Dolinenfeld
Allgemeines
Aufmerksame Spaziergänger haben sicher schon tiefere Mulden bemerkt, die sich in einer ansonsten weitgehend ebenen Landschaft befinden. Häufig kommen die Mulden auch in Gruppen vor – es liegen also mehrere Mulden unmittelbar nebeneinander.
Derartige Mulden finden sich in Karstgebieten, also in Gebieten, in denen (wasser-) lösliche Gesteine vorhanden sind. Bei den Mulden kann es sich um Dolinen oder um Erdfälle handeln.
Was zu sehen ist
An diesem Ort seht ihr zwei typische Dolinen (siehe Figur 1), die zusätzlich weitere geologische Eigenschaften aufweisen.
Zum einen weisen die beiden Dolinen Zuflusskanäle auf (siehe Figur 2).
Zum anderen sind in den Dolinen, sowie in den Zuflusskanälen zum Teil Terrassenschotter (siehe Figur 3) aufgeschlossen.
Doline 1 ist an den Koordinaten N 48°55.192 E 9°02.570, Doline 2 unmittelbar daneben an den Koordinaten N 48°55.180 E 9°02.551 zu finden. In der unmittelbaren Umgebung finden sich jedoch noch weitere Dolinen, die zum Teil jedoch nicht gut zugänglich sind. Insbesondere findet sich bei N 48°55.192 E 9°02.645 eine dritte, wassergefüllte Doline. Eine solche Gruppe von Dolinen wird auch als Dolinenfeld bezeichnet.
Entstehung des Oberflächengesteins
Hier im Oberriexinger Wald ist das vorherrschende Oberflächengestein der so genannte Lettenkeuper. Der Lettenkeuper (auch unterer Keuper oder Unterkeuper genannt) wurde im Zeitraum zwischen ca. 230 und 232 Millionen Jahren vor unserer Zeit abgelagert. Er bildet eine Untergruppe des Keupers (ca. 200-232 Millionen Jahre vor unserer Zeit).
Der Keuper bildet zusammen mit dem Muschelkalk und dem Buntsandstein die Gesteine des Germanischen Trias aus (die Bezeichnung Trias ist vom lateinischen Wort für drei abgeleitet). Diese Gesteine sind die am häufigsten vorkommenden Oberflächengesteine auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland.
Die drei Gesteine des Trias sind so genannte Sedimentgesteine, wobei sich die Art und Herkunft der Sedimente voneinander unterscheiden.
Beim Keuper handelt es sich um Ablagerungen in Süßwassergebieten (also Muschelschalen von Süßwassermuscheln, Überreste von Süßwasserfischen, Flusssedimente und dergleichen).
Dagegen handelt es sich beim Muschelkalk um Ablagerungen in einem (Salzwasser-) Meer (beispielsweise Muschelschalen von Seemuscheln) und beim Buntsandstein um durch Wind angelagerte Sedimente (beispielsweise verwehter Sand).
Unabhängig von der Herkunft der jeweiligen Sedimente entstanden aus den Sedimenten unter Druck- und Temperatureinwirkung im Laufe der Zeit (mehrere Millionen Jahre) kompakte Gesteine. Aufgrund der Entstehungsweise der Gesteine durch Ablagerung und Verdichtung von Sedimenten sind dabei sehr häufig schichtartige Strukturen vorhanden.
Sowohl die Gesteine des Keupers, als auch die Gesteine des Muschelkalks sind aufgrund ihres hohen Kalkgehalts wasserlöslich (zumindest in geologischen Zeiträumen). Dagegen ist Buntsandstein nicht wasserlöslich.
Entstehung von Dolinen und sonstigen Verkarstungserscheinungen
Falls im Gestein durch geologische Störungen in einem bestimmten Gebiet Risse entstehen, so kann Wasser durch diese Risse hindurch treten (siehe Figur 4a). Mit der Zeit wird durch das Wasser zunehmend Gestein gelöst und abgetragen, so dass sich an der Oberfläche eine trichterförmige oder schalenartige Mulde ausbildet (siehe Figur 4b, 4c). Diese Mulden wirken nunmehr wie eine Art „natürlicher Gully“, so dass sich die Mulde weiter vertieft. Dabei können auch deutlich sichtbare, vertiefte Zuflusskanäle (siehe Figur 5) entstehen – denn auch hier wird Gestein gelöst und abgetragen. Manchmal werden in eine "fertige" Doline auch wasserundurchlässige Sedimente (beispielsweise Ton oder Lehm) eingeschwemmt, so dass der Abfluss verstopfen kann. Hierdurch können wassergefüllte Dolinen entstehen (siehe Fig. 4d).
Von der Definition her entstehen Dolinen an der Oberfläche. In der Praxis werden jedoch häufiger auch Erdfälle als so genannte "Einsturzdolinen" bezeichnet und mit Dolinen gleichgesetzt. Erdfälle entstehen, wenn sich Höhlen in der Nähe der Oberfläche ausbilden, und irgendwann die Decke mangels Tragfähigkeit einstürzt. Auch hier handelt es sich um typische Folgen eines Verkarstungsprozesses.
