Willkommen zu diesem geologischen Abenteuer auf dem Inn! Erkunde ein einzigartiges Phänomen, das du nur vom Boot aus sehen kannst.
Dieser EarthCache führt dich auf den Teil des Inns zwischen Wasserburg am Inn und Gars. Während du flussabwärts paddelst, passierst du auf der linken Uferseite (Westseite) die beeindruckenden Steilhänge der sogenannten Innleiten. Hier verbirgt sich ein faszinierendes hydrogeologisches Phänomen: aktive Kalktuffquellen, die direkt aus der bewaldeten Steilwand entspringen und über vertikale Schichten in den Inn plätschern.
Wichtiger Log-Hinweis vorab: Dies ist ein reiner Bootscache (Kajak, Kanu, Packraft etc.). Das Ufer steht unter strengem Naturschutz (FFH-Lebensraumtyp 7220* – Kalktuffquellen) und ist extrem trittempfindlich. Es gibt keinen Wander- oder Radweg zur Earthcache-Location. Ein Boot ist deine einzige Möglichkeit. Die Tuffnasen brechen leicht ab. Bitte berühre nichts. Die Fragen können und müssen komplett vom Boot aus beantwortet werden. Ein Betreten des Hanges ist für das Loggen dieses Caches weder notwendig noch gestattet! Hilf bitte mit, die Natur zu schützen!
Im genannten Bereich fließt der Inn langsam, da er sehr breit ist. Fahre immer mit Schwimmweste und bleibe in der Nähe des Ufers, wenn du dich unsicher fühlst. Mach die Tour nicht alleine und nie bei Hochwasser. Du handelst auf eigene Gefahr, wirst jedoch mit einem der schönsten Abschnitte des Inns belohnt, der selten befahren wird. Kein Vergleich zur Alz!

Quelle: eigenes Foto
Was ist Kalktuff und wie entsteht er?
Kalktuff (nicht zu verwechseln mit dem vulkanischen Tuff) ist ein sogenanntes Sekundärgestein. Es handelt sich um ein relativ junges, poröses Süßwasserkalkgestein, das durch chemische Ausfällung aus kalkgesättigtem Grundwasser entsteht. Kalktuff ist eine Sonderform von Sinter. Der Entstehungsprozess beruht auf einem sensiblen chemischen Gleichgewicht und lässt sich in drei Schritte unterteilen:
- Kalklösung im Untergrund: Regenwasser nimmt beim Durchtritt durch den Boden Kohlendioxid (CO2) auf, wodurch sich eine schwache Kohlensäure bildet. Diese Säure ist in der Lage, beim Versickern im kalkreichen Gestein (z.B. eiszeitliche Alpenschotter) den unlöslichen Kalk (CaCO3) als lösliches Calciumhydrogencarbonat (Ca(HCO3)2) aufzunehmen. Die chemische Formel lautet:
CaCO3 + H2O + CO2 → Ca(HCO3)2
- Druckabfall und Entgasung: Tritt dieses stark kalkhaltige Wasser an einer Quelle an die Oberfläche, ändern sich die Bedingungen schlagartig. Der Druck sinkt und das Wasser erwärmt sich leicht. Dadurch entweicht das gelöste CO2 Gas in die Atmosphäre.
- Biogene Unterstützung und Ausfällung: An den feuchten Hängen wachsen spezialisierte Moose (z.B. das Starknervmoos Palustriella commutata) und Algen. Diese entziehen dem Quellwasser für ihre Photosynthese zusätzlich Kohlendioxid. Durch den Verlust der Kohlensäure verliert das Wasser sein Kalklösevermögen. Das Kalziumhydrogencarbonat wandelt sich wieder in festen Kalk um und scheidet sich direkt auf den Moospolstern ab. Das Moos wird von unten her „versteinert“, wächst aber an den Spitzen weiter nach vorne. So entstehen im Laufe der Jahrhunderte die porösen, vertikalen Kalktuffhänge und hängenden „Tuffnasen“. Dieser Earthcache unterscheidet sich deshalb inhaltlich deutlich von terrassenartigen Ablagerungen von Sinter.

