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Difficulty:
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Terrain:
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Size:
 (small)
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Netter Ort, befestigte Wege. Im Winter nicht ganz ohne und am Final ist´s dornig und steil.
Und wieder einmal bewahrt Geocaching bedeutende Persönlichkeiten, die u.a. in der Umgebung von Geislingen gewirkt haben, davor, in Vergessenheit zu geraten. Nicht nur M.K. hat die Welt um Unschätzbares bereichert, nein, auch Heinrich Schnittlinger hat sich – ob für die Nachfahren bewusst oder unbewusst, das sei einmal dahin gestellt – unwiderruflich in die Seelen der Älbler gegraben und unterstützt noch heute aus dem Jenseits jenes unbändige Freidenkertum, das die Albbewohner auszeichnet und binnen kürzester Zeit sogar auf Zugezogene abfärbt.
Nicht der Ort ist es, nein, die Person hat uns zu diesem Cache bewogen. Gleichwohl hätte sich der Kollege Schnittlinger seinerzeit durchaus an diesem lecker Plätzchen vor dem Geislinger Haupt-Regiment zur Wiederherstellung der würdigen Sittlichkeit verstecken können...
Itzo erheben wir den pädagogischsten aller Zeigefinger und weisen darauf hin, dass das hier
N 48°36.968
O 009°51.052
nur die Parkplatzkoordinaten sind. Die Cache-Koordinaten gibt´s weiter unten und NACH dem wohlwollenden Studium der Vita des unschlagbaren, unfassbaren und vielleicht auch immer schon unsichtbaren Heinrich Schnittlinger.
Heinrich Schnittlinger (*20. November 1718 in Schnittlingen; † 16. Mai 1782 in Pennsylvania/USA) war ein deutsch-amerikanischer Schriftsteller.
Sein Werk zeichnet sich - trotz epigonaler Züge - durch einen frühen darstellerischen Realismus aus, der seine Inspiration aus der feinfühligen Beobachtung lokalen und regionalen Geschehens bezieht. Sein Roman „Des Lautertaler Jakobs wundersame Reise nach Ulm“ greift - formal noch der Tradition des barocken Schelmenromans verhaftet - Motive und Gestaltungsweisen auf, die wenig später Karl Philipp Moritz, ein anderer großer Außenseiter der Literaturgeschichte, in seinem „Anton Reiser“ zur Meisterschaft bringt.
Historisch bedeutsam wurde Schnittlinger durch die Veranstaltung seiner sogenannten „Alt-Griechischen Bacchanten-Abende“ in Geislingen/Württemberg mit fast postmodern zu nennendem Event-Charakter; diese Veranstaltungen mit ihrer Mischung aus frivoler Antiken-Rezeption, Trinkgelage und sexueller Freizügigkeit untergruben kurzfristig das bürgerliche Leben in Geislingen derart, dass die Obrigkeit das „Geislinger Haupt-Regiment zur Wiederherstellung der würdigen Sittlichkeit“ von 1765 ausrief. Der Kerkerhaft entrinnen konnte Schnittlinger nur unter Mithilfe seiner Freunde aus dem Kreise der Fahrensleute. Schnittlinger, lange Jahre selbst als Gaukler durch das damalige Europa streifend (Quellen sprechen sogar von Streifzügen durch Andalusien), erbrach sich unter dem Eindruck der bevorstehenden Kerkerhaft und wurde daraufhin unter den Bauch eines Schweines gebunden, das im Trosse jener Gaukler mitgeführt wurde. Angewidert von dem Gestank des Tieres nahm der Kommandeur des Geislinger Haupt-Regiments Abstand von einer Untersuchung, bei der er Schnittlinger wohl entdeckt hätte. Schnittlinger entkam und war dadurch der Kerkerhaft entronnen. Unter dem Eindruck dieses Erlebnisses und um der Pressionen der damaligen herrschenden Klasse zu entrinnen, wohl auch, um seinem Freigeist weiter seinen Lauf zu lassen, wanderte er noch in diesem Jahr nach Amerika aus. Bemerkenswert im Zusammenhang mit Heinrich Schnittlingers Sozialreformer- und Rebellentum ist seine (sehr wahrscheinliche) Verwandtschaft mit Georg Heinrich Schnittlinger, der sich bereits im frühen 16. Jahrhundert um Liberalisierung und Wohlfahrt in Württemberg verdient gemacht hatte... wenn man so will, eine württembergische Dynastie. In Amerika haben sich die historischen Spuren Heinrich Schnittlingers in den Weiten des amerikanischen Kontinents nahezu gänzlich verloren. Lediglich einige Dokumente und Fundstellen weisen uns den weiteren Lebensweg Schnittlingers. Sicher ist nur, dass er am frühen Abend des 16. Mai des Jahres 1782, gezeichnet von der Syphillis und dem Alkohol in den Armen einer Dirne verstorben ist. Schnittlinger wirkte weniger durch seine Literatur, als durch seine Lebensweise als Vorbild für Christian Friedrich Daniel Schubart, eine gelegentlich behauptete Wirkung auf Friedrich Schiller kann zweifelsfrei nicht nachgewiesen werden. Heute zählt Schnittlinger zu den Vergessenen der Literaturwissenschaft.
