St. Johannis

Schon bevor Goslar im Jahre 922 offiziell durch Kaiser Heinrich den Ersten gegründet wurde, lebten hier im Bergdorf die „Montanen“, die Bergleute. Das Bergdorf war damit die Urzelle des Bergbaus in der aus mehreren Dörfern neu gegründeten Stadt Goslar. Das alte Dorf war bereits durch Wall und Spitzgräben befestigt und hatte außerdem eine wehrhafte sog. Kirchenburg St. Johannis, die den Einwohnern durch die das Kirchengelände umschließende Immunitätsmauer Schutz und Verteidigungsmöglichkeit bot. Als später die erste steinerne Stadtbefestigung um die neue Stadt errichtet wurde, blieb das Bergdorf wegen der bereits vorhandenen Befestigung außen vor.
Das wurde der Kirchenanlage im Jahr 1527 zum Verhängnis. Es waren nicht das belagernde braunschweigische Heer von Heinrich dem Jüngeren oder eine Brandkatastrophe, die die Kirche vernichteten, sondern die Goslarer Bürger selbst. Mit der starken Immunitätsmauer und dem mächtigen Westwerk hätte die Anlage den Braunschweigern, die die Stadt belagerten, Deckung bieten können und durch die strategische Lage am Hang oberhalb der Stadt bot sich eine besonders gute Stellung für Geschütze. Im Sommer 1527 beschloss der Rat der Stadt daraufhin, die befestigten Kirchen und Klöster auf den Hügeln um die Stadt zu schleifen. Diesem Beschluss fielen auch die Stifte und Klöster St. Georg, St. Peter und Zum Heiligen Grabe zum Opfer.
Der anfängliche Erfolg sowohl dieser Aktion, als auch der Rechtsgesuche an den Kaiser, wurde durch die Wirren der Reformation überholt. 25 Jahre später, im Juli 1552, erzwang der braunschweiger Herzog den Riechenberger „Schandvertrag und Diktatfrieden“, der der Stadt Goslar unter anderem das Recht nahm, die gewonnenen Metalle frei zu verkaufen und so zur Verarmung der Stadt führte.
Nach Ausgrabungen im Jahr 1926 sind hier wieder die Grundmauern der St. Johanniskirche als Umriss zu finden. Leider gibt es keine mittelalterlichen Darstellungen der Kirche, die heute eine zeichnerische Rekonstruktion vereinfachen würden. Die hier gewählte Darstellung mit dem Westquerriegel wird von H. G. Griep für wahrscheinlich gehalten, weil sie im braunschweiger Land häufiger vorkam und die Fundamente leicht südlich versetzt zum Kirchenschiff liegen. Eine zweitürmige Variante ist aber auch denkbar. Aus einem Schreiben des Hildesheimer Bischofs an die Johannisbruderschaft vom 28.12.1260 ist bekannt, dass es in der Kirchenanlage ein Hospital für die Bergleute gegeben haben muss, vermutlich schon vor diesem Termin. Dieses ist in der Rekonstruktion im Obergeschoss des Anbaus an der Nordseite über dem Eingang der Kirche vermutet. Die starken Fundamente deuten auf einen mehrgeschossigen Anbau an dieser Stelle.
Alle Menschen, die im Rammelsberg oder den angeschlossenen Betrieben arbeiteten, mussten von jedem Wochenlohn einen Pfennig in “die Büchse“ legen. Von diesem Geld wurden die „Pfleglinge“ betreut. Damit wurde das Bergdorf in Goslar die Wiege der Sozialversicherung nach dem Solidaritätsprinzip. Im Dezember 2010 wurde anlässlich des 750 jährigen Bestehens der Sozialversicherung ein Gedenkstein auf dem Goslarer Marktplatz aufgestellt.