Wieder einmal gehen wir in vollkommener Ruhe durch den nördlichen, dunklen Wald.
Eine Nacht ganz nah beim Neumond haben wir gewählt.
Auf den spärlichen Lichtungen blicken wir gen Himmel, sehen die Sterne über uns leuchten und fragen uns:
Wieviele Jahre ist ihr Licht wohl ungefähr unterwegs,
bis es unsere schwachen Augen trifft?
Dieser Gedanke wird uns heute über das Morgengrauen in den neuen Tag begleiten.
Wie immer starten wir bei dem recht einsam gelegenen Bauernhof und sehen in der Dunkelheit die Schemen einiger Schafe und auch Widder stehen, die uns wohl hoffentlich nicht für Wölfe halten. Beim Aufbruch - noch in tiefer Dunkelheit - können wir bei dem kleinen Teich den jungen Schwan, den wir letztes Jahr schon bewundert haben, erahnen. Er ruht, ist aber durch sein weißes Gefieder sogar in dieser Nacht gut wahrzunehmen.
Auf unserem Weg sind wir einsam, aber wie immer erfüllt und glücklich. So unterschiedlich wir auch sind - unsere Herzen schlagen wie eins und wir beschreiten den Weg wie Zwillinge, ein wenig in uns versunken, aber auch in freudiger Erwartung und Hoffnung auf einen schönen Morgen.
Wir lieben die Nacht, auch wenn manche Geräusche ungewohnt sind: Was wir dort drüben bellen hören, das sind sicher keine Jagdhunde, ...
Es wird wahrscheinlich ein Fuchs auf einer morgendlichen Reviertour sein. Wir haben auch gelesen, dass in diesen Wäldern wieder der eine oder andere Luchs heimisch sein soll, aber wir sind noch keinem begegnet.
Man muss die Stimmung mögen und auch schätzen: in der Finsternis haben viele Bäume und Felsformationen eine ganz andere Erscheinung - das mangelnde Licht und die schwachen Schatten spielen der Phantasie einen Streich - ist das da drüben ein großer Bär?
Der Moment, wenn die Sonne endlich über den Horizont steigt, ist jedesmal ein besonderer. Wir begrüßen sie und ihre Wärme, die die Morgennebel vertreibt. Nach ihrem Aufgang werden sogar ein paar Felsen in der kalten Morgenluft am Gipfel erwärmt ... und - ungewöhnlich so spät im Jahr - sogar eine Eidechse lugt kurz hervor. Wir haben hier oben auch schon einmal eine Schlange gesehen, aber die war sicher nicht gefährlich und für die ist es heuer hier oben wirklich schon zu spät.
Im Morgengrauen schwebt jetzt ein großer Raubvogel - kann das ein Adler sein? - über den Horizont und erinnert uns daran, dass es Zeit ist, aufzubrechen. Der gewählte Rückweg ist für uns neu und hält ein paar Überraschungen bereit, einmal müssen wir sogar über einen gar nicht so kleinen Bach springen. Wir bleiben ein wenig stehen und verhalten uns ruhig: Hier gibt es ein paar ganz kleine Fische zu sehen. Der Bach wird erst viel später im Jahr zufrieren, so hoch oben sind wir nicht mehr und das Wasser fließt schnell und stark nach dem Regen der letzten Wochen.
Verschwindet dort hinten nicht sogar ein Krebs unter einem Felsen? Weiter unten merken wir dann, dass es gut war, uns für einen anderen Rückweg entschieden zu haben. Da drüben auf der Weide beim Bauernhof steht jetzt ein junger Stier; dem hätten wir so früh am Morgen nicht begegnen wollen. Natürlich werden wir kurz vor dem Ende unseres Weges beim Bauernhof angebellt: es ist aber nur ein kleiner Hund, der sich hinter seinem Zaun ganz groß fühlt und nicht gewohnt ist, dass hier am Weg schon so früh wieder jemand herunter kommt.
Konntet Ihr diesen Weg mit unseren Augen sehen?
Die Geräusche der Nacht hören? Den Wald riechen?
Vielleicht wollt Ihr auch besuchen, was wir bei dieser Wanderung hinterlassen haben;
aber aus vielen, sehr nachvollziehbaren Gründen: ganz entschieden nicht bei Nacht!
Ihr dürft Euren Weg selber wählen und wir würden uns über ein paar Zeilen freuen bei
N (ζ/50) (β/200+1)° (κ/100) (ν/60).(α/7) (γ/5) (ξ/20)
E θ (ι/100) (ο/2)° (λ/3) (μ/50).(δ/50) (η/10) (ε/500)
Ihr müsst also ein wenig rechnen, bevor Ihr aufbrechen könnt. Nichts zu schweres, hoffen wir, aber jedenfalls am Ende einer Rechnung abrunden, falls Euch einer der Diamanten am Weg zerbrochen ist.