
Die Kelterei in Mauthausen im Winter 1950 |
Als 1989 die Keltereigenossenschaft Mauthausen
ihren Betrieb einstellte, schien es so, als sei wieder ein Stück
bäuerlicher Tradition für immer verlorengegangen. 65 Jahre lang
wurden in dem am Berghang gelegenen Haus an der Reichenhaller
Straße Obst und Beeren-früchte aus der Umgebung verwertet und Most,
hochwertige Fruchtsäfte und Beerenweine erzeugt.
Was 1924 als kleiner Betrieb aus dem
Zusammenschluss mehrerer Bauern entstanden war, hatte sich über die
Jahre zu einer festen Einrichtung im Landkreis entwickelt, die
besonders in der Nachkriegszeit durch den Einsatz modernster
Maschinen und Geräte zu einer zukunftsorientierten und
erfolgreichen Produktionsstätte wurde.
Doch veränderte Marktlagen und ein geändertes
Konsumverhalten - gefragt waren auf einmal mehr exotische Produkte
- ließen das Verbraucherinteresse an heimischen Fruchtsäften und
Obstweinen schlagartig zurückgehen. Billigprodukte überschwemmten
den Markt, und darüber hinaus war die Zulieferung über die jetzt
dicht befahrene Bundesstraße zu einem Verkehrsproblem geworden, und
so kam das Aus für den Traditionsbetrieb. Die gewohnten Flaschen
mit den Mauthausener Fruchtsäften wurden im Angebot der
Lebensmittelhändler bald vermisst, doch mehr Sorgen machten sich
die Bauern und Obst- und Beerengartenbesitzer: |

Christian Stadler bei der Arbeit in der Kelterei
Mauthausen. |
Was sollte nun mit den Ernten geschehen? Ein
Teil ließ sich zwar für den Eigengebrauch verwerten, ein anderer
Teil ließ sich noch als Frisch- und Lagerobst vermarkten, doch für
den Rest gab es nur die Alternative:
am Strauch oder am Boden verfaulen lassen oder die Bäume abhacken -
beides schlechte Lösungen.
So traten immer mehr Leute an Christian Stadler
heran mit der Bitte, die Verwertung eines Teils der Obst- und
Beerenernten in einer Art Lohnkelterei wieder aufzunehmen.
Christian Stadler, von Hauptberuf Mesner in
unserer Pfarrei, hatte schon von Jugend an in der
Keltereigenossenschaft mitgearbeitet, selbst sein Vater war dort
schon tätig gewesen, und er hatte das Fachwissen dazu, die
Verarbeitung, zunächst im privaten Rahmen, weiterzuführen.
Nach reiflicher Überlegung ging Christian
Stadler darauf ein und richtete sich in der Garage und in
Kellerräumen seines Hofs am Högl eine kleine Produktionsstätte ein,
die den Ansprüchen genügen würde. Doch von da an ging die
Entwicklung rasant weiter, nicht nur, dass sich herumgesprochen
hatte, dass die Obst- und Fruchtverwertung wieder möglich war,
sondern die Nachfrage nach unverfälschten
Naturprodukten hatte zu Beginn der 90er Jahre
schlagartig zugenommen, das Konsumverhalten hatte sich geändert:
man war bereit, für gesunde Nahrungs- und Genussmittel mehr zu
zahlen, und so wurden naturbelassene Fruchtsäfte und Obst- und
Beerenweine zu wieder begehrten Artikeln und gegenüber den
Massenprodukten der Großbetriebe konkurrenzfähig. |

Die neue Abfüllanlage der Kelterei Stadler. |
Um die Zukunft der so entstandenen
Spezialitäten-Kelterei Stadler am Högl muss man
sich nicht Sorgen machen, wenn der Bedarf an naturbelassenen
Lebensmitteln aus unserer Region für unsere Region so anhält wie
bisher.
Im Zuge der Agenda 21 wird die heimische
Produktion von Obst durch die Anlage neuer Streuobstwiesen
gefördert - doch gut Ding muss auch Weile haben:
Es dauert etwa 15 Jahre, bis die Bäume ausreichend Früchte
tragen. Doch solche Investitionen in die Zukunft lohnen sich,
besonders im Interesse der Kinder, die auch später noch
naturbelassenen Obst-und Fruchtsäfte zum Genuss und für die
Gesundheit zur Verfügung haben sollen. Auch bei
Stadlers wird an die Zukunft gedacht:
Michael Stadler, einer der beiden Söhne macht -
als gelernter Brauer - den Abschluss eines
Industriemeisters der Fachrichtung
Fruchtsaftherstellung. Die technischen Anlagen sind auf dem
neuesten Stand, und die Produktpalette wird ständig erweitert.
Ob der Hof für den Betrieb zu klein wird? Man denkt vernünftig
und in kleinen Schritten. Die nächste Zeit wird's sicher so
bleiben, im familiären Rahmen. Die Kelterei Stadler in
Piding am Högl behält das Prinzip bei, dass der gesamte
Produktionsprozess, sowohl die Verwertung der Früchte als auch die
Abfüllung an einem Ort beisammenbleibt, damit die Qualität der
Produkte jederzeit kontrollierbar ist.
Das Haus und der Betrieb stehen allen Besuchern
offen. Und ganz besonders zu empfehlen ist der Besuch im Laden am
Hof der Familie Stadler, landschaftlich
wunderschön gelegen am Högl, etwas unterhalb des Ortsteils
Kleinhögl. Die Wanderwege führen dort vorbei. Und
man kann dort jederzeit einkaufen, solang im Haus Licht brennt -
und unter den hochwertigen Produkten findet sich sicher für jeden
etwas - auch als verspätetes Weihnachtsgeschenk.
(veröffentlicht im Gemeinde Report Piding
2002) |