Der Kreuzweg in Bad Laer-Hardensetten wird im Volksmund vielfach
auch
als Kalvarienberg bezeichnet. Aus etymologischer Sicht entstammt
das Wort
Kalvarienberg dem lateinischen Begriff calvaria, was übersetzt so
viel wie
Schädelstätte heißt. Heute versteht man unter Kalvarienberg das
biblische
Golgatha sowie Erderhebungen mit plastischer Darstellung einer
Kreuzigungs-
gruppe, zu der Kreuzwegstationen hinaufführen.
Diese bestehen für gewöhnlich aus 14 Stationen, die durch die
Evangelien
belegt oder von ihnen abgeleitet sind, und an denen der gläubige
Christ
mitfühlen kann, was der Herr gelitten hat. Lediglich die
sogenannte
Veronika-Station ist legendär.
Der Kalvarienberg ist ein Ort von historischer Bedeutung. Wenn man
den ältesten
Überlieferungen Glauben schenkt, so war gegenüber des heutigen
Kreuzweges
in germanischer Zeit ursprünglich eine heidnische Gerichts- und
Kultstätte, wo
Recht gesprochen und das Urteil vollstreckt wurde. Als jedoch die
Missionierung
bzw. das Mönchswesen in unserer Gegend Einzug hielten, enstand im
Mittelalter in
Höhe des Kalvarienbergs eine Kapelle, die jedoch im Laufe der Zeit
mehrfach zerstört
und wiederaufgebaut wurde. Bis zum Jahre 1772 wurde hier für die
Teilnehmer der
Prozessionen aus Laer, Glandorf und Remsede die heilige Messe
gelesen.
Nach Verbot der großen Prozessionen Ende des 18. Jahrhunderts wurde
die
von Pfarrer Martin Huge hier errichtete Kapelle im Jahre 1802 als
lästiges
Verkehrshindernis an der Straße endgültig verkauft und abgebrochen.
Ein Bauer aus
dem Kirchspiel Glandorf baute aus den Steinen einen Viehstall, soll
jedoch darin
wenig Glück mit seinen Tieren gehabt haben.
Diesen abgeschiedenen und mit Tradition verbundenen Ort wählte der
damalige
Schulvikar Sommer (1801-1881) im Jahre 1854 für die Realisierung
einer Idee aus:
Er hatte sich zum Ziel gesetzt, an dieser historischen Stätte einen
Kreuzweg zu bauen.
Bepackt mit Spaten und Hacke zog der Vikar gemeinsam mit seinen
Schulkindern aus,
die Vorarbeiten in dem Kiefernwald zu erledigen.
Der Standort auf der Laerhöhe (93 m) wurde nicht allein wegen
seiner
Abgeschiedenheit gewählt. Vor allem sollte die Stelle im Volk
lebendig in Erinnerung
bleiben, an der seit vielen Jahrhunderten am Montag vor Christi
Himmelfahrt
die heilige Messe gefeiert wurde von den Geistlichen aus Laer und
Glandorf,
die mit ihren Pfarrkindern dorthin wallfahrtete
Am 4. April 1857 wurde um die Genehmigung zur Anlage des Kreuzweges
bei der
bischöflichen Behörde nachgesucht. Dabei wurde erwähnt, dass der
Grund und Boden
für die Anlage von den Bauern Oertlinger und Bosse geschenkt
sei.Schon am 7. April
wurde die Genehmigung erteilt. Nun ging es mit Eifer an die Arbeit,
die von allen Seiten
unterstützt wurde. Aufgrund finanzieller Engpässe flossen schon
damals Spenden für den
Kreuzweg, die allerdings nicht ausreichten. Voll Hoffnung wandte
sich Vikar Sommer an
seine früheren Schüler, die nach Amerika ausgewandert waren. Und
seine Bitte war nicht
vergebens. Am Sockel der Ölberggruppe, in der am Eingang des
Kreuzweges erbauten
Kapelle weist eine Marmortafel auf die nach Amerika ausgewanderten
Schüler hin, denen
Vikar Sommer die ganzen Jahre lang Freund und Helfer gewesen war.
Diese gaben 1857
die entscheidende finanzielle Hilfe.
Abgesehen von den 14 Kreuzwegstationen stehen diesen 14
Nothelferstationen gegenüber.
Bei der Renovierung des Kreuzweges wurden auch die Nothelfer neu
gestaltet, wobei die
Namen und Deutungen der 14 Nothelfer wie ursprünglich übernommen
wurden. Auf der
Rückseite der Medaillons wurden allerdings die Namen von
Christinnen und Christen
eingraviert, die in unserer Zeit als Zeugen des christlichen
Glaubens gelebt und gewirkt haben.
Zwar gehörten sie verschiedenen christlichen Konfessionen an, haben
aber alle auf ihre
Art und Weise Jesus als den Gekreuzigten und Auferstandenen
bezeugt.
Um die Stationen keinen
unnötigen Vandalismus auszusetzen,
ist der Cache an einem robusten
Gegenstand angebracht!