Die Geschichte
Es war ein kühler Frühlingsmorgen, das Laub raschelte leise über der murmelnden Reuss, während die Teilnehmer der jährlichen Ostereiersuche ihre Körbe füllten. Zwischen den blühenden Narzissen und dem Duft von feuchtem Moos schlich ein Geocaching-Jäger mit seinen Freunden dem Ufer des Flusses entlang.
Plötzlich blieb er stehen. Dort, halb im Wasser verborgen, lag ein menschlicher Schädel, dessen Augenhöhlen wie dunkle, uralte Höhlen wirkten. Ein leichter, heller Schimmer ging von diesem Schädel aus.
Instinktiv griff er nach dem Schädel, doch ein lautes Quaken eines Frosches ließ ihn innehalten. Der Fluss schien plötzlich zu pulsieren, als ob das Wasser selbst ein altes Geheimnis bewahrte. Ohne zu zögern, zog er den Schädel heraus und liess das kühle Nass vom Kopf perlen.
Er erinnerte sich an eine vergessene Legende, die er einst in einem staubigen Archiv in Jerusalem gelesen hatte – von einem verborgenen Tempel, der jedes Jahr zur Frühlings-Tagundnachtgleiche von den „Wächtern des Lichts“ bewacht wurde. Dort, so hieß es, lag ein Schatz, der nicht Gold, sondern Wissen und ewige Freude enthielt. Der Schlüssel dazu war ein Schädel, den die Natur selbst bewahrte, bis die richtigen Sucher ihn fanden.
Mit einem entschlossenen Grinsen steckte er den Schädel in seinen Rucksack und rief den anderen Eiersuchern zu: „Folgt mir, wir haben hier mehr als nur bunte Eier gefunden!“
Sie drangen tiefer in den Wald vor, über umgestürzte Baumstämme und durch dichtes Unterholz, bis der Weg abrupt endete. Was nun?
Plötzlich hörten sie fremde Stimmen und das ungute Gefühl stieg in ihnen auf, verfolgt zu werden. Sie duckten sich ins Unterholz um nicht gesehen zu werden. Als die Verfolger näher kamen und vom Schädel die Rede war, stand fest, dass sie nun in der Klemme waren. Aber auf keinen Fall wollten sie den Schädel hergeben. Also versteckten Sie ihn schnell im Gehölz.
Kurz darauf wurden sie von den Verfolgern entdeckt und aus ihrem Versteck gezerrt. Mit lauten Worten wurden sie bedrängt und ausgefragt, wo der Schädel zu finden sei. Trotz der Einschüchterungsversuche hielten alle dicht und verrieten kein Wort. Irgend wann gaben die Verfolger auf und liessen sie gehen.
Mit zittrigen Knien machten sie sich auf den Weg zurück zur Waldhütte. Dort, bei einer Wurst vom Feuer, erholten sie sich vom ersten Schrecken und entschieden sich, zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu kommen und den Schädel zu holen.
Bevor sie nach Hause gingen notierte der Geocaching-Jäger in sein Cacher-Tagebuch:
440 Meter von der Feuerstelle beim Waldhaus in 116 Grad.
Doch der Schock sass wohl zu tief denn seither wurde keiner der Gruppe je wieder hier gesehen.
Und so beginnt nun ein neues Kapitel der Osterabenteuer, in dem jeder Schritt über das moosige Ufer des Flusses ein Echo der Vergangenheit ist und jeder Fund ein Hinweis auf ein grosses Rätsel hindeutet.