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Geschichte - fast zum Anfassen Traditional Cache

Hidden : 7/17/2013
Difficulty:
1.5 out of 5
Terrain:
1 out of 5

Size: Size:   micro (micro)

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Geocache Description:

Die geologische Geschichte des Plaggenesch zeigt euch der Earthcache

Hinter dem Plaggenesch steckt viel mehr Geschichte als auf den ersten Blick erkennbar ist.

Beginn der Plaggenwirtschaft

Begonnen wurde mit der Plaggenwirtschaft, auch als Eschkultur bezeichnet, ungefähr ab dem Jahr 1000 n. Chr.. Zuvor war auf den sandigen Böden Nordwestdeutschlands die Brandrodung mit regelmäßig wechselnden Siedlungsplätzen entlang von Flussläufen üblich.

Als Grund für diese Änderung der Bewirtschaftungsform lassen sich mehrere Entwicklungen nennen, welche in wechselseitigen Beziehungen zu einander standen oder sich entsprechend bedingen.

Quelle: http://satgeo-muenchen.de/geomuc/kultur/siedlungen/klimaschwankungen.jpg

Um ca. 800 n. Chr. begann das Klimaoptimum des Hochmittelalters. Dies führte zu einem Anstieg der Bevölkerung in Mitteleuropa.

Quelle: http://www.waldwissen.net/lernen/forstgeschichte/lwf_nachhaltig_mittelalter/lwf_nachhaltigkeit_mittelalter_2003_1.jpg

Dieser Anstieg machte nun auch die Bewirtschaftung der für den Ackerbau eher ungeeigneten Sandböden der norddeutschen Geest und des Münsterlandes notwendig. Zum Einen brauchten die Menschen neuen Siedlungsraum, zum Anderen mussten diese Menschen auch ernährt werden.

Mit der Einführung des Lehenssystems durch Karl Martell (geb. ca. 688, gest. ca. 741)  Merowingischer Hausmeier und Begründer der Karolinger-Dynastie) wurden die Bauern unfrei und einem Lehnsherren fronpflichtig. Nach den Sachsenkriegen wurde das Lehnsystem und der christliche Glaube durch den Sieger Karl den Großen (768 – 814 n. Chr.) auch in unserer Region eingeführt. Dies hatte zur Folge, dass die Bauern ein erbliches Nutzungsrecht an „Ihrem“ Hof erhielten und nun Abgaben an den Herrn sowie an die Kirche (Kirchen-Zehnt) sowie Fron- und Wehrdienste leisten mussten. Um die Erträge auf den „schlechten“ Böden zu sichern und zu verbessern begannen die Bauern ab dem 10. Jahrhundert ausgewählte Ackerflächen in Gemeinschaftsarbeit mehrerer Familien mit sogenannten Plaggen zu düngen. Diese dauerhafte Bindung an eine Scholle führte zur Entstehung von Dauersiedlungen.

Die gesamte nutzbare Fläche gehörte als Allmende einem festen Dorfverband, wobei aber auch hier die statushohen Bauern die Flächen in der Mitte des Eschs besaßen und zugezogene Neusassen (= Neubauern) auf den Rand verwiesen wurden. Der Unterschied zur Dreifelderwirtschaft bestand darin, dass der Esch wie ein großes Feld bewirtschaftet wurde, an dem jeder Mitteilhaber zwar seine Parzelle besaß und deren Ernte einlagerte, aber bei der Bewirtschaftung der gesamten Fläche mithalf.

(© Dr. Dierkes 2000/2001 Tierhaltung, Pflanzenzucht und landwirtschaftliche Anbaumethoden im späten Hochmittelalter)

Als Siedlungsformen entwickelten sich in Westfalen so die Drubbel aus 3 – 15 Höfen in lockerer Anordnung. Diese entstanden durch Hofteilung und Zusiedlung aus der germanischen Einzel- und Doppelhofsiedlungen als Ringdrubbel oder als Haufendorf.

Quelle: http://satgeo-muenchen.de/geomuc/kultur/siedlungen/drubbel.jpg

Aus den westgermanischen Rechten entstammt ein zur Organisation der gemeinschaftlichen Bewirtschaftung und als Vertreter des Lehnsherren ernannter Schultheiß oder Schuldheiß (von althochdeutsch: sculdheizo „Leistung Befehlender“) Dieser sorgte im Auftrag seines Herren für die Einziehung der Abgaben von den Mitgliedern einer Gemeinde und für die Einhaltung anderer Verpflichtungen (z. B. Wehr- oder Frondienste). Zudem war oft auch Richter der niederen Gerichtsbarkeit und bestimmte neben den Saat- und Erntezeitpunkten den Weidgang und auch die Arbeitsverteilung z. B. bei der Unterhaltung der Wege und Zäune und dem Bau von Gebäuden.

