28. April 1945
Achtung, Achtung! Es spricht der Sender der Freiheitsaktion Bayern. Beseitigt die Funktionäre der Nationalsozialistischen Partei. Die FAB hat heute Nacht die Regierungsgewalt erstritten.
Die Geschehnisse
Es ist Samstag, der 28. April 1945. Nach sechs Jahren Krieg ist die Niederlage greifbar. In den letzten Monaten sind die Nazis mit großer Härte und Brutalität gegen das eigene Volk vorgegangen. Große Teile Bayerns wurden bereits von den allierten Truppen befreit, und die US-Amerikaner stehen bereits in Landsberg am Lech. Übrig geblieben ist im Wesentlichen der Traditionsgau München-Oberbayern. Seit 6 Uhr morgens sind im Radio auf der Frequenz des Sender München regelmäßig Durchsagen zu hören, in denen in verschiedenen Sprachen verkündet wird, dass die Freiheitsaktion Bayern - kurz FAB - die Regierungsgewalt erstritten habe, und dass die verbliebenen Nazis beseitigt werden sollen.
Auch hier in Kraiburg wurden diese Funksprüche vernommen, doch man konnte nicht wissen, dass die FAB lediglich zwei Sendemasten in ihre Gewalt gebracht hat. Die erstrittene Regierungsmacht war bloß ein Bluff, der vielen Menschen das Leben kosten sollte. So riefen die Funksprüche eine Gruppe Männer auf den Plan, die bereits Widerstandpläne geschmiedet hatten. Insgesamt 24 Männer begannen direkt um 6 Uhr, die Panzersperren von der Innbrücke zu räumen, was trotz Drohungen durch Angehörige der Wehrmacht bis 11:30 Uhr erledigt war. Der Anführer der Aufständischen ging in dieser Zeit zum Bürgermeister Nennhuber, um ihn von den Vorgängen zu unterrichten. Außerdem versucht er, zusammen mit dem Gendarmeriemeister und einem dritten Bürger, den Ortsgruppenleiter Diener festzunehmen, doch sie fanden ihn nicht.
Gleichzeit ließ sich einer der Beteiligten gegen 8 Uhr auf der Gemeindekanzlei die weiß-blaue Fahne aushändigen, um sie mit einem weiteren Helfer auf dem Schlossberg zu hissen. Doch schon nach einer Stunde mussten die Aufständischen erneut auf den Schlossberg steigen, um die Fahne gegen den Ortsgruppenleiter mit den Worten Sie werden wissen, was in München vorgeht, dasselbe gilt auch bei uns! zu verteidigen. Eine weitere Viertelstunde später mussten sie erneut hinauf, da der Bürgermeister den Fahnenmast zusammen mit einem weiteren Bürger umschneiden wollten. Zwar konnten die Aufständischen diese beiden Angriffe abwehren, doch schließlich wurden sie von der Luftwaffe festgenommen und zur SS auf die Gemeinde gebracht.
Es ist noch nicht 12 Uhr, da war bereits die herbeigerufene SS eingetroffen, mit dem Auftrag, den Aufstand mit Waffengewalt niederzuschlagen. Die Beteiligten, von denen man wusste, wurden festgenommen, darunter auch der Anführer der Gruppe, auch wenn der SS das nicht klar war. Dann wurden alle Kraiburger ab 14 Jahren herbeigerufen, um die Panzersperren auf der Brücke wieder einzubauen. Obwohl angedroht wurde, dass alle erschossen werden, die sich weigerten, erschienen nur zwölf Männer. Erst als die SS androhte, diese Zwölf zu erschießen, kamen auch die meisten der übrigen Bürger.
