An den angegebenen Koordinaten befindet Ihr Euch direkt unterhalb der Ruine Löffelstelz. Hier hat die Enz eine Felsböschung geschaffen, an der höhere Bereiche der Oberen Hauptmuschelkalk-Formation besonders gut aufgeschlossen sind. Es handelt sich um die Schichtenfolge vom Wellenkalk bis zum Trigonodusdolomit (bestehend aus kleinen Muscheln). Dabei ist ein deutliches Schichteinfallen nach Norden feststellbar. Zugänglich ist allerdings nur der tiefere Teil des Profils (hinter den Häusern).
Zu keinem Zeitpunkt muss Privatgelände betreten werden.
Prallhangprofil
An der diesseitigen Seite der Enz erkennt ihr einen Prallhang. Teile davon wurden freigelegt, um Platz für Häuser zu schaffen. An den Koordinaten findet Ihre einen Aufschluss, an dem man ganz gut die unterschiedlichen Gesteinsformationen des Oberen und Unteren Muschelkalks erkennen kann.
Muschelkalk tritt hauptsächlich in Trias-Formationen (das ist der Zeitraum von 251,9 bis 201,3 Millionen Jahren vor heute) auf. In Mitteleuropa findet man ihn häufig in den unteren Ablagerungen der Muschelkalkformationen. Diese wurden gebildet im Germanischen Becken, das von einem Flachmeer bedeckt war. Der Muschelkalk weist in der Mitte eine Mächtigkeit von 220 - 240 Meter auf, nimmt aber zum Südosten stark ab und beträgt am Rand nur noch wenige Zentimeter.

Unterer Muschelkalk
Während der Zeit, in der der Muschelkalk abgelagert wurde, war das Klima weiterhin tropisch (das ganze Jahr über warm) und arid (sehr trocken mit geringen Niederschlägen)
Im Germanischen Becken kam es während der Trias und des Perms zu wiederholten Vorstößen des Meeres, die durch Öffnungen in den Gebirgsbarrieren (siehe Pforten im Bild) ermöglicht wurden. Diese führten zur Ablagerung verschiedener Sedimente, darunter Muscheln, Gips und Steinsalz, und prägten die Landschaft und die Lebensräume im Becken.
In den tiefsten Beckenbereichen Südwestdeutschlands kamen Kalkschlämme zur Ablagerung, die randwärts zunächst in dolomitische Mergel und Dolomitsteine und ganz im Süden in eine sandige Schichten übergehen. Die verdichteten Kalkschlämmen weisen verbreitet eine enge Schichtung auf, die im Querschnitt schräg gekippten Leisten ähnelt und in der Draufsicht die Schichtflächen gewellt erscheinen lässt, was dem Unteren Muschelkalk auch, schichtabhängig, die landläufige Bezeichnung "Wellenkalk" beziehungsweise "Wellendolomit" eingebracht hat
Oberer Muschelkalk
Oberer Muschelkalk besteht aus Dolomitsteinen, Kalksteinen, dolomitischen Kalksteinen und Tonmergelsteinen. Sie beginnt im Liegenden mit der der Trochitenkalk-Formation. Im Bereich Nordwürttemberg und Kraichgau bilden die untersten Einheiten die Zwergfaunaschicht. Den höheren Teil des Unteren Hauptmuschelkalks und den Oberen Hauptmuschelkalk bildet die Meißner-Formation. In der Region Stuttgart wird die Meißner-Formation (unterer Abschnitt, diese wird nach Norden toniger) nach Süden und im Oberrheingraben von der Rottweil-Formation abgelöst. Die Rottweilformation besteht vorwiegend aus dickbankigen, gelblichen Dolomitbänken, Kalk und Kalkmergel. Die Mächtigkeit der Rottweil-Formation beträgt bis max. 22 m.
Mäanderung
Schaut man von hier aus in westlicher Richtung über die Enz, sieht man deutlich einen Unterschied der zwei Ufer. Dies ist eine Folge der Mäanderung der Enz.