Eine weitere mögliche Folge von Verkarstungsprozessen ist die Bildung von Höhlen, die sich tief in der Erde befinden und deren Decke noch nicht eingestürzt ist. Solche Höhlen sind häufiger beliebte Ausflugsziele.
Dolinen können gewaltige Dimensionen erreichen. Es gibt Dolinen mit einem Durchmesser von mehreren Kilometern und einer Tiefe von bis zu 300 m. Die Exemplare vor Ort sind allerdings ein wenig kleiner.
Weitere geologische Eigenheiten vor Ort
Sowohl in den beiden genannten Dolinen, als auch in den Zulaufkanälen zu den Dolinen sind zum Teil abgerundete bis kugelförmige Steine mit unterschiedlicher Färbung zu erkennen (siehe Figur 3). Die unterschiedliche Färbung der Steine spricht für unterschiedliche Gesteinsarten. Der Kugelschreiber dient als Größenmaßstab. Die Vielzahl von unterschiedlichen Gesteinsarten wiederum spricht dafür, dass diese durch Transportprozesse hierher gebracht wurden. Die Größe und die abgerundete Form der Steine spricht dafür, dass diese einmal in fließenden Gewässern transportiert wurden. Dementsprechend werden diese Steine als Terrassenschotter der nahe gelegenen Enz interpretiert.
Unterscheidung von Bombentrichtern
In deutschen Wäldern finden sich manchmal auch Bombentrichter (welche in aller Regel aus dem Zweiten Weltkrieg stammen). Die Unterscheidung zu Dolinen und Erdfällen ist recht logisch: bei Bombentrichtern wurde die im Bombentrichter vorhandene Erde hochgeschleudert, und zu einem den Bombentrichter umgebenden Erdwall aufgetürmt.
Dagegen findet sich bei Dolinen und Erdfällen kein Erdwall, da das Gestein "vollständig entfernt" wurde.
Wegehinweise
Ein geeigneter Parkplatz befindet sich bei N 48°55.922 E 9°03.030. Von hier aus gelangt man über N 48°55.730 E 9°02.985 - N 48°55.468 E 9°03.025 - N 48°55.393 E 9°02.581 auf asphaltierten Wegen oder auf gut ausgebauten Waldwegen bis zu Doline 1 und Doline 2. Bis unmittelbar vor Ort ist die Strecke Fahrradtauglich und Kinderwagentauglich. Die letzten Meter gehen jedoch ins Gelände.
Von Süden her kommend (Talhausen oder Aichholzhof) bietet sich mit dem Fahrrad die Strecke N 48°54.953 E 9°03.210 - N 48°54.936 E 9°02.769 - N 48°54.954 E 9°02.460 an.
Von Doline 1/2 zu der wassergefüllten Doline geht man am besten über den Verbindungsweg bei N 48°55.222 E 9°02.551 - N 48°55.192 E 9°02.662.
Die Aufgaben (Logbedingungen)
- Wie alt ist das Gestein, auf dem ihr euch bewegt?
- Welchen Durchmesser und wie tief sind die beiden Doline 1 und Doline 2 etwa?
- In welcher Himmelsrichtung liegt der Zulaufkanal von Doline 1 sowie von Doline 2?
- Auf was für einem Gestein steht ihr? Welche besondere Eigenschaft des Gesteins ist für eine Dolinenbildung erforderlich?
- Nenne ein (weiteres) Gestein, bei dem eine Dolinenbildung möglich ist, sowie ein Gestein, bei dem eine Dolinenbildung nicht möglich ist.
- Es ist eine schöne Tradition, bei einem Earthcache mit einem Foto zu loggen. Macht deshalb bitte (optional) ein Foto von euch oder von eurem GPS (oder auch einem Kuscheltier oder sonst irgendwas zur Individualisierung) vor der Doline oder irgend einem markanten Teil des Dolinenfeldes.
Die Antworten bitte vorab an mich und auf Logfreigabe warten.
Und nein – es gibt vor Ort keine Schilder, von denen man irgendetwas abschreiben könnte. Geologie findet hin und wieder auch ohne Schild statt 
Dolina Field
General
If you're strolling watchfully through the landscape, you might have noticed craters that are present in an essentially flat area. Quite often, these craters come along in groups – in other words, several craters are lying close to each other.
Such craters can be found in karst areas, i.e. in areas in which (water) soluble stones are present. The craters can be either dolinas (also referred to as sinkholes) or depressions.
What you can see
At this location you can find two typical dolinas (see figure 1), that are showing some additional geological features.
Firstly, both dolinas show influx channels (figure 2).
Secondly, at some locations within the dolinas as well as within the influx channels you can see terrace gavel (see figure 3).
Dolina 1 can be found at the coordinates N 48°55.192 E 9°02.570, while dolina 2 can be found close by at the coordinates N 48°55.180 E 9°02.551. In the near vicinity, you can find even more dolinas, where some of these dolinas are not easily accessible. In particular, at N 48°55.192 E 9°02.645 you can find a third dolina that is filled with water. Such a group of several dolinas is referred to as dolina field.
