Der EBV -Grube Gouley in
Würselen (6)
Die Grube wurde 1599 zum ersten Mal im Aachener
Kohlwerksregister erwähnt. Eingetragen war sie damals als "Gute
Ley", was soviel wie guter Fels bedeutet. 1807 wurde sie unter der
französischen Herrschaft im Rheinland als "Gouley" neu
konzessioniert.
1817 wurde die Grube durch den Fabrikanten
Gerard Demet aus Lüttich gekauft, der die Grube modernisierte. 1819
ließ er die alte Wasserhaltung ("Roßkunst") durch eine
Dampfmaschine ersetzen und die vorhandenen Schächte weiter
abteufen. Damit wurde die Grube wieder produktiver und konnte sich
1843 mit rund 50.000 Tonnen geförderter Steinkohle an die Spitze
aller Gruben des Wurmreviers setzen.
1834 kam es in der Nacht vom 25. auf den 26.
Januar zu einem schweren Grubenunglück. Wassermassen aus höher
gelegenen, ausgekohlten Grubenbauen haben sich aufgrund des hohen
Wasserdrucks in tiefere, in Betrieb stehende Baue gedrückt. Von den
zu dieser Zeit im betroffenen Bereich beschäftigten 74 Bergleuten
konnten sich nur jene elf Anschläger und Pferdetreiber retten, die
gerade in der Nähe des Schachtes beschäftigt waren. Nach
mehrtägigen Rettungsversuchen wurde diese aber am 6. Februar
erfolglos eingestellt. Die große Zahl der Verunglückten führte zu
einer hohen Spendenbereitschaft im gesamten Reich. Selbst Friedrich
Wilhelm III. und seine Söhne spendeten insgesamt 1100 Taler. Aus
den gesamten Spenden wurden für die betroffenen Familien Renten
generiert, die über 12 Jahre hinweg gezahlt wurden. Letzte
Spendenmittel wurden noch 1858 an besonders hart Betroffene
ausgezahlt. Das Grubenunglück gab den letztendlichen Anstoß zur
Gründung eines organisierten Knappschaftswesens im Wurmrevier, wenn
gleich der preußische Finanzminister Albrecht Graf von Alvensleben
erst am 17. Mai 1839 die "Knappschafts-Ordnung für die
gewerkschaftlichen Steinkohlegruben im Worm-Revier" erließ.
1858 übernahm die Vereinigungsgesellschaft für
Steinkohlenbergbau im Wurmrevier die Grube und baute 1860 ein neues
Kesselhaus. 1875 erhielt Gouley Eisenbahnanschluss vom Bahnhof
Würselen der Aachener Industriebahn, die unter Beteiligung der
Vereinigungsgesellschaft zur Erschließung der Gruben und
Industriebetriebe des Aachener Reviers gegründet worden war. 1892
wurde unter Verwendung der Anschlussbahn die Strecke Würselen -
Kohlscheid durch die Preußische Staatseisenbahn in Betrieb
genommen, die die Industriebahn 1887 übernommen hatte. Damit konnte
die Kohle von Gouley zur Brikettfabrik nach Kohlscheid gefahren
werden.
Im Laufe des Jahres 1897 legte die
Vereinigungsgesellschaft eine Nutzwasserleitung von der Groube
Gouley zur Schachtanlage Gemeinschaft an. Auf Kosten der
Gesellschaft wurde eine Abzweigung durch verschiedene Straßen von
Bardenberg verlegt. Die Gemeinde Bardenberg richtete an diesem
Abzweig auf eigene Kosten sieben Zapfstellen zur Wasserversorgung
der Bevölkerung ein.
1899 wurde ein neuer Förderschacht abgeteuft,
welcher später nach dem langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden
Robert Oskar Julius von Görschen "von Görschen-Schacht" benannt
wurde. 1907 übernahm der Eschweiler Bergwerksverein (EBV) die
Vereinigungsgesellschaft und damit auch Gouley. 1914 waren über
2.000 Bergleute auf Gouley beschäftigt. Nach Ende des 1. Weltkriegs
musste die Förderung zeitweise eingestellt werden, nachdem der Raum
Aachen durch belgische und französische Truppen besetzt worden
war.
