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Die Flussterrassen der Roten Murg EarthCache

Hidden : 2/11/2026
Difficulty:
3 out of 5
Terrain:
2.5 out of 5

Size: Size:   other (other)

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Geocache Description:


Abb. 1: Terassenrand

Von den Parkkoordinaten erreicht ihr die Ziele dieser Exkursion, indem ihr dem Wegweiser "Steine erzählen Geschichte" (siehe Galerie) folgt. Im Tal der Roten Murg sind die Flussterrassen eines der wichtigsten Archive der Landschaftsentwicklung. Sie lassen sich gut mit der Eiszeitgeschichte, der Hebung des Schwarzwaldes und der Dynamik eines Mittelgebirgsflusses erklären. Neben den einzelnen Terrassentypen werden wir auch der Frage nachgehen, weshalb diese an einzelnen Stellen nur schwach ausgeprägt sind oder wie im Schluchtbereich ganz fehlen. 

Abb. 2: Flussterrassen der Roten Murg

Die Flussterrassen der Roten Murg lassen sich nur verstehen, wenn man drei eng miteinander verknüpfte Faktoren gemeinsam betrachtet: die Eiszeitgeschichte, die Hebung des Schwarzwaldes und die typische Dynamik eines Mittelgebirgsflusses.

Ein zentraler Einflussfaktor ist die Eiszeitgeschichte des Quartärs. Während der Kaltzeiten herrschten im Schwarzwald periglaziale Bedingungen. Frostverwitterung zerkleinerte das anstehende Gestein intensiv, Vegetation war spärlich, und große Mengen an Schutt und Geröll gelangten in die Täler. Die Rote Murg führte damals stark schwankende, oft hohe Abflüsse und war durch die enorme Sedimentfracht überlastet. In dieser Situation überwog die Aufschotterung: Der Fluss lagerte breite Schotterflächen im Talboden ab und bildete einen vergleichsweise breiten, flachen Talraum. Diese Phasen führten zur Entstehung ausgedehnter Talböden, aus denen später die Hoch- und Mittelterrassen hervorgingen. In den Warmzeiten hingegen stabilisierte sich die Vegetation, die Sedimentzufuhr nahm stark ab, und der Abfluss wurde gleichmäßiger – eine Voraussetzung für verstärkte Erosion.

Parallel dazu wirkte die Hebung des Schwarzwaldes als langfristiger geodynamischer Motor. Seit dem Tertiär wird der Schwarzwald tektonisch angehoben, wodurch sich das Gefälle der Flüsse kontinuierlich vergrößerte. Diese Hebung zwang die Rote Murg immer wieder, ihr Längsprofil anzupassen. Besonders in Warmzeiten, wenn weniger Material zur Ablagerung zur Verfügung stand, reagierte der Fluss auf das erhöhte Gefälle mit Tiefenerosion. Er schnitt sich in die zuvor abgelagerten Schotterkörper ein, sodass die ehemaligen Talböden als höher gelegene Terrassen erhalten blieben. Die Höhenunterschiede zwischen Hoch-, Mittel- und Niederterrassen spiegeln daher nicht nur klimatische, sondern auch tektonische Prozesse wider.

Die dritte wesentliche Komponente ist die Dynamik eines Mittelgebirgsflusses. Die Rote Murg besitzt ein relativ kleines Einzugsgebiet, ein starkes Gefälle und reagiert empfindlich auf Änderungen von Abfluss und Sedimentfracht. In Phasen hoher Energie dominiert die Tiefenerosion, während bei Sedimentüberschuss die Ablagerung überwiegt. Diese wechselnde Dominanz von Erosion und Akkumulation ist typisch für Mittelgebirgsflüsse und erklärt, warum sich die Terrassen nicht kontinuierlich, sondern stufenweise ausbildeten. Die Niederterrasse entstand schließlich in der Spät- und Nacheiszeit, als sich der Fluss nur noch geringfügig weiter eintiefte und zeitweise wieder Sedimente nahe am heutigen Flussbett ablagerte.

Im Ergebnis stellt die Bildung der Flussterrassen der Roten Murg das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus eiszeitlich gesteuerter Sedimentproduktion, tektonisch bedingter Hebung des Schwarzwaldes und der hochdynamischen Reaktion eines Mittelgebirgsflusses dar. Jede Terrassenstufe markiert einen früheren Gleichgewichtszustand zwischen Abfluss, Gefälle und Sedimentfracht und dokumentiert damit einen Abschnitt der quartären Landschaftsentwicklung.

Die Terrassenstufen der Roten Murg sind heute nur noch selten als zusammenhängende, ebene Flächen erhalten, weil sie seit ihrer Entstehung über lange Zeiträume hinweg vielfältigen Zerstörungs- und Umformungsprozessen ausgesetzt waren.

Ein wesentlicher Grund ist die fortgesetzte Erosion durch den Fluss selbst. Nach der Ausbildung einer Terrasse schnitt sich die Rote Murg weiter in ihr Bett ein. Dabei wurden die Terrassenränder unterspült, abgetragen oder abschnittsweise vollständig beseitigt. Besonders in einem Mittelgebirgsfluss mit starkem Gefälle kommt es immer wieder zu Umlagerungen des Flusslaufes, sodass einzelne Terrassenreste isoliert stehen bleiben.

Hinzu kommt die Seitenerosion und Hangdynamik. Die steilen Talflanken des Murgtals sind von Rutschungen, Steinschlag, Blockschuttbewegungen und Bodenfließen geprägt, insbesondere während und nach den Eiszeiten. Diese Prozesse haben die ursprünglich flachen Terrassenoberflächen zerschnitten, überdeckt oder hangabwärts verfrachtet. Dadurch gingen die ebenen Formen vielerorts verloren oder sind nur noch als schmale Reste erkennbar.

