Der Falkenhorst am Prallhang der Urdonau
Warum wechseln die Felsen im Altmühltal die Seite?
Wer schon einmal durch das Altmühltal gefahren, geradelt oder gewandert ist, hat vielleicht eine auffällige Beobachtung gemacht: Die hellen Jurafelsen stehen meist nicht gleichmäßig auf beiden Seiten des Tales. Oft treten sie besonders deutlich nur auf einer Talseite hervor. Nach einigen Kilometern wechseln sie dann scheinbar die Seite: Mal ragen die Felsen links des Talbodens auf, mal rechts.
Dazwischen liegen breitere und sanftere Hangbereiche, Wiesen, Wälder, Wege oder Siedlungen. Dieses Wechselspiel ist kein Zufall. Es ist ein Hinweis darauf, wie das Tal entstanden ist und wie alte Flussschleifen in die Landschaft eingeschnitten wurden.
Besonders deutlich lässt sich dieses Prinzip an der Altmühlschleife westlich von Riedenburg beobachten. Hier beschreibt das Tal eine auffällige Hufeisenform. Der Falkenhorst liegt an der steilen, felsigen Außenseite dieser Schleife. Der gegenüberliegende Innenbogen ist deutlich sanfter ausgeprägt und wird heute unter anderem von einer Sommerrodelbahn genutzt.
Die Felsen rund um den Falkenhorst sind also nicht nur landschaftlich eindrucksvoll. Sie zeigen, wo ein früherer, deutlich kräftigerer Fluss besonders stark an der Talflanke gearbeitet hat: die Urdonau beziehungsweise Altmühl-Donau.
1. Der Untergrund: Kalk und Dolomit aus dem Jurameer

Die Grundlage dieser Landschaft entstand lange vor der eigentlichen Talbildung. Vor rund 150 Millionen Jahren lag die Region im Bereich eines warmen, flachen Meeres. In diesem Jurameer lagerten sich Kalkschlämme, Schalenreste von Meerestieren und Riffbereiche ab. Aus diesen Ablagerungen entstanden im Laufe der Zeit Kalksteine.
Teile dieser Kalksteine wurden später chemisch verändert. Magnesiumhaltiges Wasser konnte in vorhandene Kalkablagerungen eindringen und Teile des Kalksteins in Dolomit umwandeln. Dadurch entstand kein völlig einheitlicher Gesteinskörper, sondern ein Untergrund aus Kalk- und Dolomitgesteinen mit unterschiedlichen Eigenschaften.
Für die spätere Talbildung war genau das wichtig. Manche Bereiche waren stärker geschichtet oder stärker geklüftet und konnten leichter angegriffen werden. Andere Bereiche waren massiger und widerstandsfähiger. Der Fluss traf also nicht auf einen überall gleich harten Untergrund, sondern auf ein Gestein, das Schwächezonen, Klüfte und widerständige Partien enthielt.
Diese Unterschiede erklären nicht allein den gesamten Talverlauf, aber sie beeinflussten, wo Wasser leichter erodieren konnte, wo sich Hänge stärker entwickelten und wo Felsen als widerständige Reste stehen blieben.
2. Das Meer verschwindet – Wasser sucht sich Wege
Nach dem Rückzug des Meeres wurde die Region Festland. Aus dem ehemaligen Meeresboden entwickelte sich über sehr lange Zeit die Landschaft der heutigen Fränkischen Alb. Regenwasser, Quellen und Flüsse begannen, das Gebiet zu entwässern und nach und nach Täler in den Untergrund einzuschneiden.
Wasser folgt grundsätzlich dem Gefälle. Trotzdem verlaufen natürliche Flüsse nur selten schnurgerade. Ein gerader Flusslauf wäre zwar auf der Karte der kürzeste Weg, aber in der Natur bestimmen viele kleine Faktoren den tatsächlichen Verlauf: leichte Geländeunterschiede, vorhandene Rinnen, Klüfte im Gestein, unterschiedlich widerständige Bereiche, wechselnde Wassermengen und mitgeführtes Material.
Schon eine kleine Ablenkung kann genügen, damit ein Fluss nicht geradeaus weiterfließt, sondern eine erste Biegung ausbildet. Solche Anfangskrümmungen sind entscheidend, weil sie sich später selbst verstärken können.
Ein Fluss mäandriert also nicht, weil er zufällig „Umwege“ macht. Er folgt einem Weg, der sich aus Gefälle, Untergrund, Wasserführung und seiner eigenen Entwicklungsgeschichte ergibt.

3. Aus kleinen Kurven werden Mäander
Sobald ein Fluss eine Kurve bildet, wirkt die Strömung nicht mehr überall gleich. Am Außenbogen ist sie schneller und kräftiger. Dort wird der Hang stärker angegriffen und Material abgetragen. Am Innenbogen ist die Strömung schwächer, dort kann Material abgelagert werden.
Dadurch verstärkt sich eine zunächst kleine Kurve mit der Zeit selbst: Der Außenbogen wird weiter ausgeräumt, der Innenbogen bleibt flacher oder wächst durch Ablagerungen an. Aus einer leichten Biegung kann so über lange Zeit eine ausgeprägte Flussschleife entstehen.
