Märchencache:Endstation Geisterbahn
Bitte, aus Naturschutzgründen,
nicht versuchen die einzelnen Stationen anzufahren.
Möglichst nur Wege benutzen.
Fahrrad ist teilweise möglich.
Der Gesamtfußweg bis wieder
zum Startpunkt beträgt 4 Km.
Damals, zu einer Zeit als noch alle Schätze
unbewacht auf der Erde lagen, kam der kleine Lemurian aus dem
fernen Land Lemuria hier in das Dorf. Er erkundigte sich beim
Schmied, ob er sich bei einem Bauern verdingen könne. Der Schmied
verneinte. Lemurian senkte den Kopf um zu gehen. Da rief ihn der
Schmied zurück. „Der Bauer hat für dich nichts zu tun, aber bei mir
in der Schmiede kannst du arbeiten. Meine Frau ist zu krank um
unser Schmiedefeuer, welches niemals ausgehen darf, mit Torf und
Kohle zu füttern. Du kannst im Moor Torf stechen und Kohle brechen.
Beides lädst du in die Loren und fährst es mit der Lok zum
Lokschuppen. Von dort holst du es mit dem Wagen und den Pferden ab.
Nachts bringe die Lok immer in den Schuppen. Und denke daran: das
Schmiedefeuer muss immer lustig brennen. Wenn du das tun willst,
gebe ich dir Speise, Trank und Lager. Geh niemals im Moor vom Wege
ab, sonst bist du verloren.“ So sprach der Schmied und Lemurian
willigte freudig ein.
Schon am nächsten
Morgen zeigte der Schmied ihm alles. Lemurian ging mit Freude an
die Arbeit. Er stand morgens mit dem ersten Hahn auf, kontrollierte
das Schmiedefeuer und machte sich mit den Pferden, die er vorher
tränkte, auf den Weg zum Lokschuppen. Er hing die Loren an und fuhr
mit der Lok hinaus ins Moor. Dort stach er einem großen Berg Torf
und brach einem kleineren Kohle. Beides lud er dann in die Loren
und fuhr abends wieder zum Lokschuppen. Dort warteten schon seine
Pferde ganz ungeduldig. Er lud nun alles auf die Wagen der Pferde,
brachte die Lok in den Schuppen und machte sich mit der Fuhre
auf den Weg. Das Schmiedefeuer war schon weit herunter gebrannt.
Flugs fütterte Lemurian es mit ein paar Schaufeln Torf und Kohle
und schon brannte es wieder so lustig wie am Morgen. Danach tränkte
er die Pferde und gab ihnen eine große Schüssel Hafer. Der Schmied
sah ihm wohlwollend zu, lobte noch seinen Fleiß. Und meinte, er
könne sich vorstellen ihn als Sohn anzunehmen. Es war schon lange
dunkel als Lemurian zu Bett ging. Er schlief sofort ein und träumte
vom Moor. Das Moor mit den vielen Tieren gefiel ihm sehr. Er liebte
seine kleine Lok, mit den kleinen 1? Fuß und den großen 2? Fuß hohen
Rädern. Er ölte und putzte sie jeden Tag.
So ging es tagein tagaus. Nachdem ein Jahr ins
Land gegangen waren und Lemurian eines abends in der Dämmerung im
Moor war, zeigten sich ihm die Elfen. Er war fasziniert von deren
Erscheinung und ihrem sanften Wesen. Bald wurden sie Freunde und
Lemurian verbrachte immer mehr Zeit im Moor bei den Tieren und den
Elfen. Jetzt erfuhr er auch, dass die Elfen ihn vom ersten Tag an
beobachtet, aber erst nach einem Jahr genug Vertrauen hatten, sich
ihm zu zeigen. Sie tollten herum, lachten viel und neckten sich. So
manches mal kam er dadurch erst sehr spät aus dem Moor zurück. Als
sich der Elfentag jährte, versteckten alle gemeinsam einen kleinen
Schatz. Hinein kamen wundersame Dinge und allerlei Zauberkram. Etwa
eine Strähne Elfenhaar, etwas Elfenstaub und anders. Lemurian legte
seinen Lieblingsstein mit hinein und eine Dose Sand aus Lemuria.
