Um auf den
Spuren von Marquard Jacob Humpis zu wandeln und die ca. 3,5 km zu
bewältigen bedarf es an reiner Gehzeit ungefähr eine Stunde. Wie
lange es allerdings dauert den Gedanken des Herrn Humpis an den
einzelnen Stationen zu folgen variiert natürlich je nach Wissen und
Spürsinn, sollte aber nicht länger als eine weitere Stunde
dauern.
Die Wege waren
zu Zeiten von derer Humpis bereits kutschentauglich und sind es
auch heute noch, wenn gleich nicht alles geteert ist und es nach
einem Regenguß hier und da etwas matschig sein kann. Hier ein
Auszug aus der Chronik von Brochenzell um zu verstehen worum es
eigentlich geht:
Brochenzell
wurde erstmals im Jahre 861 unter dem Namen Eigileswilare
urkundlich erwähnt. Laut dieser Urkunde erhielt das Kloster
St. Gallen die Kirche und einen Hof mit den übrigen Gebäuden.
Im Jahre 1274 befand sich Brochenzell in den Händen der
Grafen von Heiligenberg. 1277 kam Brochenzell gemeinsam mit
dem gesamten Linzgau von Berthold von Heiligenberg in den
Besitz seines Oheim Graf Hugo von Werdenberg. Bereits zu
dieser Zeit wurde in Brochenzell eine stattliche Burg
erwähnt.

1401
begann eine eigenständige Entwicklung der Herrschaft
Brochenzell, zu der neben dem namensgebenden Hauptort acht
weitere Wohnplätze zählten. Die Herrschaft gelangte von den
Werdenbergern zunächst an den Konstanzer Bürger Konrad Ruh,
dann an Hans von Hewen und schließlich an die Grafen von
Montfort.
Im Jahre 1447 verkaufte Hugo von Montfort wegen finanzieller
Schwierigkeiten die Herrschaft „mit Leuten, Gerichten, Gütern,
Zwing und Bann, Obrigkeiten, Boten und Verboten und aller Zugehör“
an die reichen Ravensburger Handelsherren Itel Humpis d. Ä. und
dessen Vetter Jos Humpis d. J. Die Humpis errichteten an der Stelle
der alten Wasserburg ein Schloss mit einem typischen runden
Eckturm. Im Bogen der Eingangstüre ist heute noch die Jahreszahl
der Entstehung eingemeißelt.

Durch
Handel und Übernahme von Amtsgeschäften kamen die Humpis zu
beachtlichem Ansehen und Wohlstand. Sie waren Mitbegründer
der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft. Doch der
dreißigjährige Krieg ging auch an den Humpis nicht spurlos
vorüber. Sie gerieten immer mehr in Schulden und so war
schließlich Marquard Jacob Humpis gezwungen, sein Rittergut
Brochenzell 1721 an das Kloster Weingarten zu verkaufen.
Durch die Zahlung von 34500 Gulden war nun Reichsprälat Abt
Sebastian Hyller von Weingarten Herrscher über Brochenzell.
1748 wird das Schloss renoviert und als Amtshaus
ausgebaut.
Durch die Säkularisation wurde das Kloster Weingarten aufgehoben
und somit endete 1803 die Herrschaft der Kirchenfürsten und ging an
den Grafen Nassau-Oranien. Ein Jahr später kam Brochenzell zu
Österreich und 1805 an die Krone Württemberg. Brochenzell zählte in
württembergischer Zeit zur Schultheißerei (eigener
Verwaltungs- und Gerichtsbezirk), die 1810 im Humpisschloss
eingerichtet wurde. Nach Verlegung der Ortsverwaltung im Jahr 1823
nach Ettenkirch verlor das Schloss seine herrschaftliche
Bedeutung.
Allerdings ging
die Geschichte die sich um die 34500 Gulden rankt nicht verloren.
Und so heißt es, dass Marquard Jacob Humpis nach dem seine Schulden
getilgt waren den verbliebenen Teil in irdische Güter investierte
und diese versteckte. Sein Plan soll es gewesen sein, dass nur
diejenigen, die an der Geschichte des Schlosses interessiert sind
in den Besitz seiner Güter kommen sollten.
Es ist daher
angeraten die Historie des Schlosses allgegenwärtig zu haben und
sich für die Art und Bedeutung von Verwandtschaftsverhältnissen aus
jener Zeit zu interessieren. Hilfreich dürfte auch die
Gründungsurkunde sein, die von Marquard auch als Schlüssel zum
Glück bezeichnet wurde und sich bei N 47° 42.220' E 9°
32.950' befindet.
Eine Abschrift (sowie an den anderen Stationen auch)
darf gerne mitgenommen werden. Sollten die Abschriften zur Neige
gehen wäre eine Nachricht nett. Danke!
Übrigens
pflegten die Herrschaften ihre Rösser und Kutschen bei N 47°
42.225' E 9° 32.965' zu belassen wenn sie das
Schloss besuchten, welches auch heute noch wegen der
Gastfreundlichkeit und guten Küche wohl bekannt ist.