit avant de la maison pendant la nuit suivante ; pour le reste, il s’en chargerait lui-même.
On fit comme il l’avait demandé. La nuit suivante, le Jasmännchen mit toute cette tenue de plomb. Quand il eut pris la mesure et le rouleau, Frère Thinnes dit :
« Maintenant, tu dois être assez lourd pour rester en enfer. »
On se demanda ensuite où bannir le spectre. Le Jasmännchen supplia qu’on ne le bannisse ni dans l’eau, ni dans les buissons, mais plutôt derrière la porte d’entrée, sous la première marche de l’escalier, dans un brin d’herbe, un buisson de palmier ou à un carrefour, dans une empreinte de sabot. Mais Frère Thinnes refusa :
« Si je te bannis dans l’herbe ou les buissons, un animal pourrait t’avaler et devenir possédé ; et si je te bannis à un carrefour, tu tourmenteras les hommes et les bêtes. Tu dois retourner d’où tu viens. »
Alors, il le fit descendre les escaliers, fit enlever la pompe et le fit replonger dans le puits d’où il sortait. Près de la maison Jâshaus, au bord du chemin menant à Gösdorf, se trouve un puits qu’on appelle le puits de Dahl. On dit que le Jasmännchen y a été enfermé. Quoi qu’il en soit, ce puits reste inquiétant, et personne n’aime y passer la nuit.
On dit aussi qu’il y avait un puits profond derrière la maison, entouré de hauts buissons de palmier. C’est là que le Jasmännchen fut enfermé. D’abord, on lui mit les chaussures de plomb et il s’enfonça jusqu’aux genoux. Ensuite, on l’enveloppa du manteau de plomb, et il s’enfonça jusqu’à la poitrine. Quand on y ajouta la mesure et le rouleau, seul sa tête dépassait. Le frère la couvrit alors du chapeau de plomb, et le Jasmännchen disparut dans le puits avec un ricanement terrible, sans jamais reparaître.
Depuis ce jour, la maison est en paix. Mais les gens disent encore aux enfants :
« Conduis-toi bien, sinon tu finiras comme le Jasmännchen, enveloppé dans un manteau de plomb et jeté dans un puits ! »
Selon une autre version, le Jasmännchen a été banni dans un buisson de groseilles derrière la maison, près de la pierre où l’eau de vaisselle était versée. On craignait qu’un animal ne le mange, et c’est ce qui arriva : le taureau du village en mangea, devint possédé, et son mugissement terrifia tout le village. On dut alors bannir l’esprit dans la schwarze Lei (la pierre noire) entre Kautenbach et Masselter. Mais même là, il ne trouva pas la paix et terrorisait les habitants. Les gens de Kautenbach demandèrent alors à ceux de Dahl de le reprendre.
On le bannit donc à nouveau dans un buisson de groseilles, dans le jardin clôturé de la maison Jâshaus, là où aucun animal ne pouvait l’atteindre. Certains disent qu’il a été banni à Tommescht – selon les uns dans un buisson de groseilles, selon les autres dans un marécage. D’autres encore disent qu’il s’est glissé dans un buisson d’épines à Eidersgröndchen, ou qu’après avoir mis sa tenue de plomb, il a sauté dans un buisson de groseilles près de la Schâlbech. Enfin, une autre légende raconte qu’il aurait été banni près du Pirmesberg. La tradition populaire, en tout cas, est très variée à ce sujet.
English Translation: Jasmännchen is captured and banished as a household spirit
Brother Thinnes went by night to Dahl, to the Jâshaus, to capture the Jasmännchen. The priest of Kaundorf accompanied him. They both stayed downstairs in the kitchen until the ghost slipped out of the well through the pump and climbed the stairs all the way to the top attic. Then they followed. However, the priest did not dare to go further; he remained on the lowest step of the stairs. But Brother Thinnes climbed all the way up with a light. He saw only the ghost’s shadow. Bravely, he approached the spot where the feet were, and captured the spirit using a consecrated belt.
According to another version, Brother Thinnes didn’t even see the shadow. Instead, he moved around with a blessed staff until he felt the ghost, who was crouching behind the chimney. He captured it and bound it with the sacred belt. A terrible noise followed. The Jasmännchen spat fire and flames that lit up the entire house. The priest trembled in fear and cried out:
“Do you have him? Defend yourself, brother, defend yourself!”
Then the ghost screamed in a chilling voice:
“What do you want, coward? You stole a loaf of bread when you were a boy!”
Once Brother Thinnes had captured and bound the ghost, he forced it to speak in the name of God. He asked why it returned from the grave. The spirit replied that it carried ill-gotten goods and was not heavy enough to remain in hell. The brother asked what it wanted. The ghost answered that it needed a leaden cloak, leaden shoes, a leaden hat, a leaden sester (measure), and a leaden roll – then it would be heavy enough to stay in hell. These items were to be laid on the house’s front roof the next night. For the rest, it would take care of itself.
They did as requested. That night, the Jasmännchen put on all the leaden clothing, took the sester and roll in hand, and Brother Thinnes said:
“Now you should be heavy enough to stay in hell.”
They then discussed where to banish the spirit. The Jasmännchen begged not to be cast into water or thorns, but rather behind the front door, under the bottom stair, into a blade of grass, a palm bush, or at a crossroads into a horse’s hoofprint. But Brother Thinnes refused:
“If I banish you into grass or bushes, an animal could eat you and become possessed; and if I banish you to a crossroads, you’ll torment people and animals alike. You must return from whence you came.”
So, he led the ghost down the stairs, had the pump removed, and cast it back into the well from which it had so often emerged. Near the Jâshaus, by the road to Gösdorf, there is a well called the Dahler Well. It is said Jasmännchen was banished into it. Be that as it may, the well is still feared, and people avoid passing it at night.
Another tale says there was a deep well behind the Jâshaus, surrounded by tall palm bushes. That is where Jasmännchen was banished. First, the leaden shoes were put on – he sank to his knees. Then the cloak – he sank to his chest. When the sester and roll were added, only his head remained above water. Brother Thinnes placed the leaden hat on his head, and with a dreadful grin, Jasmännchen sank and never reappeared.
From then on, the house was free of the ghost. Yet people still warn children:
“Behave, or you’ll end up like Jasmännchen, wrapped in a leaden cloak and thrown into a pit!”
According to another version, Jasmännchen was banished into a gooseberry bush behind the house, near the stone where dishwater flowed. People feared an animal might eat from it – and one day, the village bull did. It became possessed and its terrible bellowing terrified the whole village. So the ghost was banished to the black rock (schwarze Lei) between Kautenbach and Masselter. But even there it found no rest and haunted the surrounding villages. The people of Kautenbach asked Dahl’s residents to take it back.
It was then again banished into a gooseberry bush within the fenced cabbage garden of the Jâshaus, where no animal could eat from it. Some say it ended up in Tommescht – either in a gooseberry bush or a swamp. Others say it fled into a thorn bush in Eidersgröndchen, or into a gooseberry bush near the Schâlbech. Still others say it was banished near the Pirmesberg. The legends, in any case, differ greatly.





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