Creation of the surface rock
Here in the Forest of Oberriexingen the predominant surface rock is the so-called Letten-Keuper. The Letten-Keuper (also referred to as lower Keuper) was created between approximately 230 and 232 million years before our time. It is a part of the Keuper era (approximately 200 to 232 million years before our time).
Together with the Muschelkalk (shell lime stone) and the Buntsandstein, the Keuper forms, the three rocks of the Germanic Triassic era (where the notion Trias comes from the Latin word for three). These rocks are of the type of rock than can be most often found on the surface in the area of today's Federal Republic of Germany.
All three rocks of the Triassic era are so-called sedimentary rocks, where the generation and the origin of the sediments differ from each other.
Keuper comes from sediments in sweetwater areas (for example shells of sweetwater mussels, remains of sweetwater fish, river sediments and so on).
Contrary to this, Muschelkalk (“shell lime stone”) comes from sediments in (salt water) oceans (for example shells of sea mussels), while Buntsandstein (“colored sandstone”) comes from sediments in dry areas, for example sediments that were transported by wind (for example sand that was drifted by wind).
Independently of the origin of the respective sediments, the resulting compact rock was created from these sediments by pressure and temperature influence over time (several million years). Due to the way how the rock was created (i.e. by sedimentation and solidification), one can typically see layered structures.
Keuper, as well as Muschelkalk are water soluble due to their chalk contents (at least in geological time spans). On the contrary, Buntsandstein is not water soluble.
Creation of Dolinas and other Karst effects
If fractures are created in a certain area of the rock due to geological disturbances, water can pass through these fractures (see figure 4a). With time, more and more rock is drained and carried away, so that finally a funnel-shaped or bowl-shaped crater is generated at the surface (see figure 4b, 4c). The craters can now act as a kind of "natural gully", so that the craters are further excavated. During this process, recessed water channels (see figure 5) that are clearly visible can be formed, since even here rock is drained and carried away. sometimes, the drain within the dolina can get clogged by inflowing, non-water permeable sediments (for example clay). In such case, water filled dolinas can form.
By definition, dolinas are purely surface structures. Quite often, however, even so-called depressions are referred to as a "collapsed dolina" or "collapsed sinkhole" (even by professional geologists), so that the notion “dolina” is used interchangeably for both phenomena. Depressions are created if caves are formed just below the surface and at some point the roof of the cave collapses due to instability. The creation of depressions is another typical consequence of a karst process.
Another possible consequence of a karst process is the generation of caves that are sufficiently below the surface, so that their roofs did not collapse. Nowadays, such caves are quite often tourist attractions.
Dolinas can have impressive dimensions. There are dolinas around with a diameter of several kilometres and a depth of up to 300 m. The dolinas "on-site" are a bit smaller, however.
Further geological features at the site
Both within the two mentioned dolinas, as well as in the influx channels to the dolinas one can see rounded to ball-like stones with different colours at certain spots (see figure 3). The different colours of the stones indicates different types of rock. The pen is used as a scale. The variety of different rock is an indication that these rocks have been transported by transport processes to the present site. The size and the rounded form is an indication that the rocks were carried along by running bodies of water. Consequently, these rocks are interpreted to be terrace gravel of the nearby river Enz.
Distinction from bomb craters
In German forests one can sometimes find bomd craters (essentially from the Second World War). The distinction between bomb craters on one hand and dolinas and depressions on the other hand is quite logic: at a bomb crater, soil of the later bomb crater was hurled up, forming an earth wall around the crater. On the contrary, with dolinas and depressions such an earth wall is missing, since the soil was "completely removed".
Directions
A suitable parking space is located at N 48°55.922 E 9°03.030. from here, you can proceed on tarmac or well-built forest roads via N 48°55.730 E 9°02.985 - N 48°55.468 E 9°03.025 - N 48°55.393 E 9°02.581 to dolina 1 and dolina 2. Apart from the last couple of metres, the ways are suitable for bicycles and strollers. The last few metres, however, are off-road.
If you are coming from the south (i.e. Talhausen or Aichholzhof; preferably by bicycle) you can proceed via N 48°54.953 E 9°03.210 - N 48°54.936 E 9°02.769 - N 48°54.954 E 9°02.460.
Between dolina 1/2 and the water filled dolina, I suggest the interlinking path at N 48°55.222 E 9°02.551 - N 48°55.192 E 9°02.662.
The questions (log conditions)
- How old is the rock, on which you are walking?
- What is the diameter and the depth of dolina 1 and dolina 2 approximately?
- In which geographic direction are the influx channels of of dolina 1 and dolina 2 located?
- On what type of rock are you standing? Which unique characteristic of the rock that prerequisite for the generation of dolinas?
- Please name (another) type of rock with which the generation of dolinas is possible and a type of rock with which the generation of dolinas is not possible.
- It is a nice tradition to log an Earthcache with a picture. So please (optionally) take a picture of your GPS or of you (or a stuffed animals or whatever for individualization) in front of one of the dolinas or another characteristic site of the dolina field.
Please send the answers to me in advance and wait for my clearance.
And just to be completely clear about this: there are no signs around from which you could copy some words. Sometimes geology is occurring, even without signs 