In Sankt Augustin kann man bis heute Hinweise geologische Veränderungen finden, die nicht nur das geographische Erscheinungsbild, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt entscheidend geprägt haben: Nämlich eine Flussterrasse und der damit verbundenen ‚Erosioskante‘ des Rheins, worauf dieser Earthcache hinweisen möchte.
Solche Flussterrassen und die damit einher gehenden Erosionskanten sind Überbleibsel ehemaliger Flusstäler, die nach weiterer Einscheidung des Untergrundes durch die Strömung des Flusses mit transportiertem Felsen und Steinen des Flusses am Hang zurückbleiben, wie man es in diesem Video sehen kann.
Flussterrassen können sich sowohl auf beiden als auch nur auf einer Talseite entwickeln. Durch Erdbeben o.Ä. ‚Störungen' sucht sich der Fluss u.U. einen neuen Weg und trägt durch diese Mäanderbildung zu dieser charakteristischen Terassenbildung bei. Es entstehen dadurch ausgedehnte, sehr fruchtbare Flussauen. In Mitteleuropa begann diese Terrassenentwicklung im Tertiär und man findet bis heute im Untergrund noch Flussschotter, z. B. die Kieseloolithe in der Niederrheinischen Bucht.
Im Pleistozän und Holozän, also dem im Wechsel von Kalt- und Warmzeiten, intensivierte sich diese Terrassenentwicklung immer weiter und ist besonders beim Zeitenwechsel von Glazial- zu Interglazial großen Veränderungen unterworfen.
Zur Erläuterung:
Im Frühglazial gehen die Temperaturen zurück, wodurch die Vegetation verkümmert. Die Folge davon sind geringere Niederschläge und gleichzeitig auch ein Absinken des Meeresspiegels, da ein Teil des Wassers als Eis gebunden wird. In Folge dessen bildet sich ein mäanderndere Flussverlauf, mit ausgeprägten Erosionen. Die Bildung von Terrassen beginnt.
Im Hochglazial ist das meiste Wasser auf Grund der Eiszeit in Eis gebunden und der Meeresspiegel hat seinen Tiefstand erreicht. Vegetation gibt es kaum noch. Nur in den sehr kurzen sommerlichen Tauperioden finden, wenn überhaupt, nur geringe Erosionen statt.
Im Spätglazial und dem damit verbundenen Temperaturanstieg kommt es zum Abschmelzen der Gletscher und einem erneuten Meeresspiegelanstieg. Nun kann sich sich wieder ein Fluss ausbilden, der für eine erneute Flussterrassenbildung sorgt.
Im Interglazial breitet sich durch weitere globale Erwärmung die Vegetation wieder schnell aus, die Niederschläge werden mehr und der Meeresspiegel steigt auch weiter an. Das führt zu einem mäandrierendes Flusssystem, in dem wieder Sedimente abgelagert werdend und auch Altarme des ursprünglichen Flusses wieder gefüllt werden können.
Das Verhalten eines Flusses ändert sich also in der Abhängigkeit vom Klima, der Menge der Niederschläge und des Schmelzwassers, aber auch der Höhe des Meeresspiegels und dem jeweiligen Flussgefälle. Das Gefälle wiederum wird durch tektonische Senkungen und Hebungen verursacht. Die Korngröße der abgelagerten Terrassensedimente hängt unmittelbar von der Strömungsgeschwindigkeit und vom Gefälle des Flusses ab. Gröbere Sedimente kommen am Oberlauf eines Flusssystems vor, während in der Nähe der Mündung Sande und Schluffe üblich sind.
So lagerten sich also vor fast 30 Millionen Jahren - in der Region um Sankt Augustin auch zudem durch die vulkanischen Aktivitäten des Siebengebirges - dicke Schichten von Tuffen und mehr als 1000m verschiedenste Sedimente auch im heutigen Stadtgebiet bzw. auch den Städten Bonn, Aachen, Roermond und Wesel ab. Dieser Teil von Sankt Augustin gehört damit zur Niederrheinische Bucht und entstand durch das allmähliche Zerbrechen und Einsinken dieses Untergrundes, wo auch heute noch Erdbeben anzeigen, dass die tektonische Senkung noch nicht zum Stillstand gekommen ist.