Quelle: eigenes Foto (schwarz-weiß)
Warum kommt dieses Phänomen genau hier am Inn vor?
Das Vorkommen an der Innleiten beruht auf verschiedenen Schichten aus der letzten Eiszeit (Würm-Kaltzeit):
- Die obere Schicht (Der Kalklieferant): Die oberen Hänge bestehen aus mächtigen, sehr durchlässigen Moränen und Vorstoßschottern des Inn-Chiemsee-Gletschers. Diese enthalten riesige Mengen an kalkreichem alpinen Geröll. Hier versickert das Regenwasser und sättigt sich mit Kalk.
- Die untere Schicht (Die Wasserbarriere): Darunter liegen extrem dichte, wasserundurchlässige Tonschichten.
Das versickernde, kalkreiche Grundwasser trifft im Hanginneren auf diese Tonschicht und kann nicht weiter nach unten absinken. Es wandert horizontal auf der Tonschicht entlang nach außen, bis es am steilen Prallhang des Inns als sogenannte Schichtquelle an der Luft austritt. Genau an dieser Grenzschicht beginnt sofort die oben beschriebene Kalktuff-Ausfällung. Die Flüssigkeit tropft am Hang nach unten und lagert sich vertikal ab. Es werden keine Terrassen gebildet, wie es häufig der Fall ist.
3. Aufgaben und Logging-Fragen
Um diesen EarthCache loggen zu dürfen, erfülle bitte die folgenden Aufgaben. Nach dem Absenden der Antworten kannst du sofort loggen. Sollte etwas falsch sein, melde ich mich.
Zwingend erforderliche Fotobedingung (gemäß den aktuellen EarthCache-Richtlinien):
Füge deinem Log ein Foto bei, das dich selbst (oder einen persönlichen Gegenstand wie dein GPS/Smartphone), dein Boot und die vertikalen Kalktuffkaskaden im Hintergrund zeigt. Um den Richtlinien zu entsprechen, muss auf dem Foto zudem dein Geocaching-Name (z.B. auf einem Zettel, einer Tafel oder dem Boot stehend) oder deine Person eindeutig im Boot zu erkennen sein. Logs ohne dieses Foto werden gemäß den Richtlinien gelöscht.
Fragen zur Beantwortung:
1
Betrachte die Tuff-Strukturen an den Koordinaten direkt vom Boot aus. Beschreibe die Form der Ablagerungen: Handelt es sich um flache, stufenartige Sinterterrassen oder siehst du bauchige, vertikal überhängende „Tuffnasen“? Welche Farbe dominiert das Gestein im direkt wasserüberströmten Bereich und welche Farbe hat es dort, wo es trocken liegt? Schätze die Länge und die Höhe der Ablagerungen.
2
Beobachte die Höhe, in der das Quellwasser aus dem vertikalen Prallhang austritt. Befindet sich der Haupt-Quellhorizont direkt auf Wasserniveau des Inns, knapp darüber (0–3 Meter) oder hoch oben im bewaldeten Steilhang? Was sagt diese Höhe über die Lage der wasserstauenden Tonschicht aus?
3
Der Inn führt als Gebirgsfluss bei Hochwasser enorme Energien mit sich und erodiert seine Prallhänge. Die Kalktuffquellen hingegen bauen durch die Ausfällung stetig neues Gestein auf. Welcher der beiden Prozesse (Aufbau durch Kalktuff vs. Abtrag durch den Fluss) scheint an den exakten Koordinaten aktuell die Oberhand zu haben? Begründe deine Meinung kurz anhand des Zustands der Kaskaden.
Quellen und Referenzen
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Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU)
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Geologische Karte von Bayern 1:25.000 & Erläuterungen zu den glazialen Beckentonen im Inn-Salzach-Gebiet.
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Schutzgemeinschaft Inntal e.V.
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Dokumentation über die Schutzbedürftigkeit und Ökologie der „Innleiten“ und deren Hangquellen.
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| Heimat am Inn |
https://www.wasserburg.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Heimatverein/Publikationen/Heimat_am_Inn_N.F._6__1985__Version_1.pdf |