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Das merkwürdige Tal bei Wipfelsfurt EarthCache

Hidden : 9/1/2026
Difficulty:
2 out of 5
Terrain:
1 out of 5

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Geocache Description:


Das merkwürdige Tal bei Wipfelsfurt

 

Wer heute nach der Wipfelsfurt sucht, findet schnell eine scheinbar eindeutige Erklärung: Meteoritenkrater. In populären Darstellungen und im lokalen Sprachgebrauch hält sich diese Deutung hartnäckig – und betrachtet man die Landschaft von oben, ist die Idee zunächst durchaus nachvollziehbar.

Zwischen den steilen Hängen der Weltenburger Enge öffnet sich das Donautal plötzlich zu einer auffällig rundlichen Mulde und verengt sich anschließend wieder.

Geologisch liegt die Weltenburger Enge im Frankenjura. Ihre Felsen bestehen überwiegend aus Kalk- und Dolomitgesteinen des Oberjura, die unter unterschiedlichen Ablagerungsbedingungen entstanden. Dadurch unterscheiden sich die Gesteine auch in ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Verwitterung und Erosion – ein Unterschied, der für die Geschichte der Wipfelsfurt noch wichtig werden wird.

Ein Meteoriteneinschlag wurde hier tatsächlich auch wissenschaftlich diskutiert. Doch seit mehr als 70 Jahren versuchen Geologen, die Wipfelsfurt zu erklären – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Wie schwierig ihre Einordnung ist, zeigt vielleicht am besten eine bemerkenswert zurückhaltende Beschreibung des Geologen Erwin Rutte. Er bezeichnete sie 1962 schlicht als eine „merkwürdige Ausweitung im Donautal bei Wipfelsfurt“.

Doch wie entstand dieses merkwürdige Tal wirklich?

 

Hinweis zum Naturschutz

Der EarthCache befindet sich im Naturschutzgebiet Weltenburger Enge. Bitte bleibt ausschließlich auf den vorhandenen Wegen und betretet keine gesperrten oder geschützten Bereiche. Für die Beantwortung der Aufgaben müssen die Wege nicht verlassen, keine Pflanzen beschädigt und weder Gesteine noch andere Naturmaterialien entnommen werden.

Bitte respektiert die örtlichen Schutzbestimmungen und hinterlasst die Natur so, wie ihr sie vorgefunden habt.

Eine Schüssel aus Kalk?

 

Eine frühe Erklärung stammt von Ferdinand Trusheim aus dem Jahr 1951. Er deutete die Wipfelsfurt als ausgeräumte Plattenkalkschüssel: Ein Bereich aus weniger widerstandsfähigem Plattenkalk sei demnach stärker erodiert worden als die umgebenden Gesteine und habe so die ungewöhnliche Geländeform hinterlassen.

Doch ganz so einfach war es offenbar nicht.

Rutte: Oder doch ein Meteorit?

 

Erwin Rutte widersprach 1962. Die für Trusheims Modell erwarteten Gesteine und Lagerungsverhältnisse ließen sich seiner Ansicht nach nicht überzeugend nachweisen. Die Wipfelsfurt blieb für ihn eine „merkwürdige Ausweitung“.

Später entwickelte Rutte eine wesentlich spektakulärere Erklärung. In seiner Arbeit „Neue Befunde zu Astroblemen und Alemoniten in der Schweifregion des Rieskometen“ beschrieb er mögliche Trabanterscheinungen des Ries-Ereignisses: Neben dem Ries sollten weitere Einschläge eines größeren Meteoritenschwarms kleinere Impaktstrukturen in der Region hinterlassen haben.

In dieses Bild passte nun auch die Wipfelsfurt. Ihre rundliche Form ließ sich als möglicher kleiner Impaktkrater interpretieren – eine Vorstellung, die bis heute erstaunlich präsent geblieben ist.

Aber eine runde Form allein macht noch keinen Meteoritenkrater.

Hilbrecht: Der Fels erzählt eine andere Geschichte

 

Heinz Hilbrecht untersuchte die Wipfelsfurt 1985 gezielt und kam zu einem deutlich anderen Ergebnis. Schon der Titel seiner Arbeit verrät seine Einschätzung: „Der Pseudo-Impactkrater Wipfelsfurter Mulde bei Kelheim“.

Für einen Impakt fand Hilbrecht gleich mehrere Probleme. Die verschiedenen Geländestufen ließen sich nicht zu einem gemeinsamen kreisförmigen Kraterrand verbinden. Ein überzeugender Kraterwall und entsprechende Auswurfmassen fehlten. Auch diagnostische Spuren einer starken Stoßwellenbeanspruchung konnte er in den untersuchten Gesteinen nicht nachweisen.

