Zu den wichtigsten
Bauaufgaben der Weimarer Republik zählen im Sinne der
sozialreformerischen Programmatik die Bauten für die
„Volksgesundheit“. Die Krankenkassen (Allgemeine
Ortkrankenkassen), Schwimmbäder (Frei- und Hallenschwimmbäder) und
Sportanlagen (Turnhallen und Sportplätze) werden in allen größeren
Städten realisiert, soweit nicht bereits vor dem 1. Weltkrieg
errichtet.
In Brandenburg an der Havel
wird Ende der 20er Jahre unter dem damaligen Stadtbaurat Erbs ein
Grundstück an westlichen Rand der neuen „City“ zwischen
Havel und Stadtkanal erschlossen, auf dem in kurzer Abfolge die o.
a. Bauaufgaben in einem Gebäudeensemble realisiert werden, welches
die Bezeichnung „Wohlfahrtsforum“ erhält.
Die ursprünglich
hufeisenförmig geplante Anlage sollte Krankenkasse, Turnhalle,
Hallenschwimmbad und Volksschule enthalten mit einem Sportplatz im
Hofbereich. Die Volksschule (als südlicher Abschluss zum Kanal)
wurde nicht mehr realisiert. Das „Wohlfahrtsforums“ ist
ein bedeutendes Beispiel der Verknüpfung von Gesundheitsbauten und
Sportbauten zu einer städtebaulichen Einheit mit unmittelbarer
funktionaler Zuordnung.
Den westlichen Kopfbau an
der Luckenberger Brücke bildet das 4-geschossige Gebäude der
Allgemeinen Ortskrankenkasse, welches mit einem 2- geschossigen
Flügel zum Kanal mit einem Saalbau abschließt. Es wurde nach einem
Entwurf des Berliner Architekten W. Ludwig als erstes der
Gebäudegruppe 1929 fertiggestellt. Die östlich anschließende
Turnhalle und das Stadtbad wurden nach einem Entwurf des
Stadtbaurates Erbs und der Stadtarchitekten Hammer und Hakansson im
August 1930 fertig gestellt. Das Stadtbad wurde nach dem ersten
Reichpräsidenten der Weimarer Republik
„Friedrich-Ebert-Bad“ benannt. Zwischen Kriegsende bis
1949 war die Schwimmhalle für die Bevölkerung geschlossen, das
Schwimmbad mit seinen Wannen- und Brausebädern wurde von den in
Brandenburg stationierten sowjetischen Soldaten genutzt. Ab 1950
wurde es als „Stadtbad“ wieder für die Bevölkerung
geöffnet, die Allgemeine Ortskrankenkasse wurde Poliklinik, die
Turnhalle und der Sportplatz wurden überwiegend von Schulen
genutzt.
Das Raumprogramm des
Stadtbades entsprach dem in den 20 Jahren in vielen Hallenbädern
geltenden Standard. Neben Schwimmhalle und den ihr zugeordneten
Umkleide- und Reinigungsräumen war eine großzügige Wannen- und
Brauseabteilung angesichts der mangelnden Ausstattung der Wohnungen
mit Bädern unerlässlich. Auch Heil- und Kurabteilungen wie
Dampfbäder, medizinische Bäder, Wechselbad und Massageabteilung
gehörten zum Standard. Für Sonnen- und Luftbäder gab es an der
Schwimmhalle direkte Zugänge auf südlich und nördlich vorgelagerte
Dachterrassen. Friseur und Erfrischungsraum waren ebenfalls häufig
in den Schwimmbädern. Bis Ende Februar 2000 wurde das Stadtbad als
einziges Hallenschwimmbad der Stadt Brandenburg an der Havel
betrieben. Seit dem steht das Gebäude leer und wartet auf einen
neuen Eigentümer.
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