Plaggen als Wirtschaftsfaktor

Durch die über Jahrhunderte hohe Nachfrage nach Plaggenmaterial musste die Entnahme schon früh geregelt werden. Der wahrscheinlich älteste urkundliche Nachweis der Entnahme von Plaggen datiert in das Jahr 1316 aus der Gegend Dülmen-Coesfeld. Aus dem Raum Lienen liegen Aufzeichnungen vor, die bis in das Jahr 1598 zurückreichen und von dem Erwerb des Rechts zum Plaggenhieb gegen Bezahlung berichten. Dem entgegen wurde das unrechtmäßige Plaggenstechen um 1616 mit empfindlichen Geldbußen bestraft.

Um 1800 gab es in Lienen landwirtschaftliche Lohnunternehmer, die Plaggen ausbrachten und unterpflügten. All dies zeigt, welche große Bedeutung die Plaggenwirtschaft für den einzelnen Bauern, aber auch für die Dorfgemeinschaft hatte.

Durch die zunehmende Bevölkerung, den Anstieg der Herdengrößen und deren Weiderechte (Stoppel- und Brachweide), den Flurzwang und die Aufsplittung der Feldflure durch Vererbung wurden gegen den Widerstand der Markennutzer stetig neue Felder durch Rodung oder Urbarmachung der getreidefähigen Boden der Marken als sogenannte Ackerkämpe in Nutzung genommen. Hierdurch wurden die Marken immer weiter ausgedehnt und erreichten bald die Grenzen der Dorfgemeinschaft.

Da die Marken oft von verschiedenen Dorfgemeinschaften genutzt wurden, kam es immer wieder zu Streitigkeiten in Bezug auf Grenzverläufe, Weide-, Hude-, und Plaggenrechte unter den jeweiligen Dörfern, aber auch unter den Bauern einzelner Gemeinschaften selbst. Bei mehreren Zwischenfällen waren sogar Todesopfer zu beklagen.

Dies zeigt, wie schmal die Lebensgrundlage der Bauern war, die zudem stets durch Dürren, Unwetter und Überschwemmungen bedroht wurde.

Ende der Plaggenwirtschaft

Angestoßen in der napoleonischen Besatzungszeit und durch preußische Reformen weitergeführt vollzog sich mit der Bauernbefreiung ein politischer Umbruch, welcher die Bauern aus ihrer Abhängigkeit gegenüber ihren Lehnsherren befreite und durch die Ablösung zu Grundbesitzern machte.

Hierbei hatten insbesondere die Verkoppelung und die Gemeinheits- oder Markenteilung weitreichende Folgen für die Dorfgemeinschaft. Bei der Verkoppelung wurden die Ackerflächen ähnlich einer Flurbereinigung neu aufgeteilt und aus wirtschaftlicher Sicht zusammengefasst. Da diese Verteilung gerecht erfolgen sollte, brauchte es lange und war mit viel Streit unter den Dörflern verbunden.

Parallel dazu wurden auch viele Marken bzw. Allmenden unter den freien Bauern aufgeteilt oder von sogenannten Markköttern oder Markbauern (Teilweise Erben der Althöfe) neu besiedelt. Auch dieser Prozess benötigte viele Jahre. Die Aufteilung erfolgte unter Berücksichtigung der Bodenarten, welche in unterschiedliche Klassen eingeteilt wurden. Oftmals führte die Neuverteilung auch zu einer Neuordnung des Wege- und Grabennetzes. Die neuen Eigentümer begannen sich nun auch um die verödeten Flächen zu kümmern und ergriffen Gegenmaßnahmen durch Aufforstung, als im Laufe des 19. Jahrhunderts z. b. Wanderdünen begannen, Ortslagen zu bedrohen. Zudem wurde Holz in vielen Bereichen ersetzt (Kohle, Metall, Stein, Chemie), was erstmals eine geregelte Forstwirtschaft ermöglichte. In dieser Zeit wurden auch die ersten Nadelhölzer als Kulturholz eingeführt.

Neben den politischen Neuerungen brachte die einsetzende Industrialisierung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts für die Bauern weitere tiefgreifende Veränderungen. Durch das Tiefpflügen mit Dampfmaschinen und dem Einsatz von Kunstdünger gelang die Urbarmachung der Heide. Feuchtgebiete wurde durch Drainage und Entwässerung nutzbar gemacht. Zwischen 1850 bis 1900 ging dann auch noch der Wollpreis soweit zurück, dass eine intensive Schafzucht nicht lohnte und größere Herden abgeschafft wurden. Mit dem vorschreitenden Ausbau der Eisenbahn erhielt der ländliche Raum ein geeignetes Transportmittel für Massengüter. Auch der Straßenausbau wurde stetig verbessert.

