Der letzte Wolf in der Pfalz wurde 1908
erlegt,
seitdem ist er hier bei uns ausgerottet und nur noch in Wildparks
zu sehen.
Als sogenannte Schutzmaßnahme, um Wölfe von freigehaltenen
Haustieren fernzuhalten,
wurden früher solche Wolfsgruben angelegt.
Schon in den ersten
Lebensjahren lernen die Menschen den Wolf als ein böses,
unheimliches und hinterlistiges Wesen kennen, das sogar Menschen
frisst wie die alte kranke Großmutter und das liebe kleine
Rotkäppchen. Wenn die Kinder heranwachsen sind, lesen sie
Erzählungen und Romane, in denen hungrige Wolfsrudel selbst vor
vollbesetzten Pferdekutschen nicht halt machen (z. B. Selma
Lagerlöf: Gösta Berling) und die Menschen um ihr Leben kämpfen
müssen. Immer wieder hörte man von Wölfen, die vor allem in
Sibirien nicht nur dem Vieh nachstellen, sondern auch wehrlose
Menschen angreifen. Seit jeher haben deshalb die Jäger alle
Anstrengungen unternommen, um dieses "Untier" aus der Welt zu
schaffen. In Deutschland ist ihnen das mit nachhaltigem Erfolg
gelungen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist niemand mehr einem
Wolf in einem der deutschen Wälder begegnet. Der Wolf wurde
regelrecht ausgerottet. Mehr als eine Million in Europa, davon über
zehntausend in Rheinland-Pfalz wurden seit dem Mittelalter zur
Strecke gebracht.
In Wahrheit ist der Wolf ein scheues Wildtier, intelligent und mit
ausgeprägtem Familiensinn. Das Elternpaar kümmert sich liebevoll um
die Jungen. Der Wolf ist ja auch der Vorfahre des ältesten und
treuesten Haustiers: des Hundes. Zwar machen Wölfe auch Jagd auf
Beutetiere, wie Rehe und Hasen und vergreifen sich auch schon mal
an Nutztieren wie Hühnern und Schafen, doch ist kein Fall bekannt,
wo Wölfe Menschen angegriffen oder gar gefressen hätten. Nutzvieh
kann man schützen durch feste Ställe, Zäune und
Herdenschutzhunde.
Im Sommer 2000 wurde in der Lausitz, an der polnischen Grenze, ein
erstes Rudel von sechs Wölfen gesichtet. Die Wolfsforscherin Gesa
Kluth verfolgt ihre Spur und wartet darauf, ob und in welchem Maße
sie sich vermehren. Dank gezielter Informationen gibt es kaum
Probleme mit den Menschen. Wo Schäden an Vieh durch Wölfe
entstanden, wurden sie vom Land Sachsen ersetzt.
Auch in anderen europäischen Ländern, in Polen, Russland, Finnland,
Schweden, Portugal, Italien und Spanien leben Wölfe friedlich in
unmittelbarer Nähe zu Menschen. Forschungsprojekte laufen u. a. in
Rumänien und Kanada.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass eines Tages auch im Pfälzer Wald
wieder Wölfe leben, wenn nicht immer mehr Straßen gebaut werden,
wie der Wolfsverhaltensforscher Günther Bloch aus Bad Münstereifel
meint. Bis dahin müssen wir uns mit dem Anblick von Wölfen in
Wildgehegen begnügen, z. B. im Wildpark
Silz.
