Etwas außerhalb von Moorenweis, dort, wo die letzten Häuser zurückbleiben und sich Felder und Wiesen öffnen, steht ein großer alter Baum.
Weit und breit hat er keinen Nachbarn. Kein Wald schützt ihn vor dem Wind, kein anderer Baum spendet ihm Schatten. Und doch steht er dort – Jahr für Jahr, Sommer wie Winter.
Wie viele Menschen mögen schon an ihm vorbeigekommen sein? Bauern auf dem Weg zu ihren Feldern, Spaziergänger, Radfahrer und Kinder auf kleinen Abenteuern. Vielleicht war er Treffpunkt, Wegweiser oder einfach ein vertrauter Anblick auf dem Heimweg.
Im Frühling trägt der Wind durch seine jungen Blätter. Im Sommer bietet seine mächtige Krone einen schattigen Platz. Im Herbst tanzt das Laub über die Felder, und im Winter zeichnet sich sein kahles Geäst weithin sichtbar gegen den Himmel ab.
Wer allein auf weiter Flur steht, muss starke Wurzeln haben. Vielleicht ist das die kleine Geschichte, die dieser Baum erzählt: Man muss nicht immer Teil eines großen Waldes sein, um seinen Platz gefunden zu haben. Nehmt euch einen Moment Zeit und schaut euch um.
Denn manchmal sind es gerade die stillen, unscheinbaren Orte, an die man sich später am besten erinnert.