
Die
Silvesterglocke
Vor vielen Jahren lebte in
Russland ein Bauer. Sein Leben war traurig und trostlos.
Gern hätte er seiner Frau,
seinem Kind und allen Nachbarn was Gutes getan.
Aber was konnte er in dieser
Zeit schon geben?
Ihm fiel beim besten Willen
nichts ein.
Während er auf dem Feld
arbeitete und überlegte, stieß er im Boden auf einen eisernen
Ring.
Er wunderte sich, holte ein
Seil, zog es durch den Ring, spannte seinen Ochsen davor und
staunte.
Der Ochse zog eine
riesengroße Glocke aus dem Boden, so einfach als wäre es eine
Rübe.
Niemand wusste wie die Glocke
in den Acker gelangt war.
„Es ist ein
Wunder“, meinten die Menschen im Dorf.
Gemeinsam bauten sie einen
Glockenturm aus Holz.
Er wurde gerade zu Silvester
fertig und die Glocke läutete in der Nacht zum neuen Jahr zum
ersten Mal.
Für alle Menschen, die sie
hörten, änderte sich etwas:
Der, der traurig war, wurde
froh,
der Kummer hatte, vergaß
ihn,
der, der krank war, vergaß
seine Schmerzen
und die Armen fanden doch
noch etwas zu essen.
Von da an läutete die Glocke
an jedem Feiertag und immer schöpften die Menschen neue
Hoffnung.
Von dieser wunderbaren Glocke
hörte über das Jahr der Zar.
„Die Glocke kommt auf
mein Schloss!“ befahl er und brach mit seinen Reitern zum
Dorf auf.
Der Zar lies die Glocke vom
Turm holen. Als sie aufgeladen war, bewegte sich der Wagen nicht
von der Stelle.
Alle Ochsen und Rösser ließ
der Zar anspannen – es nützte nichts.
Weil der die Glocke nicht
mitnehmen konnte, ließ er sie aus lauter Wut in tausend Stücke
zerschlagen.
Dann fuhr er fort und lies
die Dorfbewohner traurig zurück.
Als es wieder Silvester
wurde, ging der Bauer zu den Glockenscherben.
Da sah er, schon ein wenig
mit Schnee bedeckt, kleine glänzende Glöckchen.
Die Nachbarn halfen ihm, sie
aufzuheben und an alle zu verteilen.
(Verfasser
unbekannt)