Durch den Import von Exportgetreide z. B. Gerste aus Russland, waren die Bauern nicht mehr von der eigenen Futtermittelherstellung abhängig. Gleichzeitig konnten über die Eisenbahn die Agrarprodukte schnell in die absatzsicheren Ballungszentren der Industriestädte gebracht werden. Dort wuchsen die Bevölkerungszahlen und die Einkommen stetig an. Die wachsende Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten führte zur Erhöhung der Tierbestände. Durch den Wegfall des Flurzwanges konnten die Bauern nun eigenständig entscheiden, was in welcher Fruchtfolge angebaut wurde. Die Kartoffel wurde zum Grundnahrungsmittel und konnte zudem neben Getreide als Mastfutter für die Schweine verwendet werden. Für das Milchvieh wurde Klee und Heu angebaut. Da die Weideflächen dem Acker weichen mussten, blieben die Tiere mehr und mehr im Stall. Der dort konzentriert anfallende Kot verbesserte die Düngung der Äcker zusätzlich. Die gesamte landwirtschaftliche Produktion konnte deutlich gesteigert werden. Dies alles führte zur Änderung der Bewirtschaftungsformen der Eschflure und letztlich zum Ende der Plaggenwirtschaft um spätestens 1930.

Gesellschaftliche Folgen der Plaggenwirtschaft

Während der Stand der freien Bauern durch die Bauernbefreiung einen Aufschwung erfuhr, traf die Gemeinheitsteilung und die Verkoppelung die landlose dörfliche Unterschicht besonders hart. Die bisher durch sie erfolgte und allgemein geduldete Nutzung der Marken zur Gewinnung von Heizmaterial und als Weideflächen war nicht mehr möglich. Weiter waren in Nordwestdeutschland viele Familien dringend auf die Einkünfte aus der gewerblichen Heimbeschäftigung mit Weberei und Spinnerei angewiesen, die sich in den Zeiten der Napoleonischen Kontinentalsperre (1792 bis 1815) verbreitet hatte. Nachdem die Märkte wieder geöffnet waren, konnte sich die ausländische Konkurrenz mit preiswerterer maschinell gefertigter Ware durchsetzten. Die traditionellen Handwerksprodukte wurden von konkurrenzfähigeren Fabrikwaren verdrängt. Vielen wurde so die Lebensgrundlage entzogen. Die Folge war Landflucht in die Fabriken.

Der wachsenden Bevölkerung stand jedoch kein angemessenes Mehrangebot an Erwerbsmöglichkeiten gegenüber und die Preise für lebenswichtige Waren stiegen durch die stärkere Nachfrage an. „Bei nur geringfügigen Lohnerhöhungen zwischen 1820 und 1850 verdoppelten sich in der gleichen Zeit die Preise für Roggen, Kartoffeln und Kleidung. So entstand eine Massenarmut, die Deutschland bisher nicht gekannt hatte." Hansen in Moltmann, S.12. Es kam zur ersten Auswanderungswelle in die Vereinigten Staaten. Diese wurde nach dem Scheitern der Deutschen Revolution von 1848 – 1849 zusätzlich durch politisch motivierte Menschen und ihrem Streben nach Freiheit forciert. Einbrüche erfolgten während des Amerikanischen Bürgerkrieges (1861 – 1865) und während der großen Depression in den USA (1875 – 1880).

Text-Quellen:

- http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Westfalen_Regional/Wirtschaft/Land_Forst/Mittelalterlic he_Landwirtschaft

- http://de.wikipedia.org/wiki/Plaggenesch

- http://de.wikipedia.org/wiki/Plaggend%C3%BCngung

- Infoflyer „Boden – Kulturgut, Schutzgut, Lebensgrundlage“ Kreis Steinfurt – Umweltamt

- Tierhaltung, Pflanzenzucht und landwirtschaftliche Anbaumethoden im späten Hochmittelalter © Dr. Dierkes 2000/2001

- „Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte, Günter Miehlich (http://www.geowiss.uni-hamburg.de/iboden/ publrel/Miehlich%202009%20Archivboeden%20NNA-Berichte%202009_1.pdf)

- Geschichte der Menschen in unserer Region – Zusammenstellung Kirchner- Raddestorf 11/2002

- Eine Landschaft, geprägt von Marsch, Geest, Börde, Heide, und Moor. - Zusammenstellung kirchner-raddestorf Beginn: 11/02 http://www.kirchner-raddestorf.de/heimat/regional/lndges.htm

- Sozialgeschichte – Zusammenstellung kirchner-raddestorf Beginn: 11/02 http://www.kirchner-raddestorf.de/heimat/regional/lndges.htm

- Joachim Hamberger, 2003 „Nachhaltigkeit – eine Idee aus dem Mittelalter?“ (http://www.lwf.bayern.de/veroeffentlichungen/lwf-aktuell/37-klimawandel/a37-09- nachhaltigkeit-idee-mittelalter.pdf)

- Moltmann, Günter: Nordamerikanische „Frontier” und deutsche Auswanderung

Bei diesem Cache geht es nicht darum, etwas großartig zu verstecken, sondern die Geschichte näher zu bringen. Ich hoffe, sie hat euch gefallen. Wo die Dose liegt, steht im Hint.

Additional Hints (Decrypt)

Jraa qh ibe qre Gerccr fgrufg: yvaxf qverxg uvagre qre Rpxr

Decryption Key

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M
-------------------------
N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z

(letter above equals below, and vice versa)