(Zum besseren Verständnis zuerst die Listings von GCBNBN4 und GCBNV9H lesen)
Der Fund der IBM System/360 ließ ihnen keine Ruhe. Die Lichter hatten sie gesehen. Die Muster hatten sie dokumentiert. Und auch wenn sie noch nicht alles verstanden – eines war klar: Das System lebte.
„Wenn das hier läuft… dann muss es auch einen Platz geben, von dem aus es bedient wurde.“
Sie begannen, den Raum genauer zu untersuchen. Zwischen den massiven Schränken und Kabelsträngen führte ein schmaler Gang weiter nach hinten. Dort, fast verborgen hinter einem der großen Module, entdeckten sie schließlich eine Glastür ein Büro. Abgetrennt vom Rest der Anlage, als hätte hier jemand bewusst Distanz geschaffen – oder Kontrolle behalten wollen. Die Scheiben waren blind vor Staub, die Tür klemmte ein wenig, als sie sie öffneten. Ein alter Schreibtisch stand mitten im Raum. Die Oberfläche vergilbt, aber aufgeräumt – fast so, als hätte jemand ihn nie wirklich verlassen.
Darauf ein Terminal. Kantig, funktional, ohne jede Form von Komfort. Daneben ein Kaffeebecher. Der Inhalt längst verschwunden, aber der Rand dunkel verfärbt. Eingetrocknet. Vergessen. „Der stand hier nicht erst seit gestern…“
Rechts neben dem Tisch stand ein Drucker – groß, schwer, unverkennbar ein Gerät aus einer anderen Zeit. Auf einem verblassten Typenschild war der Name zu erkennen: IBM 1403. Endlospapier hing noch eingespannt im Einzug. Die perforierten Ränder leicht eingerissen, als wäre der letzte Ausdruck hastig abgetrennt worden.
In einer Ecke schließlich stand ein weiteres Gerät. Massiv. Metallgehäuse. Schlitze, Hebel, eine breite Öffnung an der Front. Auf den ersten Blick war nicht klar, wofür es gedacht war. „Was soll das hier sein?“ Sie gingen näher heran, betrachteten es von allen Seiten. Keine eindeutige Beschriftung, der Schriftzug IBM war noch zu erkennen. Noch so ein Relikt – aber wofür? Die Antwort musste warten.
In diesem Moment fiel ihr Blick zurück auf den Schreibtisch. Das Terminal. Ein leises, rhythmisches Blinken zog ihre Aufmerksamkeit an. Offenbar hatte das Hochfahren der IBM System/360 nicht nur die großen Schränke im Nebenraum zum Leben erweckt. Auch hier lag wieder Strom an. Langsam traten sie näher. Der Bildschirm war dunkel. Kein Menü. Keine Erklärung. Nur ein blinkender Prompt. Sie probierten ein paar harmlose Eingaben. Nichts. Dann erinnerte sich einer von ihnen an die Beschriftung auf den alten Unterlagen: „Jobs… irgendwas mit Jobs.“ Ein Zettel, halb unter die Tastatur geschoben, lieferte den entscheidenden Hinweis. Darauf stand, in verblasster Schrift:
SUBMIT GCJOB
SUBMIT GCJOB2
Ein Blick. Ein Schulterzucken. „Was soll schon passieren?“ Die Eingabe war schnell gemacht.

Das Terminal reagierte sofort. Zeilen flimmerten über den Bildschirm – kryptisch, strukturiert, kaum verständlich.
„Da passiert nichts, probieren wir mal den Zweiten." SUBMIT GCJOB2
Wieder das gleiche Schauspiel. Mehr Zeilen. Mehr scheinbar sinnlose Anweisungen. Und dann sprang der Drucker an. Ein lautes, mechanisches Rattern erfüllte den Raum. Das Endlospapier setzte sich in Bewegung, Lochstreifen zogen sich über die Transportrollen. Zeichen wurden auf das Papier gehämmert, Zeile für Zeile. „Der druckt wirklich…“

Der erste Ausdruck war noch nicht ganz zur Ruhe gekommen, als der Drucker plötzlich verstummte. Ein hartes mechanisches Klacken hallte durch den Raum. Dann Stille. „Äh… war das geplant?“ Der Endlospapierstreifen hing schief aus dem IBM 1403, irgendwo im Inneren summte noch leise ein Motor. Schließlich erlosch eine der kleinen Kontrolllampen an der Front. „Ich glaube, der hat sich gerade verabschiedet.“
Vorsichtig öffneten sie die Abdeckung des Druckers. Der Geruch von warmem Staub und altem Papier schlug ihnen entgegen. „Papierstau.“ Zwischen den Transportrollen hatte sich das Papier verkeilt. Beim Versuch, den zerknitterten Streifen herauszuziehen, fiel ihnen etwas auf. „Moment mal…“
Tief im Inneren des Druckers steckte noch eine weitere Seite. Offenbar hatte sie dort schon sehr lange gelegen.
Sie zogen das Blatt vorsichtig heraus und breiteten es neben dem neuen Ausdruck auf dem Tisch aus. Sofort war klar, dass beides zusammengehörte. Gleiche Formatierung. Fortlaufende STEP-Nummern. „Das ist die zweite Hälfte.“
Zwischen den gedruckten Zeilen der alten Seite stand etwas handschriftlich notiert. Verblasster Kugelschreiber, hastig geschrieben. Die beiden sahen sich kurz an. „Dann hat jemand diesen Job schon einmal ausgeführt. Und zwar am 11.4.1979. Ziemlich lange her.“

Sie legten die Ausdrucke auf den alten Schreibtisch. Gleich aufgebaut und doch unterschiedlich. „Das gehört zusammen.“
Der eine zog den zweiten Ausdruck ein Stück näher heran, während der andere noch über dem ersten Blatt hing. Die Strukturen waren ähnlich – STEP, EXEC, DD. Wieder diese gleichförmigen Blöcke, Zahlen und Anweisungen. Sie begannen, beide Ausdrucke nebeneinander zu lesen. Nicht mehr isoliert – sondern im Vergleich. Plötzlich sahen sie das Ergebnis. Erst der eine. Dann der andere. Zwei Ausdrucke. Zwei Ergebnisse. Zwei Koordinaten. Draußen irgendwo musste der Punkt liegen, an dem alles zusammenlief. Und je länger sie die beiden Blätter betrachteten, desto klarer wurde:
Das hier war kein Zufallsfund. Jemand hatte sich die Mühe gemacht, all das vorzubereiten.
Die Karten. Die Anlage. Das Terminal mit dem Drucker.
Aber war das schon alles? Und was war das für eine klobige Maschine dort in der Ecke?
(wird fortgesetzt)