Geologie der Erdfälle
Erdfälle treten in Gebieten auf, in den der Untergrund aus wasserlöslichen Salz-, Kalk- oder Gipsgesteinen besteht. Diese entstehen meist durch Auslaugungen des Gesteins, wenn Grundwasser diese Gesteine auswäscht. Voraussetzung dazu ist, dass in den Bereich genügend Wasser herangeführt wird und das mit den Auslaugungen versetze Wasser wieder abfließen kann.
Liegt das auflösbare Gestein an der Oberfläche entstehen eher flache Mulden . Liegt es hingegen mehr in der Tiefe wie bei den hier vorliegenden Erdfällen, erfolgt ein schlagartiger Einbruch.
Über eine sehr lange Zeitspanne entwickeln sich unterirdische Höhlensysteme. Gelegentlich kommt es vor, dass die Decke der Höhle die Last des darüber befindlichen Materials nicht mehr tragen kann. Teile der Decke können einbrechen. Setzt sich ein solcher Einsturz bis an die Erdoberfläche fort und der Erdboden sackt ein, entsteht ein Erdfall.
Die Erdfälle von Bilshagen liegen am westlichen Rand des Leinetals, ungefähr auf Höhe der Grenze zwischen dem Hollenstedter und dem Salzderheldener Becken. Die für die Entstehung der Erdfälle relevanten Auslaugungen finden durch Tiefenwasser in den salzhaltigen Schichten des Zechsteines und des Buntsandsteines statt.
Die Entstehung des Buntsandsteins ist dem Trias in einem Zeitraum von vor 243 bis 251 Mio Jahren zuzuordnen.
Insbesondere der Obere Buntsandstein besteht überwiegend aus tonigen und siltigen Sedimenten in die Evaporite (Gips, Anhydrit und Steinsalz) eingelagert sein können. In den Randbereichen kommen auch sandige Lagen vor (z. B. Fährtensandstein). Im Bereich des Leinetals und unserer Erdfälle schalten sich auch kalkige und dolomitische Lagen („Myophoriendolomite“) ein, die beste Voraussetzungen für eine Auslaugung des Gesteins bieten.
Die Entstehung des Zechsteins ist auf das Zechsteinmeer im Perm zurückzuführen. Das Zechsteinmeer war ein flaches Randmeer, das sich im Perm vor etwa 258 Mio. Jahren durch Absenkungsvorgänge der Erdkruste zu bilden begann. Innerhalb von ca. 7–30 Mio. Jahren erstreckte es sich mit einer Fläche von ca. 1 Mio. km² (vergleichsweise ca. 1000 km × 1000 km) über weite Teile Europas. Ein Größenvergleich mit dem schwarzen Meer bietet sich an. Das Gebiet reichte von Mittelengland, Norddeutschland über Polen bis nach Litauen, in Nord-Süd-Richtung von Dänemark über Mitteldeutschland bis in die oberrheinische Tiefebene an den Alpenrand.
Das Zechsteinmeer:

Quelle: Wikipedia
Namensgebend für das Meer sind die Schichten des Zechsteins. Die in Deutschland weit verbreiteten Gesteine bildeten sich aus den Ablagerungen des Zechsteinmeeres bis vor ca. 251 Mio. Jahren. Durch Verschiebungen in der Erdkruste bildeten sich Schwellen (Barren) und wassergefüllte seichte Senken, die weiterhin mit der salzreichen Nordsee verbunden blieben.
Durch Verdunstung des Wassers erhöhte sich darin allmählich die Konzentration der darin gelösten Stoffe. Diese Salze fielen entsprechend ihrer Löslichkeit aus, zunächst die schwer löslichen Calciumsalze (Carbonat und Sulfat), dann das mengenmäßig dominierende Natriumchlorid (als Halit) sowie zuletzt die begleitenden Kalium- und Magnesiumsalze. Über die Barren floss wieder Meerwasser nach und der Untergrund des Beckens sank erneut ab. Die abgelagerten Steinsalzschichten wurden so in manchen Regionen teilweise mehrere Hundert Meter dick.
