Mitten im Rastatter Stadtteil Rheinau, steht dieses kleine, aber enorm bedeutsame Schmuckstück: die Wendelinuskapelle. Ihr steht hier vor einem der ältesten Gebäude dieses Stadtteils und einem echten Symbol für den Bürgersinn der Rheinauer.
Der lange Weg zum eigenen Gotteshaus
Schon Ende des 19. Jahrhunderts hegten die Rheinauer den sehnlichen Wunsch nach einer eigenen Kapelle. Damals war die Rheinau noch ein stark landwirtschaftlich geprägtes Dorf und der Weg zur Stadtkirche St. Alexander war weit. 1898 baten die Einwohner den Rastatter Gemeinderat erstmals um einen Bauplatz. Es dauerte jedoch Jahre und erforderte viel Eigeninitiative. Ab 1907 sammelten die Bürger von Haus zu Haus Geld. Stolze 6000 Mark kamen so zusammen! Nachdem die Stadt das Grundstück kostenlos zur Verfügung stellte, konnte 1912 endlich der Grundstein gelegt werden. Am 31. August 1913 wurde das Gotteshaus schließlich feierlich eingeweiht.
Wer war eigentlich St. Wendelinus?
Der Legende nach war Wendelin ein iroschottischer Königssohn, der im 6. Jahrhundert als Einsiedler und Hirte lebte. Er gilt als Schutzpatron für das Vieh, die Bauern und die Landwirtschaft. Da die Rheinau damals von Äckern und Ställen geprägt war, war er die logische Wahl. In der Kapelle findet ihr seine Statue. Er wird traditionell als Hirte mit Stab, Tasche und Tieren zu seinen Füßen dargestellt.

Der Glockenturm
Wusstet ihr, dass der kleine Glockenturm erst 1951 hinzugefügt wurde? Zuvor gab es nur einen einfachen Dachreiter. Die neue Glocke mit dem Ton "Cis" wiegt 163 kg und wurde anfangs per Hand mit einem Seil geläutet.
Gerettet vor dem Abriss
Mitte der 1970er Jahre war die Kapelle stark renovierungsbedürftig und sollte eigentlich abgerissen werden, um Platz für Wohnhäuser zu machen. Ein Abbruchantrag lag bereits vor. Doch dank des massiven Protests der Rheinauer Bürger, der Unterstützung des Denkmalschutzes und des großen Engagements von Pfarrer Richard Baumann konnte das Kirchlein gerettet werden. Nach einer umfassenden Sanierung wurde sie 1977 feierlich wiedereröffnet.
Obwohl 1984 die viel größere Heilig-Kreuz-Kirche in der Nähe gebaut wurde, hat die kleine Wendelinuskapelle nie ihren Charme verloren und wird bis heute für Gottesdienste, Taufen und Trauungen genutzt.
Die Wendelinuskapelle ist tagsüber meist für Besucher geöffnet und lädt zu einem Moment der Stille abseits des Alltags ein. Tretet ein und lasst die besondere Atmosphäre dieses über 100 Jahre alten Gotteshauses auf euch wirken.