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Der Sonderbundskrieg war ein Bürgerkrieg in der Schweiz. Er dauerte vom 3. November bis zum 29. November 1847 und war die letzte militärische Auseinandersetzung auf Schweizer Boden. Als Ergebnis wurde durch die Bundesverfassung vom 12. September 1848 die Schweiz vom Staatenbund zum Bundesstaat geeint.
Anlass für den Krieg war die Gründung des Sonderbundes durch die konservativ regierten, katholischen Kantone Luzern, Schwyz, Uri, Zug, Ob- und Nidwalden, Freiburg und Wallis. Ziel des Bundes waren die Abwehr der von den liberalen Ständen geduldeten Freischarenzüge gegen konservativ regierte Kantone und die Verteidigung des katholischen Glaubens gegen die liberalen, mehrheitlich reformierten Kantone. Im Konflikt äußerten sich verschiedene Vorstellungen über die politische und gesellschaftliche Ordnung der Eidgenossenschaft: Während Liberale und Radikale seit Anfang der 1830er Jahre auf die Schaffung eines zentralen Bundesstaats hinarbeiteten, lehnten die konservativen Kräfte, die besonders in den katholischen Kantonen stark waren, einen Bundesstaat mit Verweis auf die traditionelle Souveränität der Kantone ab.
Als Folge der Julirevolution 1830 zerbrach die durch die Restauration festgefügte konservative Macht in der Schweiz. In zwölf Kantonen wurden während der Regeneration die Verfassungen im Sinne der Liberalen umgestaltet. Dadurch geriet die bisher praktizierte Einvernehmlichkeit von Kirche und Staat in Gefahr, da eine zentrale Forderung des Liberalismus darin bestand, die Kirche der staatlichen Kontrolle zu unterwerfen. Dies weckte vor allem im katholischen, aber auch im reformierten Klerus Widerstand.
Am 27. Januar 1834 beschlossen die Kantone Luzern, Bern, Zug, Solothurn, Basel-Landschaft, St. Gallen, Aargau und Thurgau die Badener Artikel, um die staatlichen Ansprüche gegenüber der katholischen Kirche durchzusetzen. In St. Gallen scheiterte die Durchführung 1835 in einer Volksabstimmung, Bern trat ebenfalls 1835 infolge der Erregung im katholischen Jura von den Beschlüssen zurück.
In Zürich kam es zu einer konservativ-reformierten Auflehnung gegen die liberale Regierung, als 1839 der Verfasser des umstrittenen theologischen Werkes "Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet", David Friedrich Strauss, an die Hochschule berufen wurde: Eine Schar Bauern rückte am 6. September in die Stadt Zürich ein und erzwang den Sturz der liberalen und die Einsetzung einer konservativen Regierung.
In dem bisher freisinnigen Luzern erlangten die Ultramontanen am 1. Mai 1841 bei einer Verfassungsrevision den Sieg. Dadurch ermutigt, forderten sie von der Tagsatzung, daß der Kanton Aargau gezwungen werde, die im Rahmen des Aargauer Klosterstreits 1841 aufgehobenen Klöster des Kantons wiederherzustellen. Der Aargau wehrte sich gegen den Entschluß, und als sich die Tagsatzung 1843 mit dem Anerbieten Aargaus zufrieden erklärte, der Forderung nur hinsichtlich der vier Frauenklöster nachzukommen, vereinigten sich die Kantone Luzern, Zug, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Wallis und Freiburg im September 1843 zu dem Beschluß, sich von der Schweizerischen Eidgenossenschaft zu trennen, wenn die Aargauer Klöster nicht wiederhergestellt würden.
Die gewaltsame Niederwerfung der Liberalen im Wallis durch die Ultramontanen und die Berufung der Jesuiten an die höheren Lehranstalten von Luzern steigerten den Parteienhaß weiter und führten dazu, daß der politische Konflikt zwischen dem liberal-radikalen und dem konservativen Lager weiter konfessionalisiert wurde. Der ultrakonservative Jesuitenorden war in der Schweiz stark umstritten. Selbst gemäßigte Konservative hatten sich in Luzern gegen die von den Ultramontanen geforderte Berufung der Jesuiten gewehrt. Im Vertrauen auf Freischaren aus anderen Kantonen versuchten die Luzerner Radikalen mit einem ersten Freischarenzug am 8. Dezember 1844, die klerikale Regierung mit Gewalt zu beseitigen - das Unternehmen scheiterte kläglich. Ebenso wurde ein zweiter Angriff auf Luzern am 31.März 1845 blutig zurückgewiesen; auf der Flucht wurden 104 Freischärler erschlagen und etwa 1800 gefangengenommen.
Die Furcht vor weiteren Freischarenzügen sowie die Ermordung des konservativen Politikers Josef Leu durch einen Freischärler veranlaßten die konservativen Kantone im Dezember 1845, einen förmlichen Bund abzuschließen und denselben zum Widerstand gegen widerrechtliche Beschlüsse der Tagsatzung militärisch zu organisieren. Zudem befürchteten die konservativen Kantone Einmischungen eines liberal regierten Bundesstaates in ihre Kompetenzen. Die Stimmung im katholischen Volk wurde durch Politiker und Priester weiter angeheizt, da man ihm verkündete, der katholische Glaube würde durch die liberalen Kantone bedroht. Insbesondere in der Innerschweiz zog die Bevölkerung eine Parallele zu dem blutigen Einmarsch der Franzosen 1798 und befürchtete das Schlimmste.
