Lost Place: Artillery Kaserne Neckarsulm
Im Jahr 1936 wurde Neckarsulm
Garnisonsstadt. Auf den Straßenäckern Richtung Erlenbach-Binswangen
wurden 5 Kasernengebäude errichtet, eine Infanterieeinheit zog ein.
Während des Krieges war diese Ausbildungsstätte für den Nachschub
an „Menschenmaterial“. Durch diese Kaserne und das Vorhandensein
von strategisch wichtiger Kriegsindustrie, wie die NSU Motorenwerke
AG (heute AUDI AG) war Neckarsulm am 1. März 1945 Ziel eines
amerikanischen Bombenangriffs. Na ja, die Kaserne und die NSU
wurden nicht/kaum getroffen, dafür aber die mittelalterliche
Kernstadt.
Ihr fragt: Welche
mittelalterliche Kernstadt? – Eben. Treffer!
Nach dem Krieg zogen in die
Kasernengebäude an der Binswanger Straße die Amerikaner ein und
waren dort bis 1991. Ich selbst bin in der Binswanger Straße 110
aufgewachsen und habe die Soldaten morgens beim Frühsport gesehen,
aber auch beim Wache schieben. Angesiedelt war eine
Artillerie-Einheit plus Wachsoldaten.
Der am 12. Dezember 1979
gefasste NATO-Doppelbeschluss und die gescheiterten
Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion brachte es mit sich,
dass der Deutsche Bundestag der Stationierung von Pershing
II-Mittelstreckenraketen (MRBM)
zustimmte. Ab 1983 wurden diese Teufelswaffen bei “mir” in der
Straße eingeführt.
Stationiert waren die
Raketen wie folgt:
·
Bei
Inneringen (Spitzname „Fort Blackjack“), etwa 13 km
nördlich von Sigmaringen bei
48° 10' 39" N,
9° 17' 17" O, für das in
Schwäbisch Gmünd stationierte
1st Battalion 41st Field Artillery
Regiment.
·
Die Lehmgrube
(Spitzname „Von Steuben“) bei
Kettershausen, etwa 9 km östlich von
Illertissen bei
48° 12' 34" N,
10° 14' 36" O, für das in
Neu-Ulm stationierte
1st Battalion 81st Field Artillery
Regiment.
·
Auf der
Waldheide (Spitzname „Camp Redleg“), am
östlichen Stadtrand von
Heilbronn bei
49° 7' 44" N,
9° 16' 30" O, für das in Heilbronn und
Neckarsulm stationierte
3rd Battalion 84th Field Artillery
Regiment.
·
Bei
48° 48' 54" N,
9° 48' 22" O auf der
Mutlanger Heide am Ortsrand von
Mutlangen nördlich von Schwäbisch Gmünd
befand sich ein Pershing-II-Depot (MSA, Missile Storage Area), das
durch die Proteste und Blockaden der
Friedensbewegung bekannt
wurde.
Auf der Heilbronner Waldheide
ging es auch einmal schief, eine Rakete ohne Atomsprengkopf
explodierte und riss einige Amerikaner in den Tod.
Das Gegenstück der Sowjetunion,
die SS-20 zielte dafür auch noch auf mich/euch. Nach dem Ende des
Kalten Krieges und der Deutschen Wiedervereinigung wurden diese
Dinger dann endlich verschrottet – uff, geschafft...
Wer wissen möchte, wo in
Neckarsulm zeitweise auch Raketen versteckt waren: Siehe Cache
Bunkerwald 10 (GC13925) von F-U-Z-Y.
Was nun?
Verwendung fanden die Gebäude
als:
·
Asylunterkünfte
·
Sozialwohnungen
·
Turnhalle: SV
Neckarsulm Abteilung Boxen
Aber dann...
Abriss und Ansiedlung der
Hauptverwaltung von Lidl, der Lidl Stiftung & Co. KG, (meinem
Arbeitgeber).
Was kann es Besseres geben, als
Kasernen, die für den Krieg gebaut wurden, niederzureißen, um sie
durch sichere Arbeitsplätze zu ersetzten?!
Das nenne ich echt: Schwerter
zu Pflugscharen!
Solltet ihr bei der Suche nach dem
Cache freundlich angelacht werden, dann lacht zurück, es könnte der
Cacheowner sein! Trotzdem herrscht hier reger Muggel-Verkehr und an
den Wochenenden und Nächten geht ein Wachdienst um. Bitte an den
angegebenen Koords parken und die paar Meter laufen. Danke.
Viel Spaß beim suchen wünscht
euer
sulm.de
SULMANA MIHI PATRIA
EST