Der Nikolaiberg in Wartenberg
Am Gipfel des Nikolaiberges in Wartenberg öffnet sich ein
umfassender Blick auf die Wälder und Höhen im Osten, auf die
Ortschaft Wartenberg und die weite fruchtbare Ebene im Westen. Hier
stand einst eine alte Grafen- und Herzogsburg. Diese "Warte", die
dem Ort den Namen gab, ist vielleicht schon in frühgeschichtlicher
Zeit entstanden. Große Bedeutung erlangte sie, als der Berg 1116 in
den Besitz der Grafen von Wittelsbach kam. Otto V.v.W. baute die
Burg zu einer Befestigung aus und wohnte zeitweilig hier. An die
Burg erinnert nur ein 1855 zur 700- Wiederkehr der Befreiung Kaiser
Friedrich Barbarossas in der Etschklause durch Otto von
Wittelsbach-Wartenberg errichteter Gedenkstein.
Heute steht hier die Kapelle St. Nikolai. Die Baugeschichte der
Kapelle ist rätselhaft, es fehlen schriftliche Nachrichten. Dem
Baustil nach ist die Kapelle in der Übergangszeit von der Romanik
(Zahnschnitt, Rundbogen) zur Gotik (Spitzbogen am Turm und im
Inneren) um 1230/50 zu datieren. Der Kapelle fehlen die typischen
Merkmale einer mittelalterlichen Burgkapelle (Sitz für den
Burgherrn, bauliche Verbindung zu den anderen Gebäudeteilen). Sie
ist nicht die erste Kapelle an dieser Stelle; Fundamente eines
Kultraums aus der Bauzeit der Burg im 12. Jh. konnten 1979/80
ergraben werden. Der einfache rechteckige Saalbau erhielt eine
Apsis und im Westen einen quadratischen Turm. Er weist in zwei
Geschossen die in dieser Gegend (Moosburg) übliche
Blendbogengliederung auf. Der achteckige Spitzhelm ist mit Kupfer
gedeckt. Die Rundfenster der Kirche und die Flachdecke im Innern
stammen von einer barocken Veränderung. Über dem Portal auf der
Südseite ist ein steinernes Tympanon eingemauert. Es zeigt im
Flachrelief rechts einen Löwen mit erhobener Pranke, in der Mitte
einen Baum und links einen Basilisken, ein drachenähnliches
Fabeltier. Löwe und Basilisk sollen am romanischen Kirchenbau
Unheil und Dämonen abwehren. Der Baum in der Mitte kann nach dem
mittelalterlichen Lehrbuch "Physiologus" als Lebensbaum, ein Symbol
der Kirche, die von den Mächten des Bösen angegriffen wird,
gedeutet werden. Der rundbogige Tympanon ist auffällig isoliert von
dem spitzbogigen Portal. Es ist vielleicht als ehrwürdiges
Bruchstück von dem alten Bau der eigentlichen Burgkapelle des 12.
Jh. Hierher übernommen worden. Das Innere der Kirche enthält in
einem neugotischen Altar die spätgotische Figur des Kirchenpatrons
St. Nikolaus, um 1520. Mittelalterliche Wandbilde (Christus thront
mit Heiligen) wurden in der Apsis teilweise freigelegt.
Zum Aufstieg auf den Nikolaiberg gibt es mehrere Möglichkeiten aus
verschiedenen Richtungen. Einer davon ist der im Jahr 2005
renovierte Kreuzweg. Der Kreuzweg ist nicht nur Kreuzweg, sondern
Kalvarienberg (wie z.B. in Bad Tölz), wenn auch mit kleinen
Fehlern. So müsste das Kreuz über dem heiligen Grab in
Blickrichtung Marktplatz stehen. Auch die Kreuze der beiden
Schächer fehlen.
Die Wartenberger wünschen euch viel Spass beim ersten
Wartenberger Dösle