Inspektor J.'s 1.000ster Fall
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Die Cache wird für Jashis 1.000sten Fund angelegt. Bitte erst suchen und loggen, wenn Jashi ihn gefunden und geloggt hat. Danke.
Die Suche geht Anfangs noch gut zu Fuß. Danach solltet Ihr per Rad/Auto weitersuchen.
Wolfenbüttel an einem verregneten Aprilmorgen. Inspektor J. sitzt bei einer Tasse fadem Kaffee im Büro, als plötzlich sein Chef zur Tür hereinkommt. Mit dem lapidaren Hinweis, dass er mit seinen bisherigen 999 Ermittlungserfolgen nicht nur lokal sondern auch auf internationaler Bühne zu den erfolgreichsten Ermittlern gehört, knallt er ihm die nachfolgenden Presseberichte auf den Schreibtisch:
Einbrecher stehlen 2000 historische Kanonenkugeln
Wolfenbüttel (dpa/lni) - Unbekannte Täter haben aus der ehemaligen Festung Lindenberg in Wolfenbüttel mehr als 2000 historische Kanonenkugeln gestohlen. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, hebelten die Täter in der Nacht die Eingangstür auf und drangen in die Kasematten ein. Ihre etwa zehn Zentner schwere Beute transportierten sie vermutlich mit einem Lastwagen ab. Die Kugeln waren bei Ausgrabungsarbeiten gefunden worden. Die Schadenshöhe ist noch unklar.
Und ein weiterer Bericht im Lokalteil der Zeitung:
Ein schwerer Kunstdiebstahl hat die Grabungsarbeiten in den Wolfenbütteler Kasematten erschüttert. Offenbar in der Nacht zum Mittwoch drangen Unbekannte in die abgeschlossenen Stollen ein und entwendeten 2000 Kanonenkugeln. Dabei waren die Täter geradezu gezwungen, dreist vorzugehen: Jede der mehr als faustgroßen Kugeln wiegt ein gutes Kilogramm. Die Diebe müssen über einigen Sachverstand verfügen. Von den mehr als 4000 Kugeln, die seit Beginn der Grabungsarbeiten Mitte Februar entdeckt worden waren, suchten sie sich die wertvollsten heraus.
Schon kurz nach dem Fund hatten sich auf der Baustelle ungebetene Gäste eingefunden, meist Amateur-Historiker, die eine Kugel mitnehmen wollten. Diesmal kamen offenbar Profis. Ob sie ihre Freude an dem Diebesgut haben werden, ist fraglich. Zwar erzielen Kugeln dieser Art Preise von 20 Euro an aufwärts. Doch Festungsexperten warnen: Giftige Substanzen seien im Inneren nicht auszuschließen. Man vermutet Arsen.
Braunschweiger Zeitung, Donnerstag, 30.03.2006
Sauer fügt er noch hinzu, dass ihm die „Schreiberheinis“ gehörig Feuer unter dem Arsch machen würden, weil es bisher noch keine Ermittlungserfolge geben würde und es ihm schon reichen würde, sein Magengeschwür aus bisher 40 Dienstjahren zu pflegen. Danach knallte er die Tür zu und Inspektor J. war klar, dass dies nicht sein einfachster Fall werden würde. Aber wenn der Chef solche Laune hat, dass verriet ihm sein seine Nase, dann sollte man keine Widerworte haben. Also streifte er sich den Trenchcoat über und fuhr raus in den Regen.
Zuerst begab sich Inspector J. an den Tatort. O.K., der scheiß Regen hatte wahrscheinlich alle Spuren verwischt aber wo sollte man sonst anfangen? Bei N52 09.668 E10 31.838 angekommen fand er die alte Seeligervilla und die Kasematten. Verdammt dachte er, bei sovielen Fuß- und Reifenspuren müsste eine Armee am Werke gewesen sein. Doch plötzlich entdeckte er etwas abseits einen Hinweis, der den Fritzen von der Spurensuche wohl entgangen war. Der Regen prasselte auf seinen Hut doch J. war klar, dass er eine Spur gewittert hat.
Als nächstes kam das, was der Inspektor schon immer gehasst hat. „Ich bin doch kein Historiker“ hörte er sich noch sagen, als er auf dem Weg zu einem Experten war. Der zeigte ihm eine der Kanonen, mit der Kugeln wie die gestohlenen wohl abgeschossen wurden. Sein Kopf fing langsam an zu hämmern aber J. ließ sich nichts anmerken und glitt fast in einen leichten Dämmerschlaf. Doch plötzlich war er wieder hellwach! „Was sagen Sie? Ein lokaler Spediteur und Antiquitätenhändler wollte vor kurzem die Kanone kaufen?“ Bei der weiteren Untersuchung der Kanone entdeckte er einen Hinweis, der seine Nase zum Kribbeln brachten.