Trusheims alte Plattenkalkschüssel bestätigte Hilbrecht allerdings ebenfalls nicht. Stattdessen entstand aus seinen Untersuchungen ein anderes Bild: Unterschiedlich widerstandsfähige Jurakalke, tektonische Strukturen und die Erosionsarbeit eines Flusses wirkten zusammen.

Dabei rekonstruierte Hilbrecht einen früheren Flusslauf in Form einer Schleife. Im Bereich des heutigen, direkteren Flusslaufes lag seiner Interpretation zufolge ein besonders widerstandsfähiger Körper aus Massenkalk, den der Fluss zunächst umgehen musste. Der Fluss suchte sich seinen Weg durch leichter erodierbare Bereiche. Mit fortschreitender Erosion wurde schließlich auch der widerstandsfähige Felsriegel abgetragen. Wo heute die Donau vergleichsweise direkt durch das Tal fließt, befand sich demnach früher noch Fels. Damit lässt sich auch verstehen, warum eine ehemalige Flussschlinge heute wie eine rundliche Mulde aussehen kann.

Wenn eine Flussschlinge verschwindet

Flüsse verändern ihren Lauf. Wird der kürzere Weg zwischen zwei Abschnitten einer Flussschlinge durch fortschreitende Erosion immer weiter freigelegt, kann der Fluss schließlich diesen direkteren Weg nehmen. Ein immer größerer Teil des Wassers folgt nun dem neuen Lauf, während die alte Schleife zunehmend von der Strömung abgeschnitten wird. Schließlich kann sie vollständig trockenfallen. Der Fluss fließt dann vergleichsweise direkt weiter, während sein ehemaliger bogenförmiger Lauf als trockenes Tal in der Landschaft erhalten bleibt.

Für die Wipfelsfurt kommt noch etwas hinzu. Das Tal der Weltenburger Enge wurde nicht erst von der heutigen Donau geschaffen, sondern bereits zuvor von einem deutlich kleineren Flusssystem genutzt. Erst später gelangte die Donau in diesen bereits vorhandenen Talzug.

Deshalb lässt sich heute auch nicht mehr sicher sagen, wann genau die Wipfelsfurter Flussschlinge aufgegeben wurde: War der kleinere Vorgängerfluss bereits dabei, seinen Lauf zu verkürzen? Oder erfolgte die entscheidende Abtragung erst später unter Beteiligung der größeren Donau? Die Landschaft bewahrt das Ergebnis besser als den genauen Ablauf.

Einige Spuren der Flussgeschichte sind jedoch bis heute im Fels erhalten.

Hohlkehlen – geologische „Hochwassermarken“

 

Am Rand der Wipfelsfurt steht ein markanter Kalkfelsen, der Bienenkorb oder passenderweise auch Hohler Stein genannt wird.

An seiner Felswand sind horizontale Einbuchtungen und Rücksprünge zu erkennen. Solche Hohlkehlen können entstehen, wenn ein Fluss über längere Zeit auf einem ähnlichen Niveau den Fels bearbeitet. Wasser und mitgeführtes Sediment tragen Gestein ab und setzen die Wand zurück.

Anschaulich kann man sie sich ein wenig wie geologische Hochwassermarken vorstellen. Mit einem wichtigen Unterschied: Eine Hochwassermarke dokumentiert ein einzelnes Ereignis. Eine Hohlkehle entsteht durch länger andauernde oder wiederholte Erosion und kann damit ein früheres Erosionsniveau des Flusses markieren. Schneidet sich ein Fluss mit der Zeit tiefer ein, verlagert sich seine Erosionsarbeit nach unten. Ältere Hohlkehlen können oberhalb des heutigen Flusses erhalten bleiben. Mehrere solcher Formen auf unterschiedlichen Höhen können deshalb verschiedene Stadien der Talentwicklung dokumentieren.

Genau solche ehemaligen Ufer- und Erosionsniveaus bezog Hilbrecht in seine Untersuchung der Wipfelsfurt ein. Ihre Anordnung passte für ihn nicht zu einem gemeinsamen Kraterrand, wohl aber zu einer langen und wechselvollen Flussgeschichte.

Die Hohlkehlen allein können einen Meteoriteneinschlag nicht ausschließen. Zusammen mit Hilbrechts weiteren Befunden zeigen sie aber etwas Entscheidendes: Für die Entstehung der heutigen Wipfelsfurt braucht es keinen Meteoriten. Der Fluss liefert eine schlüssigere Erklärung.

