Kommissar Clever
Kommissar
Clever schluckte. Er war nun schon seit 25 Jahren in diesem Beruf,
dachte er, doch während
für seine
Kollegen nach ein, maximal zwei Jahren eine natürliche allmähliche
Gewöhnung einsetzte,
wurde er
immer wieder aufs neue durch das bekannte Gefühl des Schauderns
erfasst, sobald die
ureigenen
Gesichter der Kriminalität - Habgier, Gleichgültigkeit, Gewalt -
sich ihm offenbarten. Ihm war
schon seit
langem klar, dass er sich nie daran würde gewöhnen können. Man
merkte es ihm an, das wusste
er, was ihn
zuweilen nur noch nervöser werden ließ. Er war der scharfsinnigste
seiner Einheit, kein
Zweifel,
Spezialist für komplizierte Fälle. Immer dann, wenn alle im Dunkeln
tappten, kam er ins Spiel.
Natürlich genauso wie in diesem Fall. Ein reiches
Ehepaar war verschwunden, zusammen mit dem Inhalt
ihres
Tresors. Hauptverdächtiger: der Gärtner. Clever musste schmunzeln.
"Der Gärtner ist der Täter,
Fall
gelöst", dachte er. "Was gibt's denn da zu lachen?", fuhr es ihn
an. Er antwortete nicht, aber sein
Lachen
verschwand. Er las noch ein wenig in seiner Akte, dann legte er sie
zu Seite und setzte sich an
einen
Verhörtisch, gegenüber saß sein Hauptverdächtiger, Karl Schlegl,
Gärtner bei der Familie
Schmidts.
"Also, Herr Schlegl, wie lange arbeiten Sie schon für die
Schmidts?", fragte er. "Arbeit
ist so eine
distanzierte Bezeichnung. Ich bevorzuge den Ausdruck 'Ich sorge für
sie'. Und nennen
Sie mich
Karl", gab er ihm als Antwort. "Also gut, Karl, wie lange sorgen
Sie schon für sie?" "Seit
nunmehr 4
Jahren.", antwortete Karl. "Und macht Ihnen die Arbeit Spaß?" "Es
geht so. Könnte besser
sein."
"Schildern Sie mir doch bitte, was Sie gestern abend getan haben."
"Aber gerne doch. Ich glaube
so
gegen 3 habe ich Rasen gemäht. Danach musste ich Blätter harken und
ein paar Säcke wegbringen.
Dann bin ich
nach Hause gefahren. Muss so gegen 4, halb 5 gewesen sein." Clever
stutzte. "Haben Sie
vergessen zu erwähnen, dass Sie, bevor Sie gegangen
sind, das Haus der Schmidts betreten haben?
Die Nachbarn
haben Sie dabei gesehen, so etwa um 6, sagten sie. Unmittelbar
danach hörten sie
ihrer Aussage
nach Kampfgeräusche und lautes Geschrei. Wollen Sie mich etwa für
dumm verkaufen?"
"Ach,
wissen Sie, die konnten mich noch nie leiden. Die würden doch alles
tun, um mich reinzureiten.
Einen Moment
lang war Clever sprachlos. "Jetzt passen Sie mal auf. Die Schmidts
sind verschwunden. Ihr
Tresor
steht offen. Überall sind Ihre Fingerabdrücke drauf. Wir
haben Zeugen, die sie haben dort
reingehen
sehen. Kurz: Sie stecken ganz schön tief drin. Es wäre deutlich
besser für Sie, wenn Sie
auspacken
würden und uns erzählen, wo Sie die Schmidts hingebracht haben. Sie
sehen doch, dass der
Fall
sonnenklar ist oder nicht?" Keine Regung in Schlegls Gesicht. "Ich
soll also den Tresor geöffnet
haben,
ja? Woher sollte ich denn die Kombination kennen?" "Ganz
einfach. Sie haben Herr Schmidt
und Frau
Schmidt bedroht und sie dazu gezwungen, Ihnen die Kombination zu
verraten. Anschließend
haben
Sie den Tresor ausgeräumt und die Beute und die beiden in
Laubsäcken in Ihr Auto getragen. Ihre
einzige
Hoffnung, heil aus der Sache raus zukommen besteht darin, dass sie
noch leben." Clever merkte
erst jetzt,
wie ernst sein Blick geworden war. Er hatte sich gehen lassen. Er
hatte sich durch seine
naive Art zu
sehr provozieren lassen. "Der alte Geizkragen hätte doch nie die
Kombination rausgerückt.
Darf ich mir
eine anzünden?" Clever nickte. Er steckte sich eine Zigarette in
den Mund. Clever gab ihm
Feuer.
Clever schaute ihn an. Er wurde aus ihm einfach nicht schlau. Was
verbarg er? Es war ihm
unbegreiflich, wie er derart ruhig bleiben konnte. Die
Beweislage sprach für sich. Er wusste
nicht, wie er
weitermachen sollte. Jemand klopfte. Clever stand auf und verließ
den Verhörraum.
"Wir haben
die Schmidts gefunden", flüsterte ihm Wachtmeister Wichtig in
kurzer Distanz mit
etwas
gesenktem Kopf zu. "Sie leben. Sie hat ein leichtes Schädeltrauma."
"Wo haben Sie sie denn
gefunden?",
fragte Clever. "Ein paar Kilometer von hier. Sie wurden wohl
bewusstlos geschlagen
und
anschließend in eine Hütte im nahe gelegenen Wald gebracht. Heute
morgen sind sie dann
aufgewacht
und haben sich zum nächsten Bauernhof durchgeschlagen. Wir haben
zwar bisher
noch keine
Aussage aufgenommen, aber sie sagen ständig, dass er es nicht war."
Clever stutzte.
"Sie machen
Scherze", sagte er. "Sie sagen, es war ein maskierter,
dunkelhäutiger Riese, so
zwischen
einem Meter neunzig und zwei Metern." Er schaute Schlegl durch die
halbverspiegelte
Scheibe an,
wie er still vor sich hinrauchte. Er war von normalem Wuchs, eher
klein. Auch sein Teint
war eher
blass als dunkelhäutig. "Was halten Sie davon?", fragte Clever.
"Hat er einen Komplizen?"
"Sie sind er
Kommissar", antwortete Wichtig. "Wann sind sie zur Aussage
bereit?", fragte Clever. "In
ein paar
Stunden. Sie werden erst noch medizinisch betreut. Ich gebe Ihnen
Bescheid, wenn's
soweit ist.
Quetschen Sie Schlegl hier solange aus." Doch Clever hatte erstmal
keine Fragen an
ihn. Er wurde
aus ihm sowieso nicht schlau. Er warf einen erneuten Blick in die
Akte. Herr und Frau
Pohl, so
hießen die Nachbarn. Scheinbar wohnten in dieser Gegend nur
kinderlose Ehepaare,
dachte
Clever. Er holte sein Handy hervor. "Guten Tag, Kommissar Clever
mein Name. Ich würde Ihnen
gerne noch
ein paar Fragen bezüglich Ihrer Aussage von gestern Abend stellen."
Sein Blick war noch
immer auf
Schlegl gerichtet. Konnte er sich vielleicht tarnen? Seine
Hautfarbe mit Schminke
verändern und
mit irgendwelchen Stelzen größer wirken, als er ist? "So in etwa
einer halben Stunde",
sagte Clever
und legte auf.
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Wer das Rätsel löst, darf die Geschichte
im Log fortsetzen, wenn er mag.
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Und nun
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