Auch die ungleiche Widerständigkeit des Untergrundes spielt eine Rolle. Die Terrassenschotter liegen auf unterschiedlich festen Gesteinen (z. B. Gneis, Granit, Palingenit). Wo der Untergrund stärker zerklüftet oder weniger widerständig ist, wurden Terrassen schneller abgetragen als in stabileren Bereichen. Dies führt zu einer fragmentierten, lückenhaften Erhaltung.

Zusätzlich wirkten klimatische und biologische Faktoren: Verwitterung, Durchwurzelung, Bodenbildung und später auch menschliche Eingriffe (Wege, Siedlungen, Forstwirtschaft) haben die ursprünglichen Terrassenflächen weiter verändert und gegliedert.

Insgesamt sind die Terrassen der Roten Murg daher keine durchgehenden Ebenen mehr, sondern erscheinen heute als inselhafte Terrassenreste, die nur abschnittsweise erhalten sind. Gerade diese unvollständige Erhaltung ist typisch für Mittelgebirgstäler und ein Hinweis auf die lange, dynamische Entwicklung des Murgtals.

Abb. 3: Terrassenausbildung entlang der Roten Murg

Die Abbildung zeigt schematisch die Entwicklung eines Flusstales von der Schlucht über einen Übergangsbereich hin zum Terrassental und verdeutlicht damit die Prozesse der Terrassenbildung im Längs- und Querprofil eines Mittelgebirgsflusses wie der Roten Murg.

Im linken Teil der Abbildung ist eine Schlucht dargestellt. Hier dominiert die Tiefenerosion. Der Fluss besitzt ein starkes Gefälle, eine hohe Fließenergie und schneidet sich bevorzugt in den festen Untergrund ein. Seitliche Erosion und Aufschotterung spielen kaum eine Rolle. Es entstehen steile, felsige Talflanken, während ältere Talböden vollständig abgetragen werden. In diesem Stadium können sich keine Terrassen erhalten, da der Fluss kontinuierlich Material ausräumt.

Im mittleren Abschnitt, dem Übergangsbereich, nimmt das Gefälle allmählich ab. Die Tiefenerosion ist weiterhin wirksam, wird jedoch zunehmend von Seitenerosion und zeitweiser Aufschotterung begleitet. Während Phasen geringerer Abflussenergie – etwa in Kaltzeiten mit hoher Sedimentfracht – lagert der Fluss Schotter im Talboden ab. In nachfolgenden Phasen verstärkter Erosion schneidet sich der Fluss erneut ein und lässt diese früheren Talböden als erste, noch unvollständig ausgeprägte Terrassenreste stehen. Die Abbildung zeigt hier bereits erste Stufen an den Talflanken, jedoch noch ohne ausgeprägte, zusammenhängende Terrassenflächen.

Im rechten Teil der Abbildung ist schließlich das Terrassental dargestellt. Das Gefälle ist geringer, die Talsohle breiter, und der Fluss pendelt stärker zwischen Aufschotterung und Einschneidung. Durch den wiederholten Wechsel von Kalt- und Warmzeiten sowie durch die fortschreitende Hebung des Schwarzwaldes entstehen mehrere Terrassenniveaus. Diese Terrassen markieren frühere Höhenlagen des Flussbettes und sind als gestufte Flächen an den Talflanken erkennbar. Die untersten Terrassen liegen nahe am heutigen Flusslauf, während höhere Terrassen ältere Entwicklungsphasen repräsentieren.

Insgesamt verdeutlicht die Abbildung, dass Flussterrassen keine einmaligen Formen sind, sondern das Ergebnis einer dynamischen Talentwicklung, bei der klimatische Schwankungen, tektonische Hebung und fluvialer Erosions- und Ablagerungswechsel zusammenwirken. Die Terrassen dokumentieren somit die geomorphologische Geschichte des Flusses und seines Tales.

Abb. 4: Beispiel einer Terrassenausbildung

Um diesen Earthcache zu loggen, sende die Antworten zu den nachfolgenden Fragen über mein Profil.  Die Fragen sind so formuliert, dass man beobachtet, vergleicht und interpretiert, nicht nur "nachliest". Nach Übersendung der Antworten kann sofort geloggt werden. Sollte etwas nicht stimmen, werde ich mich melden.

1. Wie unterscheiden sich Talform und Talbreite an Stage 1 und Stage 2? Welche Unterschiede lassen sich in der Hangneigung und im Aufbau der Talflanken erkennen? Wie breit ist die Talsohle in etwa an den jeweiligen, angegebenen Koordinaten.

2. Welcher der beiden Abschnitte (um Stage 1 oder um Stage 2) zeigt eine frühere, welcher eine spätere Phase der Talentwicklung? Begründe deine Entscheidung ausschließlich mit Geländeobservationen.

3. Was sagt der Vergleich der beiden Punkte über die Entwicklung der Roten Murg aus?

4. Lade bitte mit dem Log ein Foto vor Ort mit deinem Cachernamen oder einem persönlichen Gegenstand hoch.

 

Quellen:

LGRB Kartenviewer (Baden-Württemberg)

LGRBwissen - Baden-Württemberg

McCann T., Manchego M. (2015): Geologie im Gelände

 

Fotos:

Abb. 1 und Seitenbild:  Eigen

Abb. 2 und 3: gestaltet mit AI

 

Additional Hints (No hints available.)

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