Die Geologische Struktur der Niederrheinischen Bucht:Fast alle von Nordwesten nach Südosten verlaufenden ‚Bruchstörungen' prägen die niederrheinische Bucht. Die Absenkungen nehmen in Richtung Rheinisches Schiefergebirge mehr und mehr ab, bis sie am östlichen Rand dieses Gebirges an Bedeutung verlieren. Würde man einen Querschnitt der Niederrheinischen Bucht betrachten, ist ihre ‚Füllung‘ eher asymmetrisch und bildet im Westen einen keilförmiger Ausläufer. Ansonsten bestimmen im Innern der Niederrheinischen Bucht größere ‚Bruchstörungen‘ die Landschaft und waren und sind so für den Stein- und Braunkohlebergbau von großer Bedeutung.
Östlich des Höhenzuges der Ville, also westlich von Bonn kann man an einer gut sichtbaren ‚Bruchlinie‘ zum Swist - und Erfttal erkennen, daß diese ‚Grabenfüllung‘ wesentlich flacher wird.Aus dieser ‚Grabenfüllung' und den diversen Sedimentschichten entstand im Laufe der Zeit auch Ton, der seit dem Mittelalter hier in der Region abgebaut wurde. Diese Tonvorkommen trugen ganz wesentlich dazu bei, dass sich in nahe liegenden Siegburg eine Töpferkultur entwickeln konnte, die für ihre Zeit führend war. Denn es gelang den Siegburger Töpfern erstmals, irdene Waren mit so hohen Temperaturen zu brennen, dass sie wasserdicht waren. Die reichhaltigen Tonvorkommen führten darüber hinaus dazu, dass sich nicht nur Töpfereien in Siegburg ansiedelten, sondern auch im heutigen Stadtgebiet von Sankt Augustin zahlreiche Ziegeleien errichtet wurden, deren Produktion bis in die 1960er Jahre andauerte.
Aber nicht nur der Siebengebirgs-Vulkanismus, sondern auch die Eiszeiten haben das Gesicht von Sankt Augustin geprägt: Sie und der damalige Verlauf des Rheins formten zunächst die Mittelrheinterrasse und später dann die heutige Rhein-Niederterrasse. Den Übergang zwischen diesen beiden Terrassen bezeichnet man als „Erosionskante“. Die an dieser „Erosionskante“ abgelagerten Kiese waren - ebenso wie die Tonablagerungen – bis in die 1970er Jahre ein erheblicher Wirtschaftsfaktor, denn der Kiesabbau diente dazu, die zunehmende Nachfrage nach Baumaterial zu befriedigen.
An den angegebenen Koordinaten ist der Übergang von der Mittelrheinterrasse zur Rhein-Niederterrasse, die sog. „Erosionskante“, noch heute in Ansätzen als Geländeformation zu erkennen. Wendet man den Blick nach Süden, erkennt man den sandigen und darunter den kiesigen Untergrund sowie in einiger Entfernung die ehemalige Tongrube. Dort befindet sich heute ein Biotop. Unmittelbar an den angegebenen Koordinaten fällt das Gelände nach Norden hin ab, dies ist die eigentliche Erosionskante. Sie ist heute überwiegend mit Dornenhecken bewachsen.
Um den Earthcache zu loggen, beantworte folgende Fragen:
- Über welche Länge (ca.) erstreckt sich die „Erosionskante“ von den angegebenen Koordinaten aus in östliche Richtung?
- Welche Höhe hat der „Erosionshang“ in etwa in Metern?
- Optional: mache vor Ort ein Foto von Dir und/oder Deinem GPS.
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