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Local History - Hilfarth am 22. Mai 1944 Traditional Cache

This cache has been archived.

searching the sky: Da hier leider immer wieder die Dosen den Reinigungsaktionen des Bauhofs zum Opfer fallen, und mittlerweile auch in direkter Nachbarschaft zum alten Friedhof Häuser gebaut wurden, wandert der Cache leider ins Archiv.

Danke für die vielen netten Logeinträge.

Viele Grüße M.R.

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Hidden : 7/19/2009
Difficulty:
1 out of 5
Terrain:
1.5 out of 5

Size: Size:   small (small)

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Geocache Description:


Hier ein Cache zu den bewegenden Hintergründen rund um die grausame Bombennacht des 22. Mai 1944 in Hilfarth.

Der folgende Textauszug stammt aus dem Heimatkalender des Kreises Heinsberg 2006. Und wurden von Herrn Heinz Dieken recherchiert und geschrieben. Die Verwendung des Textes erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

 

Hilfarth am 22. Mai 1944

 Es ist Sonntag, der 21. Mai 1944. Eigentlich ein schöner Tag, obwohl Krieg herrscht, denn heute ist Muttertag. Hilfarth der Ort an der Rur, ist bisher von größeren Kriegsereignissen verschont geblieben. In den Nächten hat es zwar oft Alarm gegeben, aber meistens sind die Bombergeschwader der Royel Air Force zu den größeren deutschen Städten geflogen. So auch in dieser Nacht vom 21. auf den 22. Mai …

 

Waddington, England

 Auf den englischen Flugplätzen herrscht am Nachmittag des 21. Mai schon wieder hektisches Treiben. „Es soll mal wieder etwas Größeres anliegen“, munkelt man. Auch auf dem Flugplatz Waddington (Lincolnshire) werden an diesem Nachmittag die Lancaster Bomber der 463. SQ (Squadron) mit Luftminen, Spreng- und Brandbomben beladen.

Zum ersten Mal einen scharfen Einsatz fliegen soll heute die Besatzung des Piloten K.E. Archay. Er ist 23 Jahre alt, stammt aus Gladstone/Queensland in Australien und ist mit seiner Crew erst am 11. Mai zur 463. SQ versetzt worden. Bis auf den 20jährigen englischen Bordmechaniker Sergeant F.N. Rice sind alle Besatzungsmitglieder Australier, der 29jährige Navigator W/O A.F. Mayne, der 21jährige Bombenschütze F/S J.E. Jasper, der 28jährige Funker F/S L.W. Weeden, der 21jährige Bordschütze F/O A.F. Mattingley und der 29jährige Heckschütze F/O E.H. Ross. Ihnen wird die Lancaster B I mit der Serien-Nr. ME580 und der Staffelkennung JO-Q zugeteilt: Ein ziemlich neues Flugzeug mit erst 260 Flugstunden. Bei der Einsatzbesprechung erfahren die Besatzungen ihr Angriffsziel. Es soll wieder einmal die Stadt Duisburg sein. Die ersten Bomber starten in dieser Nacht gegen 22:20 Uhr. Um 22:40 Uhr startet auch die Besatzung der JO-Q zu ihrem ersten – und letzten Einsatz. Heute Abend werden 510 Lancaster Bomber und 22 Mosquitos der 1., 3., 5. und 8. Gruppe eingesetzt. Aber noch ist alles ruhig, weder die Leute in der Stadt Duisburg, noch in Hilfarth ahnen Schlimmes. Doch von diesen Maschinen werden 32 Lancaster nicht mehr zurückkehren, und nach Ende dieses Angriffs sind im südlichen Teil der Stadt Duisburg 350 Häuser total zerstört, 655 Gebäude beschädigt und 124 Personen tot.

 

Hilfarth

 In der Breitestraße 44 in Hilfarth wohnen zu dieser Zeit meine (des Autors) Urgroßmutter Anna Königs geb. Spiertz, ihre Tochter Magdalena Venrath geb. Königs, ihr Sohn Hubert mit seiner Frau Mathilde geb. Röhlen und Söhnchen Arnold Lorenz, erst sechs Jahre alt. Hubert Königs, von Beruf Korbmacher, ist zur Zeit Soldat in einem Infanterie-Regiment an der Ostfront. Er weilt auf Urlaub und soll am Freitag, den  26. Mai 1944 wieder zur Front zurückkehren.