Inzwischen hatte der Regen nachgelassen und der Inspektor begab sich auf den Weg zu dem Spediteuer, der irgenwo in den engen Gassen der Altstadt sein muffiges Quartier haben sollte. Trotz seiner Plattfüße war er immer noch gut zu Fuß und schaffte die Strecke in weniger als fünf Minuten. Na ja, nur nicht heute. Die Kleine in dem Coffeeshop am Weg hatte es ihm angetan und so trank er noch einen Kaffee und dachte sich, dass es auf die paar Minuten seit dem Diebstahl wohl auch nicht ankommt. Eigentlich war er sowieso überzeugt, dass die Beute schon längst außer Landes sei und irgendwelche Villen von reichen Spinnern oder sonstwelchen Leuten zieren würde. Kurze Zeit später traf er den Spediteur der angeblich keine Zeit hat. Doch so leicht lässt sich Inspektor J. nicht abwimmeln. Zwei-drei Andeutungen über Kontakte zum Finanz- und Gewerbeamt und schon sprudelte er los und erzählte von so ein paar dunklen Gestalten, die sich seinen LKW in der fraglichen Nacht ausgliehen hatten. Nach den dann folgenden langen Geschichte darüber, dass er als Strohmann historische Gegenstände für die Hintermänner erwerben sollte war J. auch nicht schlauer, hatte aber eine weitere Spur, die ihn weiter führte. An der fraglichen Stelle wurde der LKW übergeben und nach Aussagen des Spediteurs würde eine Hinweistafel in der Nähe als toter Briefkasten genutzt.
Er konnte es seinen Augen kaum glauben, doch die dreisten Räuber hatten ihren Tipp im toten Briefkasten noch nicht entfernt. War es nun Dummheit, Dreistigkeit oder eine Finte? Er wollte der der Spur folgen, denn erst vor Ort konnte er sicher sein. Doch diesen Weg wollte er nicht allein den er war sich nicht sicher, ob er die Hinweise allein richtig deuten konnte. Darum führte ihn sein Weg zum „Herzog“, einem stadtbekannten Kunstdieb und Fälscher, der gerade in der JVA einsitzt. Ein genialer Typ den seine Kollegen nie geschnappt hätten, wäre er nicht besoffen Auto gefahren. „Aber so ist das Leben“, dachte sich J. „Was nützen die großen Dinge, wenn du die kleinen versiebst?“
Der Herzog war zu gerissen, als dass er seine Kunden oder Lieferanten verzinken würde. Aber mit Hilfe des Direktors der JVA und ein paar extra Vergünstigungen waren ihm doch noch ein paar Informationen zu entlocken. Gemeinsam und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen gingen sie zu der Stelle, die im toten Briefkasten angegeben war. Er erzählte von ein paar „Kunstfreunden“ die in der Stadt seien, da heute eine Kranzniederlegung auf dem russischen Krieggräberfriedhof stattfinden solle. Wenn sich der Inspektor beeilen würde, könnte er noch ein paar Fotos machen. Also machte er sich auf den weiteren Weg.
Aus sicherer Entfernung legte sich J. auf die Lauer und putzte noch mal sein Objetiv der guten alten Rollei. Ja, solche Qualität, da war sich sicher, die würde es heute nicht mehr geben. Beinah übersah er dabei, wie die feinen Herren den Platz betraten. Nachdem er fast einen ganzen Film verschossen hatte fiel ihm auf, dass einer der Herren etwas verloren hatte. Vorsichtig schlich sich J. an die Stelle am Eingang und machte eine unglaubliche Entdeckung. Die Kontaktadresse der kleinen Ganoven, die den Diebstahl durchgeführt hatten!
Schnell begab sich der Inspektor zurück zur Polizeiinspektion und erstattete dem Chef bericht. Dieser war höchst erfreut über die guten Nachrichten, murmelte noch etwas von „jetzt treten wir den Herren mal gehörig in den Arsch“ und rief zur Unterstützung drei Streifenwagen hinzu. Zusammen fuhren sie zu der angegebenen Adresse, die sich als das örtliche Obdachlosenheim herausstellte. „Natürlich“, sagte der Chef verbittert, „dass die feinen Herren sich selber die weißen Westen nicht schmutzig machen“. Doch die ganze Arbeit brachte den Inspector seinem Ziel näher, den einer der Täter schlief gerade noch seinen Rausch aus. Nach einer Kanne Kaffee und einem Eimer Wasser zum Wach werden knickte er ein und verriet ihnen, dass er und seine Mittäter die Beute in einem Lager im Wald deponieren mussten. Dort lag auch ihr Geld bereit, dass sie aber inzwischen mit Alkohol durchgebracht hätten. Mehr könnte er auch nicht sagen, da er die Auftraggeber nur einmal im Dunkeln gesehen hätte. Der Chef und die Streifenwagen fuhren mit dem Verdächtigen zurück zur Wache um das Verhör fortzusetzen.
Der Inspector begab sich wieder allein auf die Pirsch. Mit den neuen Informationen im Mantel fuhr er zur angegeben Stelle. Dort angekommen konnte er tatsächlich nach einiger Sucherei und dreckverschmierten Schuhen den Lagerort und einen Teil der Beute finden, jedoch nicht die gestohlenen Kanonenkugeln. Die werden wohl außer Landes und somit für immer verloren sein, dachte er bei sich.
Nach diesem ganzen Trara und einem langen Tag brummte J. Wieder gehörig der Schädel. Aber so ist der Alltag als kleiner Inspektor bei der Polizei. „Alles muss man selber machen“ hörte er sich noch sagen. Andererseits war er auch zufrieden. Sein Chef ist glücklich, den für ihn ist der Fall gelöst. Der eingentliche Dieb und seine Mittäter sind inzwischen eingebuchtet, die Kanonenkugel sind zwar weg aber dadurch hat die Presse ihre große Story, ohne das schlechtes Licht auf den Chef fällt und Interpol hat einen großen Fall an der Backe.Sollen die doch sehen, wie die alten Kugeln wiederbekommen.
Inspector J. begibt sich mit diesen Erkenntnissen zufrieden in den Feierabend, oder vielleicht doch noch mal zu der Kleinen im Coffeeshop ...
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