| ReilWei # 2 |
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| Highlights am
Bahnhof Kufstein |
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1871
5. Januar: Unter dem Donner der
Festungskanonen festlicher Empfang des Österreichischen Kaisers
Franz Josef I. Das Ereignis wurde gebührend gefeiert und war ohne
Zweifel der jungen Eisenbahn zu verdanken. Diese erste Hofreise,
die vermutlich nach Innsbruck und Italien führte, war der Anfang
einer langen Reise von Durchfahrten gekrönter Häupter.
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1872
Beginn des Baues eines
Bahnhof-Aufnahmsgebäudes nach Plänen des Holzbaudirektors Flattich
in Wien. Bauausführung durch Baumeister Wilhelm Köchl aus
Mainz.
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1873
29. Juli: Durchreise des Schah von
Persien mit Hofstaat von Persien nach Wien. 72 Salutschüsse von der
Festung. Ehrenkompanie, sowie Spitzen der Behörden zum Empfang am
Bahnhof. Rückreise am 9. August mit gleichen Zeremonien.
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1874
12. Juli: Das neue Bahnhofsgebäude ist
fertig und wird unter Anteilnahme der ganzen Kufsteiner Bevölkerung
seiner Bestimmung übergeben. Im Saal der von Thomas Suppenmoser
geführten Bahnhofsrestauration versammelten sich nach einem
festlichen Eröffnungsakt die Spitzen der österreichischen und
bayerischen Behörden, das Offizierscorps, sowie Vertreter beider
Eisenbahnverwaltungen zu einer Feier. Bürgermeister Dr. Angerer gab
in seiner Ansprache der Freude über den gelungenen Bahnhofsneubau
gebührenden Ausdruck, der in hervorragendem Maße dem Stadtbild und
der Bedeutung Kufsteins gerecht werde. Das Gebäude hatte 300 000
Gulden gekostet und war für jene Eisenbahnfrühzeit erstaunlich
großzügig geplant. Zweifellos haben schon damals die beiden
benachbarten Bahnverwaltungen gemeinsam geplant, wobei das Prestige
eines Königreiches Bayern und das eines Kaiserreiches Österreich
eine entscheidende Rolle gespielt hatten. Der Großzügigkeit und dem
Weitblick der damaligen Planer ist es zu verdanken, dass die große
und formschöne Anlage, die bis 1978 unverändert geblieben ist, ein
ganzes Jahrhundert lang die Bedürfnisse zweier
Eisenbahnverwaltungen bestens erfüllen konnte. Die beigefügten
ältesten Pläne aus der „Allgemeinen Bauzeitung“ aus
1876 zeigen die klaren, gefälligen Formen und wohldurchdachten
Konzeptionen aller Teile, und die zweckmäßige Symmetrie, die
überall eingehalten ist. Ein Modell des schönen Kufsteiner
Bahnhofgebäudes ist auch bei der Weltausstellung in Paris im Jahr
1876 gezeigt worden. Auch die Gleisanlagen zeigen eine weit
blickende Zweckmäßigkeit, die noch heute anerkannt werden muss,
denn es gab damals schon acht Hauptgleise und zahlreiche
Nebengleise. Ein Umfang, der noch in der Gegenwart die Abwicklung
eines ungeheuer angestiegenen Eisenbahnverkehrs zu bewältigen
vermag.
6. August: Eröffnung der Giselabahn Hallein – Wörgl. Damit
ist u. a. eine bedeutende Reisebeschleunigung von Wien nach Gastein
erreicht, einem der damals beliebtesten Kurorte Österreichs.
17. Oktober: Der Deutsche Kaiser Wilhelm I. mit Gefolge trifft, auf
seiner Sonderzugfahrt in 16 Hofwagen nach Italien, um 8:30 in
Kufstein ein, und nimmt während eines dreiviertelstündigen
Aufenthaltes in der abgesperrten Bahnhof-Restauration das Frühstück
ein.
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1877
Das Verwaltungsgebäude der
Betriebsinspektion der Südbahngesellschaft gegenüber dem Bahnhof
wird seiner Bestimmung übergeben. Hier leitete die
k.u.k.privilegierte Südbahngesellschaft anfangs den Betrieb der
Strecke Kufstein – Ala. Später ging das Gebäude in den Besitz
der Familie Suppenmoser über und wurde zum Hotel
„Gisela“ umgestaltet.