An diesem Sonntagabend ereignen sich zwei Dinge, die später als Vorahnungen der Kinder Arnold Lorenz sowie seiner Cousine Gertrud Strömer gedeutet werden. Gertrud, auch kurz Gerta genannt, geht fast jeden Abend zur Oma Anna, um dort zu übernachten. An diesem Abend des 21. Mai will sie aber partout nicht dorthin. Sie ist die jüngste von sechs Kindern der Eheleute Josef und Gertrud Strömer und rettet so unbewusst ihr eigenes Leben.

Der Junge Arnold Lorenz soll an diesem Abend von seiner Tante Magdalena zu Bett gebracht werden, so wie es schon öfters geschehen ist, denn die Eltern Hubert und Mathilde sind nicht da. Sie machen noch einen Besuch bei Mathildes Mutter, es ist ja Muttertag. Da ihr Sohn aber von der Tante nicht ins Bett gebracht werden möchte und andauernd weint, entschließt diese sich, nach längerem Hin und Her, die Eltern des Jungen wieder nach Hause zu holen. Da sie nicht genau weiß, wo die beiden hin sind, klingelt sie auch an der Haustür von Josef Strömer, dem Schwager, um sich zu erkundigen. Als sie dort nicht sind, geht sie weiter. Nach einiger Zeit hören die Eheleute Strömer, die mittlerweile zu Bett gegangen sind, wie die Schwägerin mit den gesuchten nach Hause geht. Aus damaliger und heutiger Sicht sieht es so aus, als ob der Sohn seine Eltern bei sich haben wollte, um gemeinsam mit ihnen zu sterben.

 

Twente/Leeuwarden

 Auf diesen beiden holländischen Flugplätzen sind im Mai 1944 Nachtjäger der deutschen Luftwaffe stationiert. Es ist die III. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 1. Gruppenkommandeur ist der bekannte Nachtjäger Martin Drewes, der bis jetzt 37 Abschüsse erzielen konnte. Ausgerüstet ist die Gruppe mit Messerschmitt Me 110 G-4, einer zweimotorigen Maschine, die sich als Nachtjäger besonders gut eignet. Nachdem die Funkmessgeräte den Bomberstrom erfasst haben, der sich auf das Festland zu bewegt, starten auch die Nachtjäger des NJG 1, um diesen zu bekämpfen, unter anderem die Me 110 G-4 mit der Kennung G9+WD von Hauptmann Drewes.

Um 0:44 Uhr schießen die deutschen Nachtjäger die ersten Bomber ab, die in Richtung Duisburg unterwegs sind. In dieser Nacht wird Hauptmann Drewes insgesamt fünf RAF-Bomber abschießen. Um 0:50 Uhr erfolgt sein erster Abschuss. Acht Minuten später um 0:58 Uhr treffen Drewes mit seinem Bordfunker Oberfeldwebel Petz auf die Lancaster JO-Q der Bestzung Archay. Was sich jetzt im Einzelnen abspielt kann man nach über 60 Jahren nur noch vermuten. Sehr wahrscheinlich ist, dass der Pilot und einige Besatzungsmitglieder nach dem Beschuss durch den Nachtjäger tot oder so schwer verletzt sind, dass das Flugzeug vom Kurs abkommt. Es kann sich aber noch einige Minuten in der Luft halten.

Um die Maschine leichter zu machen, war es üblich, sich sofort der Bombenlast zu entledigen. Dieses Manöver führt auch der Pilot oder Copilot der Lancaster aus. Da auf der Erde alles verdunkelt ist, ahnt er wahrscheinlich nicht, dass er sich gerade über einer Ortschaft befindet. Kurz bevor die Maschine abzustürzen droht, lässt sie ihre gesamte Bombenladung im Notwurf fallen…

 

Hilfarth

 Es ist kurz nach 1:00 Uhr. Die Eheleute Josef und Gertrud Strömer sind gerade dabei, weil es Luftalarm gegeben hat, mit ihren Kindern in den kleinen Keller zu gehen, als es plötzlich mitten im Dorf eine ungeheuer starke Detonation gibt. Ein gleißendes Licht, das sekundenlang aufleuchtet, gefolgt vom Krachen der einstürzenden Häuser und dem Prasseln der Steine und Ziegel. Durch die Druckwelle fliegen sämtliche Fenster auf. Teilweise werden sie aus den Rahmen gerissen. Das abgedunkelte Licht geht aus. Dann Totenstille. Die Luftmine und sämtliche Sprengbomben fallen so durch Zufall in den Ort Hilfarth und treffen das Haus Breitestraße 44 (heute das Gebäude zwanzig Meter links der Apotheke) und die Nachbarhäuser. Es ist genau 1:08 Uhr.

