Der Ulrichstein – Ein Fels kommt ins Rutschen

Willkommen am Ulrichstein, einem beeindruckenden geologischen Naturdenkmal mitten im Wald. Um diesen markanten, vier Meter hohen Felsblock ranken sich nicht nur uralte Legenden, auch Friedrich Hölderlin ließ sich von diesem besonderen Ort zu einem Gedicht inspirieren. Doch die eigentliche Geschichte ist noch viel älter: Sie begann vor mehr als 200 Millionen Jahren und lässt sich bis heute in der Landschaft des Neckar- und Aichtals ablesen.
Dieser EarthCache führt dich zu zwei eng miteinander verbundenen Stationen: dem ehemaligen Rhätsandsteinbruch und dem darunter liegenden Ulrichstein. Gemeinsam zeigen sie eindrucksvoll, wie unterschiedlich harte und weiche Gesteine das Landschaftsbild formen.
Der Rhätsandstein – ein Werkstein aus der Zeit der Trias
Der Ulrichstein besteht aus Rhätsandstein, einer Gesteinsschicht des Oberkeupers (Rhät), die vor etwa 201–205 Millionen Jahren entstand.
Damals sah Südwestdeutschland völlig anders aus als heute. Das Gebiet des heutigen Nürtinger Raums lag am Rand eines flachen Meeres. Flüsse transportierten große Mengen Quarzsand in Küsten- und Deltabereiche, wo sich mächtige Sandschichten ablagerten. Mit zunehmender Überdeckung wurden diese Sedimente verdichtet und durch kieselige Lösungen fest miteinander verkittet. So entstand ein außergewöhnlich harter Quarzsandstein.
Typisch für den württembergischen Rhätsandstein sind seine hellgelbe bis gelbbraune Farbe, die feine bis mittlere Körnung und seine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Verwitterung. Wegen seiner Härte war er über viele Jahrhunderte ein geschätzter Werkstein und wurde unter anderem für Sockel, Mauern, Pflastersteine und Treppen verwendet.
Im Raum Nürtingen erreicht der Rhätsandstein Mächtigkeiten von bis zu 10 Metern. Er tritt unter anderem am Schlossberg, Steinenberg, Zizishausener Berg sowie entlang der Hänge von Neckar- und Aichtal zutage und wurde in zahlreichen Steinbrüchen als Werkstein gewonnen. In Hardt lässt sich bereits im Jahr 1366 die erwerbsmäßige Gewinnung von Natursteinen nachweisen, erst Mitte des letzten Jahrhunderts wurde der Abbau des Rhätsandsteins in Hardt eingestellt.
Der Steinbruch oberhalb des Ulrichsteins ist einer dieser historischen Abbaustellen und zeigt den Rhätsandstein noch heute in seiner ursprünglichen Lagerung.
Warum liegt der Ulrichstein hier?
Der eigentliche Grund dafür befindet sich unter deinen Füßen.
Unter dem Rhätsandstein folgt eine deutlich weichere Gesteinsschicht – der Knollenmergel. Dieses tonreiche Gestein nimmt Wasser auf, quillt auf und verliert dabei einen Teil seiner Festigkeit. Besonders an den steilen Hängen des Neckar- und Aichtals kommt es deshalb seit langer Zeit zu langsamen Hangbewegungen.
Der darüber liegende Rhätsandstein reagiert anders: Er ist hart und spröde. Statt sich plastisch zu verformen, entstehen Klüfte und Risse. Mit der Zeit verliert die Sandsteinbank ihre Auflage, bis sich schließlich einzelne Blöcke aus dem Felsverband lösen.
Der Ulrichstein entstand auf diese Weise. Nach den geologischen Untersuchungen des Landesamts für Geologie handelt es sich um einen durch einen Felssturz entstandenen Sandsteinblock. Die Hangbewegungen im Knollenmergel bereiteten diesen Felssturz vor, indem sie den Untergrund destabilisierten. Der heute sichtbare Ulrichstein liegt deshalb unterhalb seiner ursprünglichen Abbruchstelle.
Die zahlreichen großen Sandsteinblöcke entlang der Hänge rund um Hardt zeigen, dass dieser Prozess kein Einzelfall ist.
Der ehemalige Rhätsandsteinbruch
Der ehemalige Steinbruch oberhalb des Ulrichsteins (siehe Referenzpunkt) vermittelt einen hervorragenden Eindruck vom Aufbau der ehemaligen Werksteinbank.
Hier lässt sich erkennen, warum dieses Gestein als Naturwerkstein so geschätzt wurde. Der Rhätsandstein ist überwiegend dickbankig ausgebildet und besitzt eine hohe Festigkeit. Gleichzeitig sind natürliche Klüfte erkennbar, entlang derer sich beim Abbau größere Blöcke gewinnen ließen – oder sich später durch natürliche Prozesse Felsblöcke lösen konnten.
Wer zuerst den Steinbruch betrachtet und anschließend zum Ulrichstein hinabgeht, erkennt den Zusammenhang zwischen anstehendem Gestein und dem darunter liegenden Felsblock besonders gut.
Deine Aufgaben
1. Der Ulrichstein
Betrachte den Ulrichstein genau. Welche Hinweise sprechen dafür, dass dieser Felsblock ursprünglich Teil der oberhalb anstehenden Sandsteinbank war? Beschreibe mindestens zwei Beobachtungen.
2. Ursache des Felssturzes
Im Listing wird beschrieben, welche Rolle der Knollenmergel spielt. Erkläre mit eigenen Worten, warum gerade diese Gesteinsschicht die Ablösung großer Sandsteinblöcke begünstigt.
3. Der ehemalige Rhätsandsteinbruch
Begib dich nun zum ehemaligen Steinbruch oberhalb des Ulrichsteins. (siehe Referenzpunkt)
Welche Eigenschaften des Rhätsandsteins kannst du vor Ort erkennen (z. B. Farbe und Verwitterung, natürliche Klüfte oder Trennflächen, oder Unterschiede zwischen massigen und stärker geklüfteten Bereichen). Beschreibe mindestens zwei Merkmale.
4. Foto
Mache ein Foto von dir oder einem persönlichen Gegenstand vor dem Ulrichstein. Bitte lade das Bild zusammen mit deinem Log hoch.
Sende mir deine Antworten bitte per Mail oder über das Nachrichtencenter. Du kannst direkt loggen – ich melde mich, falls etwas unklar sein sollte.
Happy caching wünscht dog$ 🙂
Bitte beachten
Der Ulrichstein und der ehemalige Steinbruch sind geschützte Geotope. Bitte bleibt auf den vorhandenen Wegen, entfernt keine Gesteinsstücke und beschädigt weder den Felsen noch die umliegende Vegetation. Alle Aufgaben lassen sich durch sorgfältiges Beobachten lösen.
Quellen
- Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (LGRB): Naturwerksteine aus Baden-Württemberg – Kapitel Rhätsandstein.
- LGRB Baden-Württemberg: Geotopsteckbrief „Ulrichstein SW von Hardt“.