Und damit ist der Meteorit vom Tisch?

 

Nicht ganz.

Kord Ernstson und seine Mitautoren griffen 2021 Ruttes größeres Impaktmodell erneut auf. Mehrere der von Rutte vorgeschlagenen Strukturen hielten sie durchaus für diskussionswürdig. Ruttes ungewöhnliche Vorstellung von weiteren Impaktstrukturen in der Region war damit nicht grundsätzlich erledigt.

Ausgerechnet bei der Wipfelsfurt blieben jedoch auch sie skeptisch. Eine Impaktentstehung bezeichneten sie als „rather doubtful“ – eher zweifelhaft.

Vielleicht hatte Rutte mit seiner größeren Idee also nicht in allem unrecht.

Für die Wipfelsfurt liefert Hilbrechts fluviatiles Modell jedoch bis heute eine schlüssige Erklärung der beobachtbaren Landschaftsformen.

Und vielleicht war Ruttes Beschreibung von 1962 deshalb gar nicht schlecht gewählt. Geblieben ist eine „merkwürdige Ausweitung im Donautal bei Wipfelsfurt“ – deren Felsen bis heute von einer langen Flussgeschichte erzählen.


Logbedingungen

 

Bitte beantwortet die folgenden Fragen anhand eurer Beobachtungen vor Ort und sendet mir eure Antworten über mein Profil. Ihr müsst nicht auf eine Logfreigabe warten. Sollte etwas nicht passen, melde ich mich bei euch.

1 – Die Wipfelsfurt

Betrachtet die Wipfelsfurt und vergleicht sie mit dem engeren Donautal davor und danach. Beschreibt die Form der Talweitung mit eigenen Worten. Welche Merkmale könnten auf den ersten Blick tatsächlich an einen Einschlagkrater erinnern?

2 – Die Hohlkehlen

Betrachtet nun den Hohlen Stein/Bienenkorb. Sucht die im Listing beschriebenen Hohlkehlen und beschreibt ihre Form und Anordnung. Verlaufen sie eher horizontal oder vertikal? Erkennt ihr eine oder mehrere solcher Formen? Liegen sie alle auf derselben Höhe oder könnt ihr verschiedene Niveaus erkennen? Vergleicht ihre Lage außerdem mit dem heutigen Wasserspiegel.

3 – Spuren eines früheren Flusses

Wählt eine deutlich oberhalb der heutigen Donau gelegene Hohlkehle und schätzt ihren Höhenunterschied zum heutigen Wasserspiegel. Was verrät euch diese Beobachtung über die frühere Entwicklung des Flusses? Erklärt damit, warum die Hohlkehlen zu Hilbrechts Modell einer ehemaligen Flussschlinge und einer fluviatil entstandenen Wipfelsfurt passen.

4 – Logfoto

Macht bitte ein Foto von euch oder einem persönlichen Gegenstand mit der Wipfelsfurt oder dem Hohlen Stein im Hintergrund und fügt es eurem Online-Log hinzu. Euer Gesicht muss dabei selbstverständlich nicht zu erkennen sein.


Quellen

 

Trusheim, F. (1951): Deutung der Wipfelsfurt als ausgeräumte kleinere Plattenkalkschüssel, zitiert nach Rutte (1962), S. 71.

Rutte, E. (1962): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25.000, Blatt Nr. 7037 Kelheim. Bayerisches Geologisches Landesamt, München.
https://www.bestellen.bayern.de/med/ae58bce8-b4a5-11f0-81ee-c3fc7d0a3316/4b0e6a70-1059-11d9-4c85-9d915831e9eb/0/11043.pdf

Rutte, E. (1974): Neue Befunde zu Astroblemen und Alemoniten in der Schweifregion des Rieskometen. Oberrheinische Geologische Abhandlungen

Hilbrecht, H. (1985): Der Pseudo-Impactkrater Wipfelsfurter Mulde bei Kelheim. Berliner Geowissenschaftliche Abhandlungen, Reihe A, Band 60, S. 195–199.
https://e-docs.geo-leo.de/entities/publication/3c5d517d-fe22-4620-9eca-d49951df3469

Ernstson, K. et al. (2021): The East Bavarian Meteorite Crater Assemblage Revitalized – Probably Linked to the Ries Crater (Germany) Impact Event.
https://www.hou.usra.edu/meetings/lpsc2019/pdf/1370.pdf

Additional Hints (No hints available.)

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