Lieneschs
Middewinter-Abend
Einstmals, es
fehlten zum Feste der Weihnacht zwei noch der
Tage,
weckte das
volle Geläut vom Turme die Schläfer von
Lienesch.
Nahe dem Dorfe
ist der Hof; man erreicht bei mäßiger
Eile
neben
belaubtem Wall Ankum in wenig
Minuten.
Eilig
entspringen den Betten und rüsten die Höfler zum
Kirchgang,
meinend, es
läute zur Mette, die früh schon eröffnet den
Festdienst.
Hell liegt der
Mondschein auf blendend weißem
Gefilde.
Still geht
jeder den Weg; es umgrenzet das Leuchten des
Schnees
deutlich die
schwarzen Gestalten. Verstummt war längst das
Geläute.
Als zum Dorfe
sie kommen und aufwärts wandern den
Kirchweg,
finden sie
leer die Straße, verschlossen die Türen der
Kirche.
Niemand, der
sie begrüßt; sie allein nur gehen zur
Frühmett’.
Träumend
stehen die da und wissen nicht, wie das geschehen
ist,
als mit
mächtigen Schlägen dröhnet die
Turmuhr.
Vollen
Geläutes beginnet der Glocken harmonischer
Dreiklang,
bimmelt und
bammelt dann fort. Und verklungen ist summend der Ton
kaum,
hebt der
gemischte Gesang von Kindern und Männern ganz leis
an,
schwillt wie
Harfengetön und verklingt mit zitterndem
Nachhall.
Lautlos
horchen die Dörfler und schaun verwundert nach
oben,
sehn den
erleuchteten Turm und fragen sich nach der Bedeutung.
–
Allen wird
klar das Versehn; dem Bauern wird’s höhere
Weisung,
stiftet das
Läuten vom Turm und Gesang, abwechseld mit
jenem,
wie’s noch
immer ertönt am Abend zwei Tage vor
Weihnacht.
Hermann Hartmann
(aus: Aus dem Sagenschatz des
Altkreises Bersenbrück, Verlag Th.Thoben, Quakenbrück,
1984)

Seit Jahrhunderten
wird in Ankum einen Tag vor Heiligabend der Brauch des
„Lienesch-Middewinter-Singens“ gepflegt. Der Ursprung dieser alten
Sitte geht auf den Hof Lienesch in der Bauernschaft Tütingen
zurück.
Am Tag vor
Heiligabend steigen Ankumer Männer auf den hohen Turm der
St.-Nikolaus-Kirche, um von dort uralte Weihnachtslieder wie
„Triumph, Triumph, die Zeit ist da“ und „Auf Fürsten, auf von eurem
Thron“ zu singen.
Ebenfalls zum
Lienesch-Middewinter-Singen gehört ein eigentümliches
Glockengeläut, das Ankumer „Beiern“.
Unterstützt werden
die Sänger von einer
Bläsergruppe.
Vor den Marktbögen am
Fuße der Kirche werden den Zuhörern Schmalzbrot, Glühwein,
Kinderpunsch und Waffeln
angeboten.
Der Gesang und das
Beiern sind bis an die Ortsgrenzen von Ankum zu hören.


Vom Cache aus hat
man einen schönen Blick auf den Ankumer
Dom.
Er wurde im Rahmen des
„1. Vördener Cache Wichteln“
versteckt.
Wir wünschen allen eine
schöne Weihnachtszeit und viel Spaß beim Suchen im Jahr
2010.