Der Bernhardsherrgott von Huckelheim
Vor über hundert Jahren holte ein junger Mann aus Huckelheim auf
einem Berge eine Fuhre Holz. Nachdem er aufgeladen hatte, ging's
den Berg hinab. Der Abhang gegen Huckelheim war früher steil, und -
niemand weiß, wie es kam - der Wagen sauste mit Gespann in die
Tiefe.
Der Fuhrmann rannte hinterdrein, konnte aber den Wagen nicht
erreichen. Totenbleich kam er bei seinem Gefährt an, und siehe da,
wie ein Wunder standen Zugtiere und Wagen unversehrt.
In seiner Freude machte der Mann aus Dank gegen Gott das
Versprechen, jeden Tag auf den Berg zu gehen und dort zu beten. Er
hielt das Versprechen bis ins hohe Alter, und als er von der Gicht
geplagt ward, schleppte er sich sogar mit Krücken zum Berg. Wie er
sein Ende fühlte, nahm er ein Kruzifix mit auf den Bergesgipfel und
hing es an eine mächtige Eiche. Bald starb der Mann. Weil er
Bernhard hieß und das Kreuz auf den Berg brachte, erhielt dieser
von nun an den Namen "Bernhardsherrgott".
Die Krücken, die der Mann beim Besteigen des Berges zu Hilfe
nahm, sollen noch in der Kapelle zu Huckelheim zu sehen sein.
Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S.
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