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1883
Eröffnung des „Zeller
Steges“ am 26. September, der die gesamte Bahnhofanlage
überbrückte, damals aber nur einen Abgang zur Ladestraße
hatte.
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Hochblüte bis
zur Jahrhundertwende
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Die Umwälzungen und
Neuerungen, die durch die Eisenbahn in allen Bereichen des Lebens
verursacht wurden, sind heute kaum mehr nachzuempfinden. Alle
nahmen an dem neuen Verkehrsmittel Anteil und die Kufsteiner
liebten ihre Eisenbahn und waren stolz auf ihren Bahnhof. Das
gesellschaftliche Leben in dem Grenzstädtchen hat sich wohl schon
zu früheren Zeiten in besonderen Bahnen bewegt, in diesen
Jahrzehnten aber war alles auf die Eisenbahn ausgerichtet, die zum
Reisen geradezu herausforderte. Da waren die häufigen Durchreisen
gekrönter Majestäten, die auf dem Bahnhof zu sehen und zu
bewillkommen waren. Da gab es die zahlreichen Veranstaltungen und
Feste, Ausflüge von vielen Vereinen und Korporationen – und
alles begann und endete auf dem Bahnhofplatz! Neue Bahnprojekte
bewegten die Öffentlichkeit und wurden jahrzehntelang hartnäckig
vertreten: so war eine Lokalbahn nach Kössen und Reith im Winkel
mit genauen Plänen fertig projektiert. Sie sollte vom Streckengleis
nach Rosenheim in km 33,6 abzweigen, den Inn auf einer Eisenbrücke
überqueren und Niederndorf, Ebbs und Walchsee berühren. Aber obwohl
alle beteiligten Gemeinden bindende Zusagen über finanzielle
Beteiligungen abgegeben hatten, wurde seitens des
Eisenbahnministeriums schließlich dem Bau der Mittenwaldbahn der
Vorzug gegeben. Ähnlich erging es dem Projekt einer Bahnlinie von
Kufstein über Thiersee nach Bayrisch-Zell, sowie Plänen für eine
elektrische Bahn durch das Kaisertal nach Hinterbärenbad und auf
die Gruttenhütte. Auch hier scheiterten die Pläne an der
Finanzierung.
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Einschneidend waren auch die Änderungen im
Wirtschaftsleben:
Da gab es vor
allem die aufstrebende Zementindustrie, die die Versendung ihrer
Produkte vom Pferdefuhrwerk und Innschiff auf die Eisenbahn
umzulegen strebte. Vorher war zunächst das gar nicht einfache
Problem des Transportes zum Bahnhof zu lösen, gab es doch damals
bloß Saumwege und äußerst primitive Fahrwege aus den
Gebirgsschluchten heraus.
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Die Perlmooser
A.G. (früher Kink)
Endach hatte schon immer eine Rollbahn zur Innlände betrieben.
Diese wurde nun am Innufer weitergeführt. 1883 wurde eine eiserne
Brücke über den Inn fertig, die am Südende des Bahnhofes (neben der
heutigen Wendlinger-Brücke) einmündete, wo, innseitig, ein
Zementlager mit Laderampen und Gleisanschluss gebaut wurde. Das
Gleis 5b wurde noch lange im Eisenbahner-Jargon das
„Perlmoosergleis“ genannt, obwohl die Firma schon lange
nicht mehr in Kufstein verladen und die Anlagen längst verschwunden
sind. Reste der Brückenpiloten kann man bei Niederwasser noch jetzt
im Innbett südlich der „Neuen Brücke“ sehen.
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Die
Firma Kraft-Saulich A.G.
Diese Firma begann etwa zur gleichen Zeit mit dem Bau einer
Drahtseilbahn vom Eiberg zum Bahnhof, wo zellseitig, südlich des
Straßenüberganges ein Zementlager „Kraft“ mit Laderampe
errichtet wurde, das mit einer Schleppbahn (Stumpfgleis) an die
Bahnhofgleise angeschlossen war. Diese Anlagen waren bis in die
20er-Jahre des letzten Jahrhunderts in Betrieb, noch lange hielt
sich der Ausdruck „Kraftgleis“ bei den Verschiebern.