Im 2. Weltkrieg wurden auch auf Gouley
Zwangsarbeiter eingesetzt, die die durch Einberufungen entstandenen
Lücken auffüllen mussten. Durch die Kämpfe im Raum Aachen wurden
die oberirdischen Grubenanlagen schwer beschädigt, da Gouley
längere Zeit in der Hauptkampflinie gelegen hatte. Stromausfälle
sorgten auch untertage für Beschädigungen. Die Stromversorgung von
Gouley konnte nur über ein provisorisches Kabel, das untertage zur
benachbarten Grube Laurweg verlegt worden war, aufrechterhalten
werden.
1950 wurde Gouley mit Laurweg über einen
Blindschacht verbunden, beide Bergwerke wurden zum Verbundbergwerk
Gouley-Laurweg vereinigt. Dies bot sich an, da beide Gruben
ausschließlich Anthrazit für den Hausbrand förderten und die
Laurweg-Anlagen weitgehend veraltet waren. Bis 1955 wurde noch
parallel auf Laurweg gefördert, danach erfolgte die Förderung
ausschließlich in Würselen. Um die größere Fördermenge zu
bewältigen, musste auf Gouley die Kohlenwäsche umgebaut, der
Füllort am "Von-Goerschen-Schacht" erweitert und der Grubenbahnhof
ausgebaut werden. Bis 1960 wurde Laurweg noch zur Material- und
Personalfahrt genutzt, ab diesem Jahr konnte die komplette
Belegschaft dank Fertigstellung einer neuen Waschkaue auf Gouley
einfahren. Im gleichen Jahr wurde ein neuer, fast 70 m hoher
Betonförderturm über dem "Von-Goerschen-Schacht" fertig gestellt.
Aufgrund der Notwendigkeit, parallel dazu das alte Stahlgerüst
während des Baus zur Seilfahrt nützen zu können, entstand ein
ungewöhnlicher, quasi auf Stelzen stehender Turm. Ebenfalls 1960
kamen durch einen Strebbruch sechs Bergleute der inzwischen 3.200
Mann umfassenden Belegschaft ums Leben. Die Tagesleistung von
Gouley lag inzwischen bei 3.000 Tonnen.
Der ständige Rückgang der Nachfrage aufgrund der
Umstellung von Heizungen auf Öl oder Gas führte zu Absatzproblemen
der Gouley-Kohle. Dennoch wurde 1964 eine neue Sohle auf 850 m
eingerichtet und der Förderschacht entsprechend weitergeteuft.
Schon ab 1967 wurde allerdings dann die Fördermenge stetig
reduziert und die Grube schließlich am 31. März 1969 stillgelegt.
Die Schächte und Grubenbaue wurden noch einige Jahre zur
Wasserhaltung der benachbarten Gruben im Wurmrevier und in den
Niederlanden benötigt.
Infos zum
Cache
Der Cache ist ein Tradi der
Größe "micro".
Aufgrund der hohen Cache-Dichte im Gebiet rund
um die alte Mühle an der Wurm, habe ich diesen Cache leider an eine
weniger interessante Stelle gelegt.
Ein schöner Cache zur Grube Gouley wurde von
"Mr. Schwertfisch" ausgelegt. Den Cache "Grube Gouley" findet ihr
hier.
Alle Caches dieser Serie:
Der EBV - Grube Adolf in Merkstein
(1)
Der EBV - Grube Anna in Alsdorf (2)
Der EBV - Grube Carl-Alexander in Baesweiler
(3)
Der EBV - Grube Carolus Magnus in Übach-Palenberg
(4)
Der EBV - Grube Emil Mayrisch in Siersdorf
(5)
Der EBV - Grube Gouley in Würselen
(6)
Der EBV - Grube Maria in Mariadorf
(7)