Dietrich EckartHaus
(Göllhaus)

"Es hätte in der
deutschen Geschichte wahrscheinlich keinen "Führer" Adolf Hitler
gegeben, wenn er nicht am Anfang seiner politischen Laufbahn
von
einflussreichen Männern gefördert worden wäre. Der Münchner
Polizeipräsident Ernst Pöhner gab ihm Rückendeckung, der Hauptmann
Ernst Röhm stellte ihm die Verbindung zur Reichswehr her, der
General Erich Ludendorff schenkte ihm sein Wohlwollen, und der
Ingenieur Gottfried Feder öffnete ihm die Augen für die "Herrschaft
des Zinses". Neben diesen Männern, die Hitlers politischen
Werdegang in den ersten Jahren beeinflusst haben, steht der
Dramatiker und Journalist Dietrich Eckart. Den meisten gilt er als
der Förderer Hitlers schlechthin." (Plewnia 1970:7) Von den einen
Hitler-Biographen "Gründer Hitlers", "Mentor", "Lehrer und Meister"
genannt, wird Eckart von andern als "Biertisch-Politiker" abgetan.
Margarete Plewnia hat es 1970 unternommen, in der Reihe Studien zur
Publizistik unter dem Titel "Auf dem Weg zu Hitler" den
"völkischen" Publizisten Dietrich Eckart genauer unter die Lupe zu
nehmen, wobei sie sich "immer wieder vor die Aufgabe gestellt sah,
zwischen Verklärung und Wirklichkeit zu unterscheiden." Die
Ausführungen in diesem Kapitel basieren auf ihrer
Untersuchung.
1868
in der Nähe von Nürnberg geboren, verlor Eckart als Zehnjähriger
seine Mutter. 1891 brach er sein Medizinstudium ab und wurde
Schriftsteller. Sein Vater, zu welchem er ein zwiespältiges
Verhältnis hatte, starb 1895 und hinterliess ihm ein Vermögen,
welches Eckart jedoch schnell aufbrauchte. Fortan war er stets in
finanziellen Nöten. Als glänzender Gesellschafter, der gerne im
Mittelpunkt stand, liebte er es, als finanzieller Gönner
aufzutreten. Er sprach auch dem Alkohol zu. Ab 1899 lebte er in
Berlin, wo er verschiedene Dramen mit autobiographischen Zügen und
weltanschaulichen und politischen Themen schrieb. Nach Plewnias
Einschätzung war Eckart ein geschickter Werbetexter und begabter
Journalist, jedoch ein mittelmässiger Dramatiker, dem der Erfolg
lange Zeit verwehrt war. Für seinen Misserfolg machte Eckart die
Umwelt verantwortlich. Ähnlich wie bei Adolf Hitler führte eine
Tendenz, das eigene Schicksal zu erhöhen, zu einem übersteigerten
Selbstbewusstsein. Eckart entwickelte eine Ideologie des "genialen
höheren Menschen". Geistige Lehrmeister waren ihm u.a. Schopenhauer
und Angelus Silesius. Auch von der indischen Maya-Lehre war Eckart
beeindruckt. Wissenschaftlicher Systematik war Eckart abgeneigt.
Nach seiner Heirat zog Eckart im Jahre 1915 nach München, wo er in
politische Zirkel geriet. Ab Herbst 1918 arbeitete er für den
"Münchner Beobachter", welcher der rechtsradikalen
Thule-Gesellschaft nahestand, und ab Dezember des gleichen Jahres
war er 2 Jahre lang Herausgeber der in ganz Deutschland
verbreiteten Zeitschrift "Auf gut deutsch" (ständiger Mitarbeiter:
Alfred Rosenberg), die als Ziel den Kampf gegen das Judentum
verfolgte. Denn Eckart galt der Versailler Vertrag als Zeichen der
weltweiten Verschwörung der Juden, ebenso die nachfolgende
Bayerische Revolution und die Ausrufung der Räte-Republik. Er
entwickelte ein eigentliches Sendungsbewusstsein und wurde zum
Verkünder der sog. "Dolchstosslegende", die behauptete, dass nebst
den Sozialdemokraten die Juden den Zusammenbruch und die Niederlage
im ersten Weltkrieg verschuldeten, weil sie den Kampfgeist des
Heeres zum Erlahmen gebracht hätten. Eckart erlag der Fiktion, das
deutsche Volk sei zur "Erlösung der Welt" aufgerufen, um das 3.
