„Die weiße Frau im Nebel!“
(auch Krikedilie genannt)
Lippetal-Lippborg (gl) Auf dem Weg von der Kapelle auf dem Böckenberg in Lippborg zum Wasserschloss Haus Assen befindet sich – etwa auf halber Strecke –linker Hand im Laubwald etwas versteckt ein kleines offenes Kapellchen, das im Lippborger Volksmund „ Die Krikedilie“ genannt wird.
Gemeint ist mit dieser Bezeichnung die sagenumwobene Gestalt der „weißen Frau vom Roxloh“.
Mit der „Krikedilie“ verhält es sich nun folgendermaßen:
Vor vielen, vielen Jahren lebte auf dem Schloss zu Assen eine Gräfin, die ihre Dienstboten nicht gut behandelte und nicht gerecht entlohnte. Das Leinen für die Aussteuer war mit kurzer Elle gemessen, es war zu kurz und zu schmal, und die Federn für die Kissen waren nicht die besten gewesen.
Nachdem die Gräfin dann eines Tages gestorben war, konnte sie wegen ihres Geizes im Jenseits keine Ruhe finden. Ihr Gewissen trieb sie bei Vollmond wieder in die Wälder um das Schloss, wo sie dann ruhelos umherirrte. Wenn nun in diesen mondhellen und stillen Nächten, wenn der Nebel durch die Wälder und um die uralten knorrigen Eichen des „Roxloh“, wie das Waldgebiet um die Kapelle heißt, waberte, wenn zudem noch irgendwo ein Käuzchen seine schaurigen Rufe hören ließ, dann konnte es einem nächtens daher eilenden Wanderer schon eigenartig ums Herz werden. Oder war es etwa kein Nebel, sondern der weiße Schleier einer Frau dort zwischen den Eichen der sich langsam auf und ab bewegte? Waren die Rufe des Käuzchens gar so etwas wie ein Klagelied?
Rief dort nicht eine zittrige Frauenstimme: „Kurt lälle, schmalet Laken juhu – dat fine Flass un Fierweih, dat deut mi in de Siälle so weih!“? ( Kurze Elle, schmales Laken – das feine Flachs und das Federvieh, das tut mir in der Seel so weh!)
Dann beschleunigt der Wanderer seine Schritte uns sieht zu, dass er von dannen kommt. Und dann denkt er vielleiht an die von Generation zu Generation in Lippborg so überlieferte Geschichte von der Krikedilie, dieser weißen Frau von Roxloh. Er fragt sich, ob es doch wohl wahr ist, was erzählt wird von ihr? Das in jeder Vollmondnacht und die Länge eines Hahnenschrittes näher in Richtung Schloss geht und dass, wenn sie dann eines Tages das Schloss Assen erreicht hat, dieses in sich zusammenfallen soll? Dann nämlich sei die Krikedilie von ihrer Seelenpein erlöst und kann im Jenseits endlich ihre Ruhe finden. Soweit die Sage von der weißen Frau im Roxloh. (aus die Glocke 30.07.2005)
Ps.: Die kleine Kapelle im Lippborger Waldgebiet Roxloh ist eigentlich dem HL. Josef geweiht – der Lippborger
Volksmund nennt sie jedoch nur „die Krikedilie“.
Bitte verhaltet euch dem Ort angemessen.
Der Cache liegt am Rande eines Naturschutzgebietes. Die offiziellen Wege brauchen zu keiner Zeit verlassen werden.