Ravensburger Sezession (1757 - 1759)
Abspaltung von Künstlern des Württembergischen Barocks unter der Ägide Heinrich Schnittlingers d.Ä. (Heinrich Schnittlinger). Erkorenes Ziel dieser Gruppe von Kunstschaffenden war es, der vorherrschenden barocken Kunstdoktrin insbesondere ihrer oberschwäbischen (damals Vorderösterreich) Ausprägung, einen pietistisch (Lutherische Bewegung) beeinflussten, an Sachlichkeit und Einfachheit ausgerichteten Kunststil entgegenzusetzen. Neben Heinrich Schnittlinger dem Älteren gehörten der Ravensburger Sezession Caspar Thomas Reuthner, David Georg Hendelson und Oskar Schmälzle an.
Kunsthistorische Bedeutung haben einzig und allein die Werke von Heinrich Schnittlinger erlangt ("Barbußige Beterin", "Jesus am Scheideweg", "Bacchus und die Sabinerinnen"), zumeist großvolumige Holz-Skulpturen, die das archaisch-rural geprägte Lebensgefühl von Schnittlingers Heimat und psychologisch nuancierte Innerlichkeit gekonnt verbinden. Schnittlingers Ausflug in die bildende Kunst blieb in seinem schöpferischem Gesamtwerk (wenn auch faszinierende) Episode und scheint vor allem durch Schnittlingers hervorragenden Charakterzug - nämlich gegen Autoritäten zu rebellieren - inspiriert gewesen zu sein. In der Gruppe der Ravensburger Sezession hoffte Schnittlinger wohl, intellektuelle Heimat zu finden, aber auch Mitstreiter und Multiplikatoren für seine sozialrevolutionären Ideen zu gewinnen. So wohnte und lebte man gemeinsam, gewissermaßen in einer Art Kommune und mit ständig wechselnden Gästen aus der Gruppe der outlaws der damaligen Zeit, des fahrenden Volkes, der Prostituierten und anderen. Schnittlinger selbst, immerhin spiritus rector der Sezession, scheint sich, seinen unruhevollen Antrieben folgend, kaum in Ravensburg aufgehalten zu haben; das Unstetige und Flüchtige gehört zu den Grundmotiven nicht nur seiner Biographie sondern seiner gesamten literarischen Arbeit. Der Roman "Des Lautertaler Jakobs wundersame Reise nach Ulm" thematisiert diese Problematik in ergreifender, bisweilen freilich auch nachgerade grotesker Weise. Aus dem Kreis der Ravensburger Sezession gelangte später einzig Oskar Schmälzle zu einiger lokaler, wenn auch nicht künstlerischer Berühmtheit: Sein Versuch, mittels einer Wirtschaft für Fuhrleute seiner ökonomischen Misere und finanziellen Dauerkrise zu entkommen, scheiterte exemplarisch; da seine wenigen Gäste nie zu zahlen bereit oder imstande waren, Schmälzle als Schwabe das Bier - damals in gewaltigen Fässern - nicht verkommen lassen wollte, entschloss er sich, es dann doch lieber selbst zu verkonsumieren. Als ihm der Rausch dann eingab, sich an die Tochter eines Ravensburger Patriziers heran- und so sein Glück zu machen, war seinem Treiben schnell ein Ende bereitet. (Ob die Tochter ähnlich strenge Ansichten hatte, ist nicht überliefert; noch heute gibt es - sehr vereinzelt - in Oberschwaben die Redewendung "den Schmälzle machen", wenn sich ein Mensch fatal verkalkuliert).
Einige wenige schriftliche Dokumente über die Ravensburger Sezession - zumeist Polizei- und Spitzelberichte - sind, wenn auch nur in rudimentärer Form, im Archiv der Stadt Ravensburg aufbewahrt.
Der Touristikverband Oberschwaben führt an jedem ersten Sonntag im Monat Führungen durch, im Rahmen derer die Werke der Ravensburger Sezession unter Einbeziehung der Alumni und des kunsthistorischen Hintergrundbezugs in lockerer Runde besprochen werden.
Ach ja, und der Cache liegt auf 6m genau hier:
N 48°36.988
O 009°50.793
Auf der Rückseite des Logbuchs findet ihr die genauen Koordinaten von „Schnittlinger Bonus“, einem Drive-In-XXL-Micro.
Additional Hints
(Decrypt)
Ivry Fgrva va Ubym.
Bo´f qra Ureea Fpuavggyvatre tno, bqre avpug, resnueg vue h.n. orv Jvxvcrqvn. Fb bqre fb rvar erfcnxgnoyr Trfpuvpugr, svaqra mhzvaqrfg qvr Nyovaqvnare!