Uf'm
Kreuz
In alten Zeiten gingen allabendlich junge Burschen und Mädchen aus
Mittelsinn nach Aura, um sich dort zu vergnügen. Auf ihrem Weg
kamen sie auch an einem Steinkreuz vorbei, das man auf der höchsten
Stelle des Pfades errichtet hatte.
Immer wieder ermahnten die Alten der beiden Dörfer die jungen Leute
eindringlich, nicht zu spät nach Hause zu gehen. Denn in der Nähe
des Kreuzes sei nach Mitternacht schon mehrmals ein ungewöhnlich
großer Bock gesehen worden. Lachend schlugen sie aber alle guten
Ratschläge in den Wind und gingen wie ehedem abends nach
Aura.
Eines Tages vergnügten sie sich besonders ausgelassen, und es wurde
sehr spät, bis sie sich auf den Rückweg machten. Als sie am Kreuz
vorbeikamen, vernahmen sie ein Rascheln, und da sprang auch schon
ein riesiger Bock aus dem Gebüsch hervor. Er spießte eines der
Mädchen auf seine Hörner und rannte blitzschnell davon, ohne dass
ihre Begleiter eingreifen und es verhindern konnten. Mehrere Tage
lang suchten die Bewohner der beiden Orte nach der Verschwundenen,
doch sie wurde nie wieder gesehen. Wegen der feurigen Augen und der
schwarzen Hörner, die das Ungeheuer hatte, glaubten die Leute, der
Teufel sei in Gestalt dieses Bockes erschienen und habe das Mädchen
geholt.
Noch lange nach diesem Vorfall mieden die Leute der Umgebung den
Weg über das Auraer Kreuz zu nächtlicher Stunde.
Das Auraer Kreuz, an der Ortsverbindungsstraße zwischen den
Gemeinden Aura und Mittelsinn ist denkmalgeschützt. Es stammt aus
dem Jahre 1863 und lädt insbesondere Wanderer auch noch heute zum
Verweilen ein. Man hat einen ganz tollen Blick in beide Täler. Bei
klarem Wetter kann man sogar die Wasserkuppe sehen. Wer dieses
Wegekreuz aus welchem Anlass errichtet hat, haben wir trotz
umfangreicher Recherche nicht erfahren
können.
Ein kleiner Drive-In mit grandioser
Aussicht.