Das Schleppgleis wurde 1966 von den ÖBB erworben. Das Gebäude der Seilbahn-Endstation stand
noch lange. Aus dem ursprünglichen barackenartigen
Zementlager Kraft ist nach 1945 das Gebäude der Gewürzmühle
„Moguntia“ entstanden, das 1973 Eigentum der ÖBB
wurde und im Zuge
des Bahnhofneubaues im Jahr 1982 abgerissen
wurde. |
Handelshaus Reisch:
Auch der Handel wandte sich schnell der Eisenbahn zu. Das junge,
aufstrebende Handelshaus Reisch („Andreas Hofer“)
eröffnete am 11. April 1895 eine Schleppbahn zur Bedienung seines
in der Karl-Kraftstraße gelegenen Lagerhauses. Das Gleis zweigte
vom Bahnhofgleis I, südlich des Aufnahmsgebäudes ab. Es bestand bis
zum Jahr 1963. |
Die
Speditionen:
Der Aufschwung des Speditionsgewerbes, das für den
grenzüberschreitenden Vekehr damals unentbehrlich war, führte zur
Ansiedlung und Gründung zahlreicher Speditionsfirmen. Die
bedeutendste, Dillersberger, baute 1912 ein Lagerhaus gegenüber dem
östereichischen Zollamt in der Ladestraße. Die Spedition Albarelli
besaß einen Eiskeller am Birnberg und versorgte regelmäßig die
verderblichen Sendungen aus Italien mit frischem Natureis, das aus
den nahen Seen während der Wintermonate geschnitten wurde. Das
Lagerhaus Dillersberger verschwand 1974. |
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1900
Die Gleisanlage des gesamten Bahnhofes
wird erneuert und gleichzeitig bedeutend
erweitert.
1901
Fertigstellung der lektrischen
Beleuchtungsanlagen als einer der ersten Bahnhöfe Österreichs. Wir
Heutigen können die Bedeutung dieser Errungenschaft kaum richtig
beurteilen, doch war der Schritt von der Öl- und
Petroleumbeleuchtung zum elektrischen Licht zweifellos
revolutionierend.
1905
Ab 1. Juni verkehrt ein direkter Wagen
Kufstein – Rosenheim – Salzburg. Die Anregung ging von
der Stadtgemeinde Kufstein aus und wurde vom Königlich bayerischen
Verkehrsministerium genehmigt. Dieser erste Korridorverkehr
erfreute sich großer Beliebtheit bis zum Weltkrieg.
1906
Beginn des Baues eines zweiten
Streckengleises Rosenheim – Kufstein.
1913
Bau der Eibergstraße.
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Vor
1900
Es ist nicht
bekannt, wie viele Bedienstete vor dem ersten Weltkrieg im Bahnhof
Kufstein Dienst versahen. Die Zahl dürfte trotz der damals üblichen
14- 18stündigen Dienstschichten ganz ansehnlich gewesen sein, waren
doch von allem Anfange an für die österreichische und für die
bayerische Eisenbahn eigene Bedienstete eingesetzt. Es gab nicht
nur einen k.k. österreichischen und einen kgl. bayerischen
Stationsvorstand, sondern eigene Zug-Expeditoren
(=Fahrdienstleiter), Platzmeister (=Verschubmeister) und
Verschieber, Personenkassiere, Güterkassiere, Wagenschreiber,
Magazinsbeamte und –arbeiter usw. Die im Aufnahmegebäude
(Nordflügel) vorhandenen Wohnungen wurden ausschließlich von
bayerischen Beamten bewohnt, während die Österreicher das
„Beamtenhaus“ (an Stelle des späteren und mittlerweile
abgerissenen Wohnhauses Südtirolerplatz 12 – neben dem alten
Zeller-Steg) bewohnten.
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Der Erste
Weltkrieg
stellte die
Eisenbahnen auf die härteste Probe seit ihrem Bestehen. Noch nie
dagewesene Beförderungsleistungen wurden erbracht. Die Mobilmachung
im Jahre 1914 wurde nicht zu Unrecht als die erste gewonnene
Schlacht des Weltkrieges bezeichnet.
