St. Andreas in Bad Gögging
vom römischen Bad zur Doppelkirche und zum Museum
Römische Anfänge (2.–4. Jh.)
Unter dem heutigen Kirchplatz lag eines der größten römischen Heilbäder nördlich der Alpen. Spätestens um 180 n. Chr. entstand hier eine große, mehrphasige Thermenanlage, deren zentrales, beheiztes Becken (10,8 × 7,8 m) genau unter dem späteren Kirchenschiff liegt. Nach Norden schlossen Sitzwannen an; eine spätere Bauphase brachte ein rundes Schwitzbad (laconicum). Teile des Komplexes wurden im 3. Jh. beschädigt, in der Spätantike weitergenutzt.
Die Gesamtanlage dürfte etwa 60 × 30 m umfasst haben und war mit den typischen Raffinessen römischer Badekultur (Hypokausten-Heizung, Warm-/Heiß-/Kaltbäder) ausgestattet.
Das Gögginger Schwefelbad, dessen Name nicht überliefert ist, wurde offensichtlich im 2. und 3. Jh. n. Chr. mehrfach umgebaut und erweitert. Ziegelstempel belegen, dass die zeitweise in Eining stationierte III. Britannierkohorte und die III. Italische Legion am Aufbau des Bades beteiligt waren.
Frühmittelalter (7.–8. Jh.)
Als die römische Badekultur verschwand, blieb der Ort heilig: 81 kleine Steck-/Votivkreuze aus der Mitte des 7. Jhs. belegen eine frühchristliche Kultstätte direkt im alten Becken. Wahrscheinlich entstand bereits im 7./8. Jh. die erste Kirche an dieser Stelle.
Hochmittelalter: Pfarrort und romanischer Neubau (12.–13. Jh.)
Die Pfarrei ist früh bezeugt: 1128 erscheint die "ecclesia Gekingen" in einer Schenkungsurkunde; 1133 (Innozenz II.) und 1177 (Alexander III.) bestätigen die Pfarrei, 1220 ist ein "decanus de Gegkingen" belegt. Um 1200 entstand die heute sichtbare romanische Saalkirche St. Andreas mit Chorturm – das Nordportal zeigt im Tympanon Christus zwischen zwei Engeln.
Diese romanische Chorturmkirche ist gerade wegen des reichen Skulpturenschmucks am Nordportal einzigartig.
Sehenswert ist auch das Storchennest, das derzeit auf dem Kirchturm installiert ist und regelmäßig von Storchenfamilien in Anspruch genommen wird.
Spätmittelalter bis Frühe Neuzeit
Vom Mutterpfarrsprengel wurden im Spätmittelalter mehrfach Gebiete abgetrennt (u. a. 1380 Abensberg). 1653 verlegte man den Pfarrsitz nach Neustadt a. d. Donau; Gögging wurde zunächst Filiale, ab 1700 Expositur. Mit dieser Herabstufung entfernte man den alten romanischen Taufstein, der beim Bau der neuen Kirche wiederentdeckt, zusammengesetzt und wieder in Gebrauch genommen wurde.
Im 18. Jh. erhielt die romanische Kirche barocke Umbauten (u. a. an Fenstern und Ausstattung).
20. Jh.: Ausgrabungen und die „neue“ Pfarrkirche
Bei Bau- und Grabungsarbeiten 1959 (im Zusammenhang mit dem Kirchenneubau), 1970–1975 und erneut 1998 bestätigten Archäologen die römische Thermenanlage im Bereich St. Andreas. Sichtbar wurden Hypokausten, Kanäle, das Zentralbecken und mehrere Sitzwannen.
Direkt neben der romanischen Kirche entstand die neue Pfarrkirche St. Andreas: Grundsteinlegung 21. Juni 1959, Benediktion am 19. März 1961 (Domkapitular Küffner), Kirchenweihe mit Altar-Konsekration am 17. Juni 1966 durch Bischof Rudolf Graber. Prägendes Kunstwerk ist das große Hängekruzifix (1960/61) des Bildhauers Guido Martini.
Kirchenrechtlich wurde Bad Gögging 1946 zur Pfarrkuratie erhoben und ist seit 1. Mai 1989 wieder eigene Pfarrei.
Gegenwart: Alte Kirche als Museum, neue Kirche als Pfarrzentrum
Die romanische „alte“ St. Andreas ist heute profanierte Kirche und beherbergt das Römische Museum für Kur- und Badewesen. Im Inneren sind das zentrale Becken, vier Einzelwannen und die Hypokaustenheizung der römischen Therme zu sehen; die frühmittelalterlichen Votivkreuze veranschaulichen die Kontinuität des Kultortes.
Das Museum ist Dienstag bis Samstag von 16:00 bis 17:00 geöffnet, Sonntag 10:30 bis 11:30 und der Eintritt kostet für Erwachsene 7 € (Die exakten Öffnungszeiten und evtl. Abweichungen wie Winteröffnungszeiten bitte entweder vor Ort oder online herausfinden).

Seit Juli 2021 ist der Fundort Bad Gögging Teil des UNESCO-Welterbes „Donaulimes“ – das Museum in St. Andreas vermittelt diese römische Tradition unmittelbar am Originalbefund.