Gleichzeitig zur Wiedererichtung der Sperren wurde fieberhaft nach dem Anführer gesucht. Die Beteiligten wurden mehrmals von der Aufbauarbeiten auf der Brücke geholt, um sie zu verhören. Doch zu ihrem Glück haben - aller Loyalität zum Trotz - sowohl der Bürgermeister Nennhuber als auch der Ortsgruppenleiter Diener nur ungenaue Angaben zu den Aufständischen gemacht. Trotz intensiver Verhöre gab keiner der 16 Festgenommen den Namen des Anführers oder weiterer Mitstreiter preis. Schließlich wurden sie mit der scharfen Verwarnung freigelassen, keine weiteren Aktionen mehr zu unterstützen.
Zwar hatten die Nazis den Anführer festgenommen, und bei seiner Verhaftung bereits zum Schein an die Wand gestellt, doch wussten sie nicht, dass es sich um den Anführer handelte. Er wurde nach Mühldorf gebracht, um von Kreisleiter Schwägerl vernommen zu werden. Da man diesen nicht antraf, ging es weiter nach Altötting, doch auch hier war der Kreisleiter nicht auffindbar. Schließlich landet er im Standgericht bei Marktl am Inn, doch da man ihm nichts beweisen kann, wird er gegen 22 Uhr unter schärfsten Drohungen entlassen. Als er um 2 Uhr zurück in Kraiburg war, musste er sofort wieder fliehen, da ihn der Kreisleiter inzwischen ins Visier genommen hatte.
Die Folgen
Neben den Kraiburgern sind 78 weitere Gruppen in ganz Oberbayern dem Aufruf der FAB gefolgt. Wie durch ein Wunder blieb die Aktion hier unblutig, aber in 20 anderen Orten gab es Todesopfer auf beiden Seiten, darunter das nahe Altötting, wo fünf Aufständische exekutiert wurden.
Während am 29. April im fernen München die Vergeltung der Nazis tobte, wurde das KZ Dachau befreit, am 30. April folgte die Hauptstadt der Bewegung, Hitler beging Suizid in Berlin. In Kraiburg ließ das Kriegsende auf sich warten, noch am 29. April und 1. Mai werden knapp 100 politische Häftlinge aus dem KZ Buchenwald durch den Ort getrieben und Scharen von Wehrmachtsangehörigen querten die Innbrücke. Am 2. Mai gegen 10 Uhr sprengte die SS die erst elf Jahre alte Brücke gegen den Protest der Kraiburger. Erst am 3. Mai gegen 10 Uhr rollten die ersten US-amerikanischen Panzer aus Jettenbach heran, der Ort kapitulierte widerstandslos. Am 8. Mai kapitulierte die Wehrmacht bedingungslos.
Nach dem Krieg wurde der Anführer der Kraiburger Aufständischen von den US-amerikanischen Besatzern als Bürgermeister eingesetzt, da er nachweislich von Beginn an gegen die Nazis war.
Der Cache
Der Cache ist ein PETling, der nicht an den angegebenen Koordinaten liegt. Um die Finalkoordinaten zu erhalten, müssen erst die folgenden Fragen beantwortet werden. Hat man die Koordinaten, begibt man sich zu einem der beiden Startpunkte (hinterm Marktplatz oder mit mehr Ausblick auf dem Schlossberg), um nach einem kurzen Spaziergang die Dose finden zu können. Bänke zum Rasten hat es genügend.
Das Rätsel
- Wie hoch war der Sendemast (ohne Ausleger), von dem aus die Funksprüche gesendet wurden, die den Kraiburger Widerstand auslösten? A ist die Höhe in Metern (bei widersprüchlichen Zahlen die größere nehmen)
- Auf welcher Frequenz wurden die Funksprüche gesendet? B ist die Frequenz in kHz.
- Wie hieß der Anführer der Aufständischen? C ist die Summe der der Buchstaben des Vor- und des Nachnahmens
- In welchem Jahr endet die Amtszeit des Anführers als Bürgermeister von Kraiburg? D ist die vierstellige Jahreszahl.
Der Cache liegt bei den Koordinaten
N 48° ((11 * A) + (12 * B) + 78)/1.000'
E 012° ((7 * C) + (13 * D) + 2)/1.000'
Der Cache ist ein gängig versteckter PETling.