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Das Boller Bähnle
Im 19. Jahrhundert griff entlang der Fils die Industrialisierung um sich. Mit diesen Veränderungen entstand ein noch nie dagewesenes Transportbedürfnis, welches im Filstal dazu führte, dass man bereits 1847 mit der Eisenbahn von Süßen über Göppingen bis nach Stuttgart fahren konnte.
Zehn Kilometer entfernt von Göppingen, in Bad Boll hatte die Industrialisierung noch nicht begonnen, zumal auch noch keine starke Verkehrsanbindung existierte. Die Boller Landwirtschaft konnte nicht mehr alle Einwohner beschäftigen und die Handweberei war durch die Maschinen in den Fabriken unrentabel geworden.
Zwar gab es in den Göppinger Fabriken Arbeit, jedoch war der Weg zu Fuß zu weit: Man musste zur zehnstündigen Arbeitszeit noch vier Stunden für den Hin- und Rückweg bei jedem Wetter leisten. Der Neubau der Straße von Sehningen nach Bezgenriet und die ersten Fahrräder brachten nach 1900 zwar Erleichterung, meist aber nur für junge Männer. In fünf Jahren zogen 56 Einwohner von Boll weg.
Eine Eisenbahnlinie nach Göppingen zu errichten wurde für immer mehr Menschen zu einer Frage des Überlebens- oder des Auswanderns nach Amerika. Für den Bad Boller Kurbetrieb, der wie die Blumhardt`sche Bewegung in größter Entfaltung war stellte sich die Frage weniger. Die reichen Kurgäste konnten sich die Postkutsche leisten, hier sei beispielhaft Hermann Hesse und die Baronin Elisabeth von Ardenne (die „Effi Briest“ aus Theodor Fontanes Roman) erwähnt.
1899 entstand ein erster Plan für eine Eisenbahn durch den Bezirksnotar, doch dieser war, mit einer Wegführung über Faurndau und Jebenhausen aufgrund der „unbedeutenden“ Höhenmeter technisch nicht realisierbar. Die heutzutage mit den Boller Bähnle verbundenen Gemeinden bildeten 1901ein Eisenbahnkomitee um –erfolglos- mit der Stuttgarter Regierung zu verhandeln. Auch Pfarrer Blumhardt, als Abgeordneter des Kreises Göppingen im Stuttgarter Landtag konnte nicht genug Förderung durch das Ländle erreichen. Nach Plänen die Eisenbahnstrecke Kirchheim Weilheim zu verlängern und weiteren Anträgen –mittlerweile engagierte sich auch der Göppinger Bürgermeister Dr. Keck für die Bahn- wurde endlich 1913 die Erbauung einer normalspurigen Nebenbahn Göppingen – Boll von der Regierung bewilligt. Leider wurde die Freude über diesen langerkämpften Teilerfolg mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges (1914), der sämtliche Kräfte band, vorzeitig gedämpft. In Voraussicht der kommenden Arbeitslosigkeit nach Kriegsende richtete im November 1918 der Vorstand des Oberamtes Göppingen, Dr. Schönmann, eine dringende Eingabe an die Generaldirektion der Württembergischen Staatseisenbahnen, sie möge im Interesse der Arbeitsbeschaffung für die heimkehrenden Soldaten den Bahnbau nach Boll unverzüglich in Angriff nehmen. So wurde im Frühjahr 1919 mit dem Bahnbau als Notstandsarbeit begonnen.
Die galoppierende Inflation ab 1922 führte zur drastischen Geldentwertung; 1923 kamen die Bauarbeiten gänzlich zum Erliegen. Nach Stabilisierung der Währung im Dezember 1923 mussten für den Bahnbau 25.000,- Goldmark zusätzlich aufgebracht werden; 1925 noch einmal 100.000,-Goldmark. Wurden vor dem 1. Weltkrieg bei Bahnbauarbeiten noch viele (billige) Arbeitskräfte vorwiegend aus südeuropäischen Ländern „angeheuert", kamen hier zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit fast nur heimische Kräfte zum Einsatz. Die knochenharte Handarbeit mit Pickel, Schaufel und Spaten erfuhr auch durch den Einsatz von mobilen Feldbahnen und Dampfkränen kaum Erleichterung. Wegen akutem Kohlemangels (für Lorenbahn und Dampfkran) mussten die Arbeiten im März 1925 vorübergehend eingestellt werden; 130 Notstandsarbeiter wurden arbeitslos.
Durch die tatkräftige Hilfe verschiedener Ämter, der großen Opferwilligkeit der Bahngemeinden und einen Beschluss des Landtages, die zur Beendigung nötigen 530 000 Reichsmark als Kredit zu gewähren konnten 1925 die Arbeiten fortgesetzt werden.
Gegen 12.30 Uhr begann der Boller Schultheiß Wittlinger vor dem für damalige Verhältnisse sehr modernen Bahnhofgebäude seine Ansprache mit folgenden Worten: „Hurra - hurra - hurra! Die Eisenbahn ist da! Der heutige Tag, welch große Ehr', Bringt uns Anschluß an den Weltverkehr."
Nach weiteren ernsten und heiteren Reden bewegte sich der Festumzug mit den 80 Ehrengästen und der örtlichen Bevölkerung unter Mitwirkung des Musikvereins Boll zum Gasthof „Post" (hier wurde am Tage zuvor die letzte Postkutsche nach Göppingen verabschiedet). Zu Ehren, des Staatspräsidenten und aus Anlass der Streckeneröffnung gab es für 220 Personen ein Menü von Ochsenschweifsuppe bis Pudding der Marke Diplomat. Die Volksfest-Stimmung die von Göppingen bis Boll reichte wurde ausführlich in Lokalzeitung „Hohenstaufen" vom 2 Juni 1926 beschrieben. Es wird berichtet, dass man damals immer wieder hören konnte: "D'Hauptsach isch, daß mr etz au a schwäbische Eisebah' hent!'
Am 27. Mai 1989 fuhr der letzte fahrplanmäßige Personenzug. Güterverkehr war bis zum 25. September 1994 möglich. Im Bahnhofsgebäude residiert heute das Gästehaus „Rosa Zeiten“. Der Regionalverkehrsplan der Region Stuttgart von 2001 hat den Aufbau einer Schienenverbindung zwischen Göppingen und Kirchheim unter Teck mit Verbindung der Trassen der Boller Bahn und der Teckbahn unter hohe Dringlichkeit eingestuft. Ein eigens gegründeter Förderverein bemüht sich um die Erhaltung dieses „Lost Place“ und die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs. Angeblich gab es in jüngster Zeit eine Streckeninventur durch die Firma Bahn&Plan.
Im September 2010 wurden auf etwa 100m mehre parallele Schienen und Rangierweichen das Boller Bähnle zurückgebaut um Platz für Wohn- und Geschäftshäuser zu schaffen. Die_4_Schwoba haben die dortigen Caches GC1ADDVund GC25BP2 auch archiviert.
Mit diesem Cache möchte ich mich bei Die_4_Schwoba für alle Ihre Caches, insbesondere für die Serie um das Boller Bähnle bedanken. Lost Place Boller Bähnle 10: Bollwar mein zweiter Found!
Additional Hints (Decrypt)
Decryption Key
A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M ------------------------- N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z
(letter above equals below, and vice versa)
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