Sobald Existenz und Inhalt des anfangs geheim gehaltenen Bündnisses bekannt wurden, beantragte Zürich im Sommer 1846 der Tagsatzung, den Sonderbund gemäß dem Bundesvertrag für aufgelöst zu erklären. Der Antrag erhielt aber erst die erforderliche Mehrheit der Stimmen der Kantone, nachdem im Juli 1847 in Genf und St. Gallen die liberale Partei an die Macht gekommen war. Zusätzlich wurden eine Revision des Bundesvertrages und die Ausweisung des Jesuitenordens beschlossen. Da die sieben Sonderbundskantone, auf Österreichs und Frankreichs Hilfe vertrauend, trotz Vermittlungsversuchen unzugänglich blieben und eifrig rüsteten, entschied sich die Tagsatzung zu Bern am 4. November 1847 zur Anwendung von Waffengewalt.
Die Kriegshandlungen wurden durch den Einfall der Sonderbundstruppen am 3. November 1847 ins Tessin eröffnet. Am 12. November erfolgte ein weiterer Vorstoß ins aargauische Freiamt. Beide Expeditionen scheiterten jedoch. Die eidgenössische Armee von fast 100'000 Mann unter dem General Dufour rückte ab dem 11. November gegen die Sonderbundskantone vor. Die Kantone Appenzell Innerrhoden und Neuenburg erklärten ihre Neutralität und schickten keine Truppen. Zuerst wurde am 14. November das vom restlichen Sonderbund isolierte Freiburg zur Kapitulation gezwungen, dann begann die Planung, gegen Luzern, die Hochburg des Sonderbundes, vorzugehen. Während die Operation gegen Luzern vorbereitet wurde, kam die Meldung, daß am 17. November eine Kolonne der Sonderbundstruppen den St. Gotthard überquert und eidgenössische Truppen im Tessin bei einem Gefecht bei Airolo in die Flucht geschlagen hatte. Am 22. November begann der Angriff gegen Luzern. Während dieser Auseinandersetzungen achtete Dufour streng auf die Einhaltung humanitärer Grundsätze bei den Kampfhandlungen. Die von von Salis-Soglio befehligten Truppen des Sonderbundes wurden am 23. November bei Gisikon, Meierskappel und Schüpfheim geschlagen, worauf Luzern am 24. November kapitulierte und besetzt wurde. Die übrigen Innerschweizer Kantone des Sonderbunds beschlossen am Tag darauf bei einer Konferenz in Brunnen ebenfalls die Kapitulation; als letzter Kanton ergab sich am 29. November das Wallis. Nach offiziellen Angaben hat der Krieg 150 Menschen das Leben gekostet und rund 400 Verletzte gefordert. Die Verfassungen und Regierungen in den besiegten Kantonen wurden durch die Kriegssieger in liberalem Sinn revidiert. Außerdem mussten die Verlierer die Kriegskosten durch hohe Reparationszahlungen begleichen.
Eine Kollektivnote Österreichs, Preußens, Frankreichs und Russlands vom 18. Januar 1848 erklärte allerdings, daß diese Mächte keine Veränderung der Bundesakte von 1815 zulassen würden, die mit der Souveränität der Kantone in Widerspruch stehe. Die von den Kriegssiegern beherrschte Tagsatzung wies mit Entschiedenheit diese Einmischung zurück. Aufgrund der angespannten innenpolitischen Lage in Frankreich und in Deutschland blieben Konsequenzen aus.
Der Ausgang des Kriegs entschied auch den Sieg der Bundesrevision: Die Tagsatzung beschloss unter Missachtung der Revisionsregeln im geltenden Bundesvertrag nach dem Muster der Vereinigten Staaten die in ihren Grundzügen bis heute bestehende Bundesverfassung: Nach dieser Veränderung bildete die Schweiz anstelle des von den souveränen Kantonen gebildeten losen Staatenbundes einen fester gefügten Bundesstaat ohne Austrittsrecht einzelner Kantone.
Über die neue Verfassung wurde in den meisten Kantonen abgestimmt. Im Kanton Freiburg wurde die Verfassung vom Grossen Rat ratifiziert, da man eine Ablehnung durch das Volk befürchtete. Im Kanton Luzern zählte die liberale Regierung die Nicht-Stimmenden zu den Befürwortern und erzielte so eine Annahme. So kam es zu einem klaren Resultat: Die Tagsatzung stellte fest, dass 15½ Kantone mit 1.897.887 Einwohnern gegen 6½ verwerfende mit 292.371 Einwohnern die neue Verfassung angenommen hatten. Vom zuvor gepflegten Prinzip der Gleichheit der Kantone ging die Tagsatzung neu zum Mehrheitsprinzip über, erklärte die Verfassung am 12. September 1848 als angenommen und löste sich auf. Die erste Bundesversammlung trat am 6. November in Bern, das zum Bundessitz bestimmt wurde, zusammen und wählte den ersten Bundesrat.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sonderbundskrieg
Bild Quelle: http://www.srf.ch/sendungen/die-schweizer/der-bund-im-bund-fuehrt-zum-krieg