Für den Bereich des Leinetals zwischen Northeim und Einbeck liegen durch die Bohrung des Ludwigsbrunnens in Sülbeck (hier wird Thermalsole gefördert) sehr genaue Informationen über die Beschaffenheit des Untergrundes bis in eine Tiefe von 400 m vor, die ich hier kurz vorstellen möchte.
| Tiefe |
Bezeichnung |
Entstehung vor
Mio Jahren |
Zeitalter |
| 0 bis 10 m |
Unterer Keuper |
199,6 - 235 |
Trias
|
| 10 bis 36 m |
Oberer Muschelkalk (Tonplatten) |
235 - 238,5 |
| 36 bis 54 m |
Oberer Muschelkalk (Trochtitenkalk) |
| 54 bis 135 m |
Mittlerer Muschelkalk |
238,5 - 240 |
| 135 bis 217 m |
Unterer Muschelkalk |
240 - 243 |
| 217 bis 315 m |
Oberer Buntsandstein (Rot) |
243 - 244,5 |
| 315 bis 395 m |
Oberer Buntsandstein
(mit mehreren Steinsalzschichten) |
| 400 bis 412 m |
Reines Steinsalz |
|
Mittlerer Buntsandstein |
244,5 - 249 |
|
Unterer Buntsandstein |
249 - 251 |
|
Zechstein |
251 - 258 |
Perm |
Erdfälle Bilshagen
Ich möchte dem geologisch interessierten Cacher hier ein paar beeindruckende Erdfälle zeigen, die mir sowohl von der Größe wie auch von der Anzahl in dieser Größe so dicht beisammen im gesamten südniedersächsischen Raum kein zweites Mal bekannt sind.
Nach einer Statistik des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie in Niedersachsen sind 50 Prozent aller Erdfälle im Durchmesser kleiner als zwei Meter, weitere 40 Prozent sind zwei bis fünf Meter groß. 9 % entfallen auf Erdfälle mit einer Größe von 5 - 10 m.
Größer als zehn Meter sind nur etwa ein Prozent aller Erdfälle, was auf die Erdfälle in der Gemarkung Bilshagen zutrifft und diesen Ort zu einem ganz besonderen macht, da alle dort vorhandenen Erdfälle die 10m-Marke mehr als deutlich überschreiten.
Erstmals amtlich erwähnt wurden die Erdfälle am 15. März 1926 bei der Bezirksregierung Hildesheim in der Provinz Hannover und schon damals als Gebiet mit üppiger und teils "eigenartiger" Fauna und Flora beschrieben. Das genaue Alter der Erdfälle ist nicht bekannt.
Bitte beachte, dass der Innenbereich der Erdfälle auf keinen Fall betreten werden muss und darf - Naturschutzgebiet!
Parken kannst Du bei N 51° 43.784 E 009° 53.708 (Hier findest du auch den Cache GCWPGC), von dort sind es ca. 500 m zu Fuß, oder am Ortsrand von Wetze (Strecke zu Fuß ca. 1 km). Ein Befahren der Wege ist nur zu landwirtschaftlichen Zwecken erlaubt.
Für die Logfreigabe beantworte bitte folgende Fragen und sende mir die Antworten per Mail über mein Profil zu.
Logs, die ohne vorherige Übermittlung der Antworten per Mail über mein Profil erfolgen, erlaube ich mir kommentarlos zu löschen.
Aufgabe 1:
Wie viele große Erdfälle konntest Du finden?
Aufgabe 2:
Wie wird in der Geologie der Vorgang genannt, bei dem leicht lösliches Gestein unterirdisch ausgelaugt und verfrachtet wird?
Aufgabe 3:
Messe den Durchmesser des nord-westlichen Erdfalls mit dem GPS. Das Gelände bitte nicht betreten!
Erster Punkt für die Messung ist das Schild "Naturdenkmal" bei N 51° 43.859 E 009° 54.195, gehe westlich am Erdfall zwischen Erdfall und Ackerfurche entlang und messe von der dem Schild gegenüberliegenden Seite (ca. Süd-West-Kante des Erdfalls). Normale Toleranz wird akzeptiert.
Freiwillige Aufgabe:
Über ein Bild von Dir und/oder Deinem GPS vor dem grünen Schild am nord-westlichen Erfall im Log würde ich mich sehr freuen.
Und nun viel Spaß beim Besuchen und Bestaunen der Erdfälle von Bilshagen wünscht
Cinquecento