Reich zu erfüllen. Er blieb aber ohne wirklich breite politische
Resonanz. Da kam ihm Adolf Hitler wohl wie gerufen, den er fortan
seinen Freunden jeweils so vorstellen sollte: "Das ist der Mann,
der einmal Deutschland befreien wird!" Am 14. August 1919 hielt
Eckart vor Mitgliedern der DAP einen ersten Vortrag, wurde jedoch
nicht Mitglied. (Trotzdem wurde er künftig als "Dichter der
Bewegung" gefeiert.) Nach Plewnias Ansicht wollte er Distanz
halten, denn später betrachtete er sich als Kontrolleur der Partei
und ihres Führers. Adolf Hitler hörte er zu Beginn des Jahres 1920
in einer Versammlung reden, hat ihn aber möglicherweise schon im
Herbst oder Dezember 1919 kennengelernt. Eckart erhielt wiederholt
Besuch von Hitler. Gemeinsam teilten sie die Abneigung gegen die
Juden. Während Hitler die Juden vorwiegend als Rasse verurteilte,
verachtete Eckart sie als Vertreter einer bestimmten
Geisteshaltung. Eckart wurde Hitlers "väterlicher Freund", von dem
Hitler selber später sagte, er sei sein einziger grosser Freund
gewesen. Dank Eckart wurde Hitler mit der Zeit gesellschaftsfähig
und kreditwürdig. Eckart sah die Vorteile Hitlers in dessen
hypnotischer Ueberzeugungskraft und Redegabe und in seinem
Draufgängertum. Ausserdem war Hitler Junggeselle und als Autodidakt
noch belehrbar. Nach seiner Scheidung im März 1921 gab Eckart "Auf
gut deutsch" zugunsten des "Völkischen Beobachters" auf (welcher
Ende 1920 von der NSDAP gekauft worden war) und trat in die Dienste
des 20 Jahre jüngeren Adolf Hitler. Im Sommer 1921 verhalf Eckart
Hitler in einer internen Parteikrise durch seine Vermittlerrolle
zum Sieg, und Hitler machte sich zum Diktator der bis anhin nach
demokratischen Grundsätzen geleiteten NSDAP. Gleichzeitig mit
Hitlers Aufstieg verlor Eckart mit der Zeit an Bedeutung. Neue,
jüngere Männer (u.a. Rudolf Hess) etablierten sich in Hitlers Nähe.
Noch im Frühling 1923 pries Eckart, der das Schlagwort "Deutschland
erwache!" geprägt hatte, Hitler im Völkischen Beobachter als
"Erlöser". Obwohl Eckart am 8. November 1923 bei Hitlers
Bürgerbräuputsch nicht anwesend war und es unklar ist, ob er beim
Marsch auf die Feldherrnhalle mitmachte, wurde er am 15. November
verhaftet und u.a. auf Landsberg interniert. Als er am 26. Dezember
1923, sechs Tage nach seiner Haftentlassung, durch Herzversagen
starb, wurde er zum Märtyrer für die "Bewegung". Die Mythisierung
Eckarts ging von Hitler aus. Plewnia (1970:112) meint:"Es ist nicht
ohne historischen Reiz zu erwägen, wie sich die Beziehungen Hitlers
zu Eckart gestaltet hätten, wenn der Tod nicht dazwischen getreten
ware. Hätte Eckart die gleiche Behandlung erfahren wie die
Altparteigenossen Anton Drexler und Gottfried Feder, die beide von
Hitler abgeschoben wurden?" Einige Monate nach Eckarts Tod erschien
seine unvollendete Schrift "Der Bolschewismus von Moses bis Lenin.
Zwiegespräch zwischen Hitler und mir" (ob mit oder ohne Bewilligung
Hitlers ist unklar), mit welcher Eckart versuchte, der Partei und
Hitler ein weltanschauliches Fundament zu geben. Plewnia
(1970:94-112) erbringt den Beweis, dass Eckart entgegen seinen
Angaben alleiniger Autor war und Hitler nur fiktiver
Gesprächspartner.
Quelle: Margarete Plewnia & Bundesarchiv für Zeitgeschichte
München
Da das Haus bis heute
noch von dem Amerikaner (U.S. Army AFRC) genutzt und streng
bewacht wird, liegt der Cache unterhalb vom Haus.
Happy Hunting!
Tortenschmeisser