Kleinbahn
Pforzheim-Ittersbach
Die Brücke


Die Kleinbahn Pforzheim - Ittersbach, auch
Pforzheimer Kleinbahn genannt, war eine 19 km lange meterspurige
Kleinbahn, die Pforzheim mit Dietlingen, Ellmendingen und
Ittersbach im westlichen Umland Pforzheims verband. Aufgrund ihrer
idyllischen Streckenführung erhielt die Bahn den Beinamen
Panoramabahn.
Geschichte
Entstehung der Bahnstrecke
Die ersten Bestrebungen zum Bau einer Bahn von
Pforzheim in das westliche Umland gab es um 1880. Pfarrer Leutwein
schilderte in den Zeitungen von Dietlingen, Ellmendingen,
Ittersbach und Weiler den mühsamen Weg der Landbevölkerung in die
Stadt Pforzheim und forderte eine Verbesserung des Zustandes. 1888
stellte eine Bahnbaugesellschaft aus Heidelberg einen Antrag auf
die Erteilung einer Konzession für den Bau einer dampfbetriebenen
Straßenbahn von Pforzheim nach Ellmendingen. 1891 versuchte die
Bau- und Betriebsverwaltung Herrmann Bachstein aus Darmstadt diese
Konzession zu erhalten. 1894 bildete sich ein Komitee, um des
Stroms von Pendlern in die rasch wachsende Stadt Herr zu werden.
Zusammen mit einem Komitee, das sich in Karlsruhe gebildet hatte
mit dem Ziel, eine Bahnstrecke von Karlsruhe ins Albtal zu
realisieren, fand man mit der Firma Lenz & Co aus Stettin ein
Unternehmen, das bereit war, eine Bahnstrecke von Karlsruhe über
Ettlingen nach Bad Herrenalb mit Abzweig nach Pforzheim zu
bauen.
Als Teil der Albtalbahn entstand auf diese Weise
die Strecke Ittersbach - Brötzingen (eröffnet am 2. Januar 1900)
und Brötzingen - Pforzheim Leopoldplatz (eröffnet am 2. Juli 1901).
Betreiberin der Strecke war die Badische Lokal-Eisenbahnen AG
(B.L.E.A.G.), die den Verkehr zunächst mit Dampflokomotiven,
zwischen 1911 und 1917 mit elektrischen Fahrzeugen und danach
wieder im Dampfbetrieb abwickelte (siehe Artikel Albtalbahn). 1911
übernahm die Stadt Pforzheim den Streckenabschnitt zwischen
Brötzingen und Leopoldplatz, baute ihn zweigleisig aus und richtete
einen Straßenbahnbetrieb ein. Die Züge der Albtalbahn endeten
fortan in Brötzingen, einige wurden noch bis 1917 von der
Pforzheimer Straßenbahn übernommen und mit Elloks der städtischen
Straßenbahn zum Leopoldplatz weiterbefördert.
Der Verkehr auf der Strecke Pforzheim -
Ittersbach war geprägt vom starken Berufsverkehr morgens und
abends, für den lange Züge eingesetzt werden mussten, während der
Verkehr im weiteren Tagesverlauf gering war. Der Güterverkehr zu
einigen Steinbrüchen im Streckenabschnitt zwischen Ittersbach und
Weiler nahm nach dem Ersten Weltkrieg deutlich ab. Die Strecke ließ
sich nicht mehr kostendeckend betreiben. Da sich die
wirtschaftliche Situation der B.L.E.A.G. immer weiter
verschlechterte, beantragte sie am 8. Juli 1930, die Strecke
Busenbach - Ittersbach - Brötzingen zum 1. September 1930
stillzulegen. Das badische Finanzministerium stimmte einer
Stilllegung zum 2. Januar 1931 zu. Noch bis zum 31. Januar 1931
wurde ein bescheidener Notbetrieb auf Kosten der Anliegergemeinden
durchgeführt, danach endete der Bahnbetrieb.
Übernahme durch die Stadt Pforzheim
Die Bedeutung der Bahnstrecke für den
Berufsverkehr veranlasste die Stadt Pforzheim die Initiative zu
ergreifen, um die Bahnverbindung zwischen Brötzingen und Ittersbach
in städtische Hände zu übernehmen. Am 28. Januar 1931 stimmte der
Bürgerausschuss dem Vorhaben zu. Die Strecke wurde von der
B.L.E.A.G. übernommen, mit 1200 V Gleichstrom elektrifiziert und
dem städtischen Straßenbahnbetrieb als Kleinbahn
Pforzheim-Ittersbach angegliedert. Bereits am 24. Mai 1931 konnte
der Kleinbahnbetrieb mit elektrischen Triebwagen wieder eröffnet
werden.
Durch den Einsatz der elektrischen Triebwagen
konnte die Reisegeschwindigkeit erhöht werden, so dass sich eine
Fahrzeitverkürzung von 15 Minuten zwischen Pforzheim und Ittersbach
auf 49-51 Minuten ergab. Durch Mitbenutzung der Straßenbahngleise
liefen die Züge nun wieder bis zum Leopoldplatz durch. Neben den
schon zu Albtalbahn-Zeiten existierenden Bahnstationen Ittersbach,
Weiler-Ottenhausen, Weiler (Haltepunkt), Ellmendingen, Dietlingen
und Brötzingen wurden weitere Haltepunkte in Feldrennach, an der
Hochmühle (zwischen Ittersbach und Ottenhausen), in Niebelsbach,
Gräfenhausen und Birkenfeld angelegt, die jedoch weit abseits der
Bebauung lagen. Um die Bahn attraktiver zu machen, wurde mindestens
im Zwei-Stunden-Takt gefahren.