Dieses Prinzip wirkt nicht nur an der Altmühlschleife westlich von Riedenburg. Es ist ein grundlegender Prozess an vielen Flusskurven. Im Altmühltal ist es besonders gut sichtbar, weil alte Flussschleifen später tief in Kalk- und Dolomitgesteine eingeschnitten wurden. Dadurch blieben steile Außenbögen, sanftere Innenbögen und wechselnde Felsseiten im Landschaftsbild erhalten.
4. Die Urdonau schneidet die Schleife ein
Der Fluss, der diese Landschaft entscheidend prägte, war nicht die heutige Altmühl allein. Über lange Zeit nutzte ein älterer Donauverlauf diesen Talraum: die Urdonau beziehungsweise Altmühl-Donau. Sie war deutlich wasserreicher und erosionskräftiger als die heutige Altmühl. Deshalb wirkt das heutige Tal an vielen Stellen größer, als es zur heutigen Altmühl passen würde.
Auch die Schleife westlich von Riedenburg gehört in diesen Zusammenhang. Der Flusslauf war vermutlich bereits gebogen, bevor die starke Tiefenerosion einsetzte. Als sich die Landschaft weiterentwickelte und der Fluss stärker in die Tiefe arbeitete, wurde dieser vorhandene Bogen nicht begradigt. Stattdessen schnitt sich der Fluss mit seiner bestehenden Schleife immer tiefer in den Jurafels ein.
Aus einem beweglichen Mäander wurde dadurch ein eingetiefter Talmäander. Die Hufeisenform der heutigen Altmühlschleife ist also wie eine alte Bewegungsspur der Urdonau, die in der Landschaft erhalten blieb.
Während dieser Einschneidung wurden die Unterschiede zwischen Außenbogen und Innenbogen immer deutlicher. Am Außenbogen traf die Strömung mit größerer Kraft auf den Hang. Dort wurde Material abgetragen, der Hang wurde unterschnitten und steiler. Widerständige Kalk- und Dolomitpartien konnten als Felswände, Felssporne oder Vorsprünge stehen bleiben. Diese steile, felsige Seite nennt man Prallhang.
Am Innenbogen war die Strömung geringer. Dort wurde eher Material abgelagert, und die Hangformen blieben sanfter. Diese flachere Seite nennt man Gleithang. Solche Bereiche sind heute häufig besser nutzbar: als Wiesen, Waldflächen, Wege, Siedlungsflächen oder touristische Nutzungen.
Damit zeigt die Altmühlschleife ein allgemeines Prinzip in besonders klarer Form: An Flusskurven entstehen durch Strömung und Erosion unterschiedliche Hangformen. Wo der Außenbogen stark am Hang arbeitet, können steile Felsbereiche entstehen. Wo der Innenbogen ruhiger ist, bleiben die Formen flacher und sanfter. Im Altmühltal wiederholt sich dieses Wechselspiel an vielen Talbögen – deshalb wechseln auch die markanten Felsseiten immer wieder.
5. Die Urdonau verschwindet – die Form bleibt
Vor etwa 2 bis 1 Million Jahren wurde der alte Donauverlauf durch das heutige Altmühltal aufgegeben; die Donau verlagerte ihren Hauptabfluss weiter nach Süden. Zurück blieb ein überdimensioniertes Tal, das nun von der deutlich kleineren Altmühl genutzt wurde.
Die Hufeisenform der Schleife blieb erhalten. Dass sie nicht einfach abgeschnitten wurde, hängt vermutlich mit mehreren Faktoren zusammen. Zum einen war der Flusslauf durch die fortschreitende Einschneidung bereits stark im Gelände fixiert. Je tiefer sich ein Fluss in festen Untergrund einschneidet, desto schwieriger wird es, seinen Lauf seitlich stark zu verlagern oder eine neue Abkürzung zu schaffen. Zum anderen bot der Kalk- und Dolomituntergrund nicht überall gleich günstige Bedingungen für einen Durchbruch.
Als die Urdonau schließlich ihren Hauptabflussweg aufgab, fehlte der große Fluss, der die Schleife weiter hätte verändern können. Die Entwicklung wurde gewissermaßen angehalten. Die heutige Altmühl nutzt die vorhandene Talform, besitzt aber nicht mehr die Kraft, sie grundlegend neu zu gestalten.
Die große Talform, die Hufeisenform der Schleife und die Felsen am Prallhang blieben daher als Relikte der alten Urdonau erhalten.
6. Der Falkenhorst als Beleg für den alten Außenbogen
Der Falkenhorst und seine benachbarten Felsen sind beliebte Aussichtspunkte, aber geologisch sind sie mehr als schöne Felsen. Sie sind sichtbare Hinweise auf den ehemaligen Außenbogen der Urdonauschleife.
