Kloster
Bebenhausen
Kloster
Bebenhausen wurde vermutlich
um 1183/84 durch Pfalzgraf Rudolph von Tübingen gegründet. In einer
Urkunde
Herzog Friedrichs von Schwaben aus dem Jahr 1187, die dem
Kloster
Nutzungsrechte im Schönbuch verleiht, findet es seine erste
schriftliche Erwähnung.
Zunächst wählte Rudolph von Tübingen den Prämonstratenserorden zum
Bezug Kloster
Bebenhausens aus, dessen Regularien eine weltliche Familiengrablege
der
Pfalzgrafen erlaubt hätten. Doch schon vor 1191 verließen die
Mönche
Bebenhausen wieder, ohne bestimmten Grund. Im Jahr 1190 übernahmen
die
Zisterzienser das Kloster. Der Bau der Klosteranlage im ausgehenden
12. und
beginnenden 13. Jahrhundert mit Kirche, Kreuzgang und den
anschließenden
Gebäuden folgte den Maßstäben der zisterziensischen Architektur,
die
Selbstbeschränkung, Zurückhaltung , Verzicht und Askese
vorschrieben.
Bebenhausen entwickelt sich zu einem blühenden Kloster, das zu den
reichsten in
Württemberg gehören wird.
Kirche:
Die Klosterkirche wurde als erstes Gebäude begonnen:
eine schlichte flachgedeckte Pfeilerbasilika mit vier am Querhaus
angefügten
Nebenkapellen und gerade geschlossenem Chor. Sie wurde 1228 der
Ordenspatronin
Maria geweiht. Im 14. Jahrhundert ließ Abt Konrad von Lustnau
Veränderungen im
hochgotischen Stil , z.B. die Chorfenster, einbauen. Der steinerne
Vierungsturm, das Wahrzeichen der Kirche, entstand
zwischen 1407 und 1409. Nach Einführung der Reformation war die
Kirche zu groß,
Herzog Ulrich ließ sie 1537 bis auf das Querschiff und den Chor
abbrechen,
zwischen 1566 und 1568 wurde sie teilweise wieder aufgerichtet.
Klausur:
Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts entstand der
Ostflügel der Klausur, in dessen Räumen sich das zurückgezogene
Leben der
Mönche abspielte. Eine innere Klostermauer, erbaut 1281 - 1303,
umschloss den
engeren Klosterbezirk mit Klausur, wichtigen Nebengebäuden und den
Friedhof.
Um 1225/28 war der zweitwichtigste Raum des Klosters, der
Kapitelsaal,
vollendet. Hier versammelte sich der Konvent. Entgegen
klösterlicher Vorschrift
wurden hier auch Laien und nicht nur die Äbte bestattet. Auch heute
findet
man im Kapitelsaal u.a. noch die Grabplatten des
Klosterstifters Rudolph von Tübingen und seiner Gemahlin Mechthild.
Weitere
Räume wie das Winterrefektorium (1510), das Dormitorium mit 29
Einzelzellen,
das Parlatorium (Raum in dem gesprochen werden durfte), die
Bruderhalle, das
Kalefaktorium (Wärmestube) vervollständigen den Klausurbereich
Kreuzgang:
Der Kreuzgang ist das Kernstück
jeder Klosteranlage, um ihn werden die wichtigsten Räume
angeordnet. Er diente
als Wandel- und Prozessionsraum, zur Meditation und als
Aufenthaltsort. Der
heutige Kreuzgang, der einen Vorgängerbau aus den Jahren 1281 -
1305 hatte,
entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Das Brunnenhaus wurde vor
1511/12
errichtet. Der Bebenhauser Kreuzgang zählt zu den bedeutendsten
und
besterhaltenen spätgotischen Anlagen dieser Art in
Südwestdeutschland. Auch
heute kann man sich das Bild noch gut vorstellen, das sich bot,
wenn an
Heiligabend Kerzen in alle farbigen Kreuzgangsfenster gestellt
wurden. In den
Jahren 1532-50 entstand das neue Gästehaus des Klosters, das später
den
württembergischen Königen als Jagdschloss dienen sollte. 1535 ließ
Herzog
Ulrich von Württemberg im Zuge der Reformation das Kloster
auflösen. Ein
kleiner Konvent kehrte in der Interimszeit zurück, 1648 wurde auch
dieser
endgültig aufgehoben. Herzog Christoph von Württemberg richtete im
ehemaligen
Kloster Bebenhausen 1556 eine der vier höheren Klosterschulen des
Landes ein,
die 1806 aufgehoben und mit der in Maulbronn bestehenden
zusammengelegt wurde.
In den Jahren 1947 bis 1952 wurde das ehemalige Kloster als Sitz
des Landtags
von Württemberg-Hohenzollern genutzt. Die Abgeordneten tagten nicht
nur in den
Räumlichkeiten, sondern wohnten dort auch. Seit 1975 steht die
Gesamtanlage als
Ensemble unter Denkmalschutz, um die Lage des Klosters und seine
Ausstattung zu
erhalten.