Trotz anfänglich steigender Fahrgastzahlen blieb
der Betrieb der Kleinbahn defizitär. Im Jahr 1937 beförderte sie
921 Tausend Fahrgäste, der Güterverkehr war mit jährlichen
Beförderungsraten von weit unter Zehntausend Tonnen Fracht
unbedeutend. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Bahnstrecke zwischen
Brötzingen und Ittersbach weitgehend unversehrt, während durch die
starke Zerstörung der Stadt Pforzheim der Betrieb zwischen
Brötzingen und Leopoldplatz bis 1948 ruhte. Durch Hamsterfahrten
und den Umzug ausgebombter Bewohner Pforzheims in die Vororte
stiegen die Fahrgastzahlen in den ersten Nachkriegsjahren auf über
1,1 Millionen an.
Stilllegung
Anfang der 1950er Jahre befand sich die Strecke
in einem so maroden Zustand, dass sich die Frage nach einer
Stilllegung stellte, zumal sich das jährliche Betriebsdefizit auf
ca. 150 Tausend Mark bezifferte. Mit Hilfe eines Zuschusses des
Landes Baden-Württemberg war es möglich, die dringend notwendigen
Gleiserneuerungen durchzuführen und die bereits beschlossene
Stilllegung abzuwenden - noch war die Bedeutung der Bahn für den
Berufsverkehr zu groß, als dass eine Stilllegung politisch zu
vertreten gewesen wäre.
Doch trotz der 1954 begonnenen Sanierung der
Strecke hatte die Kleinbahn der Konkurrenz des Privat-PKW und des
Omnibus nichts entgegenzusetzen. Ab Mitte der 1950er Jahre sanken
die Fahrgastzahlen kontinuierlich auf zuletzt 550 Tausend im Jahr
1967 und das Betriebsdefizit stieg an. Nach der Stilllegung der
Pforzheimer Straßenbahn am 10. Oktober 1964 verkehrten nur noch die
wenigen Kleinbahnzüge auf den Pforzheimer Straßenbahngleisen
zwischen Leopoldplatz und Brötzingen. Wegen zu geringer
Fahrgastzahlen und zu hohem Betriebsdefizit von jährlich ca. 400
Tausend Mark beschloss die Stadt Pforzheim 1967 die Stilllegung des
Kleinbahnbetriebs zum 3. August 1968. Ein im Sommer 1968 über das
Alb-Pfinz-Plateau hinwegfegender Tornado sorgte am 10. Juli 1968
für ein vorzeitiges Ende der Bahn, da er die Strecke zwischen
Brötzingen und Dietlingen zerstörte. Dennoch verkehrte am 3. August
ein offizieller Abschiedszug auf zwei nicht zerstörten
Abschnitten.
Fahrzeuge
Die vor 1931 eingesetzten Fahrzeuge sind im
Artikel zur Albtalbahn näher beschrieben. Für den Betrieb der
Kleinbahn beschaffte die Stadt Pforzheim von der Waggonfabrik
Rastatt fünf vierachsige Triebwagen mit 4x50 kW Leistung, die in
der Lage waren bis zu fünf Beiwagen zu ziehen. Vier zweiachsige
Beiwagen wurden von der Waggonfabrik Fuchs neu beschafft, 11
Beiwagen aus dem Fahrzeugpark der Pforzheimer Straßenbahn
übernommen. 1938 kam ein selbstgebauter vierachsiger Beiwagen
hinzu. Im Zuge der Modernisierung erhielt die Kleinbahn 1956 von
der Waggonfabrik Rastatt einen sechsten vierachsigen Triebwagen
sowie vier passende vierachsige Beiwagen. Für den Güterverkehr
hatte die Kleinbahn 1931 eine kleine Anzahl Güterwagen von der
B.L.E.A.G. übernommen.
Nach Stilllegung der Kleinbahn konnten einige
Fahrzeuge an andere Bahnen (z.B. an die Bern-Worber Überlandbahnen,
heute Regionalverkehr Bern-Solothurn RBS) verkauft werden, der Rest
wurde verschrottet. Ein Teil der Fahrzeuge konnte museal erhalten
werden.
Ausblick
Durch den Erfolg des Stadtbahnbetriebs im
Großraum Karlsruhe hat die Diskussion um einen Wiederaufbau der
Kleinbahn Pforzheim-Ittersbach in den letzten Jahren Auftrieb
erhalten, zumal durch die Suburbanisierungsprozesse der letzten
Jahrzehnte die Ortschaften im westlichen Umland Pforzheims
gewachsen sind und damit auch die Verkehrsnachfrage zugenommen hat.
Inzwischen wurden die Überlegung dahingehend konkretisiert, nicht
die alte Kleinbahnstrecke wieder aufleben zu lassen, sondern eine
südöstlichere Führung von Ittersbach über Straubenhardt und
Neuenbürg nach Birkenfeld zu wählen, wo die Stadtbahn in die
Enztalbahn einmünden könnte. Eine Machbarkeitsstudie erbrachte die
prinzipielle Umsetzbarkeit, allerdings wird mit einer
Realisierungszeit von mindestens 15 bis 20 Jahren gerechnet. Eine
vor kurzem veröffentlichte standardisierten Bewertung hat dem
Projekt in Zeiten knapper Kassen allerdings die Wirtschaftlichkeit
und damit auch Fördermittel von Bund und Land abgesprochen.
Quelle: wikipedia.org