Da muss etwas Schlimmes geschehen sein! Man hört Schreie des Entsetzens, des Schmerzes und der Verzweiflung. Josef Strömer macht sich auf, wie auch noch einige andere, um nachzusehen, was passiert ist. Als er auf die Breitestraße kommt, wird ihm sofort klar, dass die Bomben in das Haus seiner Schwägerin eingeschlagen sind. Ein riesiger Bombentrichter befindet sich genau dort, wo einmal das Haus gestanden hat. Es riecht nach Trümmerstaub und Tod. Meterhoch liegt der Schutt. Sämtliche Häuser in der Nachbarschaft sind ebenfalls dem Erdboden gleichgemacht, oder es stehen nur noch Ruinen. Die ganze Straße ist durch Schutt blockiert. Einige Leute versuchen, Verletzte zu bergen, denen Gliedmaßen fehlen. Beim Rest einer Toreinfahrt gibt es plötzlich laute Schreie. Die Druckwelle hat einen älteren Mann hoch geschleudert und dieser ist beim Herabfallen mit seinem Kragen an einem Haken, an dem vorher eine Leiter gehangen hatte, hängen geblieben.

Zehn bis zwölf Häuser werden dem Erdboden gleichgemacht, wobei 18 Personen sterben. Die Lancaster fliegt noch etwa zwei Kilometer weiter, bevor sie in Himmerich abstürzt. Die Tragflächen mit den Motoren werden durch Bäume abgerissen. Nur der Rumpf bleibt einigermaßen erhalten auf einem Feld hinter dem Bauernhof der Familie Graab liegen. In letzter Minute hatte eines der Besatzungsmitglieder noch versucht abzuspringen. Sein Fallschirm öffnete sich nicht mehr. Er wurde später – bis zur Hüfte in der Erde steckend – tot aufgefunden. Alle Besatzungsmitglieder der Lancaster JO-Q waren ums Leben gekommen. Die Toten werden später im Rheinberg War Cemetery beigesetzt.

Der ganze Unglücksort wird abgesperrt, die Toten nach und nach geborgen – vollständig erhaltene Körper oder auch nur Gliedmaßen. Hubert Königs findet man unten am Ende der Kellertreppe sitzend, ohne Beine. Sie sind ihm einfach weggerissen worden. Von seiner Frau Mathilde findet man so gut wie gar nichts mehr. Man sucht in den nächsten Tagen immer dort, wo sich viele Fliegen aufhalten, nach menschlichen Überresten. Und wenn man fündig wird, werden diese in einen Sarg gelegt, den man auf den Trümmern bereitgestellt hat.

 …..

Das „Staatsbegräbnis“

 Die Beerdigung der Opfer wird von Seiten der Partei für Freitag den 26. Mai angesetzt. Es soll eine Art „Staatsbegräbnis“ veranstaltet werden. Die Toten will man in einem großen gemeinsamen Grab beisetzen, aber ohne katholischen Priester. Dagegen lehnen sich die betroffenen Angehörigen dermaßen auf und drohen schon, ihre Toten einzeln zu beerdigen, so dass sich die Partei schließlich gezwungen sieht, einen Geistlichen zu gestatten. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung werden die Opfer in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt.

 ……….

Die Gräber befinden sich heute als Mahnmal und Erinnerung für alle nachkommenden Generationen auf dem alten Friedhof in Hilfarth.

 

 

Quellenangabe:

Text: Heimatkalender des Kreises Heinsberg 2006 Seite 134 Auszug aus dem Artikel "Hilfarth am 22. Mai 1944" von Heinz Dieken

Bild: wikipedia

 

Additional Hints (Decrypt)

Vz Ohfpu uvagre tebßrz Xerhm G.C.

Decryption Key

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M
-------------------------
N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z

(letter above equals below, and vice versa)