Sie vergruben den Schatz unter der Schiene der kleinen Lok an der
Endstation. Dort würde wohl auch in tausend Jahren niemand
nachsehen. Zur Sicherheit pflanzten sie einen kleinen Baum ins
Gleis, der sollte die Schienen für immer festhalten und dafür
sorgen, das er nie mehr bangen musste über das Ende der Gleise zu
fahren.
Nachdem so 2 oder 3
Jahre vergangen waren, war es einmal abends so spät geworden, dass
er Angst hatte, das Schmiedefeuer würde bald ausgehen. So
entschloss er sich, trotz der Finsternis quer durchs Moor zu gehen.
Auch seine Freunde die Elfen konnten ihn nicht davon abbringen.
„Nie darf das Schmiedefeuer ausgehen!", rief er nur noch und
war im nächsten Augenblick nicht mehr zu sehen. Und so kam es wie
es kommen musste: Die Elfen hörten bald den kleinen Lemurian
um Hilfe rufen und eilten herbei. Er war bereits bis zur Brust im
Moor versunken und sank immer weiter. Die Elfen versuchten ihn
herauszuziehen, aber vergebens: das Moor zog nur weiter und weiter
hinab.
Der Schmied hätte
ihm helfen können. Er konnte ihn aber nicht hören, denn er
arbeitete noch in der Schmiede und nährte selbst das Schmiedefeuer.
„Wo bleibt den nur mein Lemurian, er hat heute wohl ganz und gar
die Zeit vergessen. Ich werde ihn suchen gehen.“,
dachte er endlich und machte sich besorgt auf den Weg. Er nahm eine
Fackel mit und suchte nach seinem Söhnchen.
Inzwischen war der
kleine Lemurian völlig ins Moor gezogen worden. Die Elfen und die
Tiere standen an der Stelle und weinten bitterlich. Als das der
Schmied sah, wusste er schon, dass etwas Furchtbares passiert sein
musste! Die Elfen erzählten ihm alles. Auch der Schmied konnte nun
die Tränen nicht mehr halten. Er schluchzte immer wieder. „Mein
armes Söhnchen, hättest du nur nicht die Zeit so vergessen und
wärest du auf dem Weg geblieben.“ Es half alles nichts, das Moor
hatte Lemurian in die Tiefe gezogen. Seit diesem Tag fand der
Schmied keine Ruhe mehr. Jeden Abend ging er bis zu seinem Tode mit
Fackeln ins Moor, in der Hoffnung, den Geist des kleinen Lemurian
doch noch zu finden und ihm heimzuleuchten. Noch heute kann man
abends den blassen Schein der Fackeln als kleine Irrlichter sehen.
Und an nebligen Abenden sieht man, wenn man Glück hat, auch als
Trugbild den kleinen Lemurian mit seiner Lok fahren. Dann hört man
ihn auch schluchzen. „Ich muss das Schmiedefeuer nähren. Es darf
niemals ausgehen. Ich muss ihm Torf und Kohle bringen. Ich muss
mich beeilen. Ich darf
im Moor nicht vom Weg abgehen, sonst bin ich verloren“.
Seitdem damals das
Schmiedefeuer ausging, weil der Schmied so lange nach Lemurian
suchte, gibt es im Dorf keine Schmiede mehr und im Dorf leben immer
weniger Menschen, wie man sehen kann.
Der Schatz muss wohl immer noch dort
liegen, wo ihn die Elfen und Lemurian versteckt haben. Ich selbst
habe einmal Elfen in Lemuria von diesem Schatz erzählen hören. Sie
sprachen in Rätseln. Sie meinten, man müsse den Lokschuppen suchen,
denn nur dann könne man den Schatz finden. Doch der ist
inzwischen völlig zerfallen. Nur noch eine Walze aus Stein, mit der
damals das Gleisbett gerichtet wurde, ist noch zu sehen.
Beginne mit der Suche an der dem
Sonnenaufgang zugewandten Seite der Walzenachse.