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Nachkriegszeit
Der Zusammenbruch
und Zerfall der Donau-Monarchie brachte denkbar ungünstige
Veränderungen. Die Abtrennung der Adria-Häfen wirkte sich im
Transportumfang der Südbahn katastrophal aus, die über Nacht zu
einer sehr kurzen Durchgangsstrecke herabsank. Inflationen in
Österreich und Deutschland ließen die Hoffnung auf den als längst
fällig erkannten Neubau des Bahnhofes Kufstein vollends in
nebelhafte Ferne entschwinden.
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Das Jahr 1924
brachte endlich die Übernahme der ehem. k.u.k.priv.Südbahn durch
die Österreichische Bundesbahnen. Damit war das finanzielle
Schicksal vieler Südbahner gesichert.
In den Jahren
1925/1926 wurde der Bahnhof Kufstein und die anschließenden
Strecken für den elektrischen Betrieb ausgebaut.
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Der Bahnhof
Kufstein zur Zeit des Zweiten Weltkrieges
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Die politische
Entwicklung, die am 13.3.1938 die militärische Besetzung
Österreichs zur Folge hatte, brachte für den Bahnhof Kufstein die
größten Veränderungen in seiner bereits 80jährigen Geschichte.
Buchstäblich über Nacht wurde aus einem Grenzbahnhof, in dem ein
minuziös arbeitendes Übergangs-, Kontroll- und Abrechnungssystem
zweier Bahnverwaltungen aufgebaut war, ein Binnenbahnhof der
Deutschen Reichsbahn. Betrieblich dürfte es hierbei, von
personellen Veränderungen abgesehen, kaum Schwierigkeiten gegeben
haben. |
| Die mit
dem Umsturz einsetzenden gewaltigen Anforderungen an die
Eisenbahnen führten zu einem raschen Ausbau von Bahnhof und
Strecke. Verbesserungen der Sicherungsanlage, elektrische
Weichenheizung (1941 gebaut, bis 1955 in Betrieb). Im
Bahnhofgelände entstanden während der Kriegsjahre eine Reihe von
„Provisorien“: Eine Baracke für ein
Wehrmachtsversorgungslager nördlich der jetztigen Innbrücke; durch
Verlängerung des Schleppgleises Kraft mit Gleisanschluss versehen.
Dieser Gleisteil hieß unter den Verschiebern lange danach noch
„Wehrmachtgleis“. Zwei weitere Baracken wurden nächst
dem Stellwerk 2 als „Ostarbeiter-Baracken“ aufgestellt
(bewohnt bis 1960). An den Weichenköpfen wurden kleine
Verteidigungsbunker gebaut (Reste
waren noch lange erhalten) |
Auch von
unmittelbaren Kriegseinwirkungen blieb unser Bahnhof nicht
verschont. Im letzten Kriegswinter, am 4.11.1944 um 13:30 Uhr
wurden Stadt und Bahnhof Kufstein von 36 Anglo-amerikanischen
Flugzeugen, die aus Richtung Kaisertal anflogen, angegriffen. Bei
dem nur 3 Minuten dauernden Angriff fielen auf das Bahnhofsgelände
18 Sprengbomben und etwa 500 Brandbomben. Hiebei wurde total
zerstört: das Beamten-Wohnhaus Südtirolerplatz 12, in dem 9
Menschen getötet und 5 schwer verletzt wurden; ferner wurde der
Steg und das GA-Gebäude (früher Hauptzollamtsgebäude) vollkommen
zerstört. Durch die Brandbomben wurden fast alle südl. des Stegs
gelegenen Objekte beschädigt und auch mehrere Güter- und
Personenwagen. Auch die Gleisanlagen und Fahrleitung erlitten
nachhaltige Beschädigungen.
Bei weiteren Fliegerangriffen am 4.1.1945 und 20.4.1945 entstanden
an Bahnhof-Objekten keine größeren Schäden. |
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Achtung! Wichtig!
Das Überschreiten der Gleisanlagen ist absolut
verboten und außerdem lebensgefährlich!!! Bitte benützt die
vorgesehene Unterführung! Auch ist auf die gelben Linien am
Bahnsteig zu achten. Es fahren hier Züge mit hoher Geschwindigkeit
durch, die dadurch entstehende Sogwirkung kann einen Menschen zum
Zug ziehen.
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Quelle: ÖBB
Infrastruktur AG, Netzbetrieb West
Mit freundlicher Genehmigung der ÖBB Pressestelle
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