Zwei Sühnekreuze in Rennersdorf

An der Straße, die von Fischbach kommend am ehem.Kammergut in Rennersdorf vorbeiführt, stehen am nördlichen Straßenrand zwei Steinkreuze. Beide, ein kleineres direkt neben dem Wartehäuschen und ein großes Malteserkreuz, wurden erst 1937 hier aufgestellt. Das stark gestiegene Verkehrsaufkommen erforderte damals einen Brückenneubau sowie die Begradigung von Straße und Fluß.
Beim Abbruch der alten Wesenitzbrücke von 1587/88, fand man ein großes und zwei kleinere Kreuze im nördlichen Brückenpfeiler eingemauert vor. Die Stirnfläche des Malteser-Kreuzes bildete den Abschluss des Pfeilers gegen die Stromrichtung. Die Kreuze wurden geborgen und und an der Parkmauer, das kleinere am Fuß einer alten Kastanie aufgestellt (nach 1977 erneut versetzt). Das dritte kleinere Kreuz wurde leider beim herausbrechen aus der Brücke zerstört.
Auffallend ist die Ähnlichkeit des Malteserkreuzes mit einem Steinkreuz, welches bis um 1840 in der Nähe der Kirche zu Helmsdorf stand und seit einer Erweiterung des Kirchhofes verschwunden ist. Die Frage allerdings, wie das Steinkreuz zur Verwendung bei dem einige Kilometer flussaufwärts vorgenommenen Brückenbau gekommen sein sollte, wird wohl kaum beantwortet werden können. Auch gibt es keine Informationen zur Entstehung und ihren einstigen Standorten.
Anschließend noch einige Informationen zum alten Kammergut:
Das Herrenhaus ist eine stattliche barocke Dreiflügelanlage, die 1742 errichtet wurde. Der Haupteingang in der Mittelachse zeigt die Jahreszahl 1742 und das Monogramm AR (Augustus Rex), das für König August den III. von Polen steht. Neben dem Hof schließt sich zur Wesenitz hin ein kleiner Park an, der aber völlig verwildert ist. Um 1900 wurde an die Parkfassade des östlichen Seitenflügels ein Wintergarten mit Freitreppe zum Park angebaut.
Geschichte: Um 1700 wurde das kurfürstliche Vorwerk von Stolpen nach Rennersdorf verlegt. 1778 wurde es zur Hauptzuchtstelle für spanische Merinoschafe, die eine besonders hochwertige Wolle lieferten. Die Schafzucht blieb bis ins 19 Jahrhundert vorherrschend, erst 1925 erfolgte die Umstellung auf Milchwirtschaft.
Das Kammergut war Staatsbesitz und wurde verpachtet. 1875 wurde es vom Staat verkauft und blieb bis 1945 in Privatbesitz. Mit der Bodenreform 1945 wurde das Gut enteignet und in ein Volkseigenes Gut, d.h. einen Landwirtschaftlichen Staatsbetrieb umgewandelt. Das Herrenhaus erfuhr nun verschiedene Nutzungen, Parteischule, Verwaltungssitz des VEG und in den letzten Jahren der DDR diente es als Lehrlingswohnheim des VEG Tierproduktion Stolpen. Die Bausubstanz wurde auf Verschleiß gefahren und nur das allernötigste repariert. In den 1980er Jahren vernichtete ein großes Feuer in der Sylvesternacht eine stattliche Scheune, durch die der Hof auf der Linken Seite abgeschlossen wurde.
Nach der Wende wurde es von der Treuhandgesellschaft für eine symbolische Mark an einen Bauern aus einer Nachbargemeinde verschachert. Der neue Besitzer hatte zwar große Pläne, aber keine finanziellen Mittel, passiert ist in all den Jahren deshalb nichts. So steht das denkmalgeschützte Herrenhaus seit 20 Jahren leer und wird dem Verfall preisgegeben. Unter anderem schafften es professionelle Kunstdiebe ins Gebäude einzudringen, die komplette Turmuhr zu demontieren und mitzunehmen. Interessenten an der Anlage gab es, allerdings scheiterten alle an den illusorischen Preisvorstellungen des Besitzers. Auch wurden wie so oft die zum Gut gehörenden Flächen abgetrennt. Ein Trauerspiel. Den Sozialismus hat es überstanden, den Kapitalismus nicht.
Quellen:
Torke, Horst - Alte Steinkreuze zwischen Dresden, Pirna und Sächsischer Schweiz, 2.Auflage 1990, Nr.101,
Donath, Matthias – Schlösser in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge, 1. Auflage 2006, Seite 27,
Herrmann, Rudolf – Ortschronik von Stadt und Burg Stolpen, Stolpen 1943/44
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