Durch Bodenreibung entsteht am Flussboden eine Querzirkulation des Wassers, die von der kurveninneren zur kurvenäußeren Seite führt. Ursache dieser Querzirkulation ist eine Unregelmäßigkeit am Flußboden, die Unterschiede in der Strömungsgeschwindigkeit zur Folge hat. Durch erhöhte Erosion entsteht eine Ausbuchtung an der Flussseite mit schnellerer Strömung.
Daraus bildet sich eine Kurve, die an der Außenseite bedingt durch die Zentrifugalkraft einen höheren Wasserstand besitzt.
Nahe des Flussbettes entsteht Reibung, damit wird Fließgeschwindigkeit und Reibung abgeschwächt. Die Druckkraft dagegen bleibt gleich, weil die Statik der Wasseroberfläche unverändert besteht. Folge davon ist eine Querbeschleunigung der bodennahen Wasserteilchen in Richtung des Kurveninneren.
Dadurch entsteht nun an der Oberfläche eine Strömung in Richtung kurvenäußeren Seite.
Aus dieser Querzirkulation und der Gewässerströmung entsteht in der Summe längs des Flusskörpers eine spiralförmige oder schraubenförmige Strömung, die am Gewässerboden Richtung Kurveninnenseite strömt. Weil die Strömungsgeschwindigkeit zum Kurveninnern abnimmt, wird die Strömung nach innen hin ebenfalls langsamer und die Sedimentfracht, die der Fluss mitführt, sinkt wieder zu Boden. Somit befördert die Strömung Sedimente vom Prallhang zum Gleithang, wodurch der Kurvenradius des Mäanders immer größer wird.

Um diesen Earthcache loggen zu dürfen, müsst Ihr Fragen beantworten und etwas künstlerisch tätig sein. Es gibt keine Tafeln zum Ablesen, hier ist Eure eigene Meinung gefragt. Betrachte für die Fragen 1 und 2 das Bild.
1. In Richtung Nordwesten sieht man auf der anderen Seite der Enz Grünflächen. Wie wird dieser Teil der beiden Flussufer im geologischen Sinn bezeichnet? (A).
2. Durch welche Kraft entsteht der Prallhang (B).
3. An den Koordinaten ist an dem Prallhang ziemlich deutlich der Übergang von Unterem zu Oberem Muschelkalk erkennbar. Schildere bitte mit eigenen Worten, wo im Aufschluß sich dieser Übergang befindet und begründe, wie du dies erkennen kannst. Erstelle bitte eine Skizze des Aufschlusses genau an dieser Stelle mit den Abgrenzungen von Unterem zu Oberem Muschelkalk und schätze die Mächtigkeiten der beiden Schichten.
4. Schaue dir den Oberen Muschelkalk genau an. Was denkst du, aus welcher Formation er kommt. Begründe deine Antwort.
5. Füge deinem Log (NICHT deinen Antworten) ein Foto von dir, deinem GPS, deinem persönlichen GC oder einem anderen Geocaching-Objekt bei. Das Foto sollte im Hintergrund eine Gegebenheit vor Ort zeigen, jedoch nicht den Prallhang.
Diese Aufgabe ist obligatorisch und gemäß den im Juni 2019 aktualisierten Richtlinien zulässig.
Übermittle Punkt 1-4 an den Owner. Logs, bei denen Skizzen direkt mit eingebunden sind, werden umgehend gelöscht.
Textquellen:
https://www.palaeo-online.de/de-trias-sw-stratigraphie-m.html
https://lgrbwissen.lgrb-bw.de/geologie/schichtenfolge/trias/muschelkalk
https://de.wikipedia.org/wiki/Oberer_Muschelkalk
https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4ander
Bildquelle:
Mäander: Lämpel, https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Mäanderquerzirkulation_Hydromorphologie_Prallhang_Gleithang.png (überarbeitet)
Germanisches Becken: eigenes Bild