Dort, wo der alte Fluss am Außenbogen arbeitete, wurde die Talflanke besonders stark angegriffen. Weniger widerständige oder stärker zerrüttete Bereiche konnten abgetragen werden. Massigere Kalk- und Dolomitpartien blieben dagegen eher stehen. So entstanden markante Felsvorsprünge, Felsnadeln und steile Felsbereiche.
Am Falkenhorst lässt sich dieser Zusammenhang besonders gut im Überblick erkennen. Von dort sieht man die Hufeisenform der Schleife, den breiten Talboden, die gegenüberliegende flachere Hangseite und die steile Felsseite. Die kleine Felsnadel mit der Brücke zeigt außerdem im Kleinen, wie Klüfte, Verwitterung und Gesteinswiderstand einzelne Felsformen aus einem größeren Gesteinskörper herausarbeiten können. Der gesamte Felsbereich am Falkenhorst liegt am Außenbogen der Schleife. Seine Steilheit und seine Felsform passen daher gut zur Deutung als ehemaliger Prallhang, der später durch Verwitterung und Hangprozesse weiter geformt wurde.
Damit sind die Felsen nicht das Thema allein. Sie sind der sichtbare Beleg dafür, wo die alte Urdonau am stärksten an der Talflanke gearbeitet hat.


7. Heutiger Zustand – eine Landschaft, die man lesen kann
Heute erscheint der Falkenhorst zunächst als schöner Aussichtspunkt in einer reizvollen Landschaft: die Altmühlschleife. Geologisch betrachtet steht man hier jedoch vor gut lesbaren Beispielen für eine eingetiefte Urdonauschleife.
Die Hufeisenform des Tales zeigt den alten Flussbogen. Der breite Talboden erinnert daran, dass hier einst ein deutlich kräftigerer Fluss wirkte als die heutige Altmühl. Die steile, felsige Außenseite der Schleife zeigt den ehemaligen Prallhang. Der sanftere Innenbogen zeigt den Bereich des Gleithangs. Und die Felsen rund um den Falkenhorst markieren die Stellen, an denen widerständiger Jurafels aus der Talflanke herauspräpariert wurde.
Wer hier aufmerksam schaut, erkennt also nicht nur einzelne Felsen, sondern ein ganzes System:
- einen alten Flussbogen,
- eine eingetiefte Schleife,
- einen Prallhang mit Felsbildungen,
- einen flacheren Gleithang,
- und heutige Verwitterung am Gestein.
Die Altmühlschleife westlich von Riedenburg ist damit ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie ein alter Flusslauf in der Landschaft erhalten bleiben kann. Sie zeigt, dass die Form eines Tales nicht zufällig ist, sondern das Ergebnis aus Wasser, Gestein, Zeit und fortlaufender Veränderung.
Um diesen EarthCache als gefunden loggen zu können, beantwortet bitte folgende Fragen vor Ort am Falkenhorst:
- Felsform am Falkenhorst:
Schaut Euch den Felsbereich am Falkenhorst genau an. Beschreibt seine Form mit eigenen Worten: Wirkt er eher steil, kantig, vorspringend, zerklüftet, rundlich oder sanft auslaufend? Wie passt diese Form zu seiner Lage an der Außenseite der Altmühlschleife? Begründet, ob Ihr den Falkenhorst eher einem Prallhang oder einem Gleithang zuordnen würdet.
- Blick auf den Speckelsberg:
Blickt vom Falkenhorst auf die gegenüberliegende Schleife mit dem Speckelsberg. Teilt die sichtbare Halbinsel gedanklich in Bereiche ein: Wo erkennt Ihr eher steilere Außenbogen-/Prallhangbereiche, und wo eher flachere Innenbogen-/Gleithangbereiche? Beschreibt Eure Einteilung kurz und nennt mindestens zwei sichtbare Merkmale, an denen Ihr sie festmacht.
- Eingetiefte Urdonauschleife:
Der heutige Wasserlauf ist durch den Rhein-Main-Donau-Kanal stark verändert und breiter als die ursprüngliche Altmühl. Betrachtet deshalb vor allem die Form des gesamten Tales: Welche Merkmale zeigen, dass hier früher ein deutlich kräftigerer Flusslauf gewirkt hat? Bezieht Euch auf Hufeisenform, Talboden und steile Außenhänge.
- Foto:
Macht am Falkenhorst ein Foto von euch oder einem persönlichen Gegenstand mit sichtbarem Cachernamen. Auf dem Foto sollte entweder der Felsbereich am Falkenhorst oder die Altmühlschleife im Hintergrund zu sehen sein. Fügt das Foto Eurem Log bei.
Schickt mir die Antworten bitte per Message zu. Ihr dürft unmittelbar nach dem Absenden eurer Antworten loggen. Falls etwas nicht passt, melde ich mich bei Euch.
QUELLEN:
Naturpark Altmühltal – Prallhänge und Gleithänge
Naturpark Altmühltal – Erdgeschichte im Naturpark Altmühltal
Naturpark Altmühltal – Wellheimer Trockental / Urdonautal
Naturpark Altmühltal – Aussichtspunkt Falkenhorst
Schaubilder KI-generiert