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Das VERBUND-Kraftwerk Ering-Frauenstein ist ein Laufkraftwerk am Inn und in der Gemeinde Ering in Bayern gelegen. Es wurde von 1939 bis 1943 durch die Innwerk AG erbaut.
Geschichte des Kraftwerks
Den Bau eines Ausleitungskraftwerks im Bereich von Egglfing und Ering forderte der Rahmenplan der Siemens-Schuckertwerke AG (SSW) aus dem Jahr 1936. Als nach Gründung des Mattigwerks bei Ranshofen durch die Vereinigte Aluminium-Werke AG in Lautawerk (VAW) sich ein erhöhter Energiebedarf für den Betrieb der Anlage abzeichnete, wurden die Ausbaupläne des Inn auf zwei Stufen erweitert.: Ering-Frauenstein und Egglfing-Obernberg, das zusätzlich das 1944 fertig gestellte Aluminiumwerk Pocking versorgen sollte.
Am 4. Juli 1938 wurde das Vorprojekt der SSW bei den Behörden in Bayern und der Ostmark eingereicht und noch im selben Monat begann die Innwerk AG mit dem Bau der beiden Kraftwerke. Im September wurde die Wasser-Benützungserlaubnis vom bayerische Innenministerium in Aussicht gestellt, und am 9. November erfolgte die Erklärung des Vorhabens zum bevorzugten Wasserbau. Der Ausbauplan sah vor, aufgrund von Material- und Personalmangel zuerst nur die Stufe Ering-Frauenstein zu errichten.
Am 9. Februar 1939 begannen die Arbeiten mit der Umspundung der ersten Baugrube A am rechten Innufer, in der drei Wehröffnungen entstehen sollten. Die Fundierung des gesamten Werks erfolgte auf dichtem Schlier, sodass nur geringfügige Dichtungsmassnahmen gegen Unterströmung notwendig waren. Die verwendeten Larssen III-Spundbohlen wurden bis zu 5 m tief unter das Geländeniveau gerammt und erreichten eine Länge von 14 bis 18 m. Am 15. Dezember 1939 fluteten die Arbeiter die Baugrube A und zogen die Bohlen. Daraufhin wurde die mittlere Baugrube B, die die westlichen drei Wehrfelder enthalten sollte, umspundet und am 17. Februar 1940 leer gepumpt.
Ein Hochwasser am 1. Juni spülte einen Teil der oberwasserseitigen Baugruben-Umschliessung frei und überflutete teilweise die Baugrube. Nach der Trockenlegung konnte mit dem Betonieren der Wehrpfeiler fortgefahren werden, die Ende September fertiggestellt wurden. Die letzte Baugrube C, die für das Krafthaus vorgesehen war, wurde gerammt und ab 20. Dezember trocken gelegt. Danach begannen die Aushubarbeiten für das durchgehende Fundament, auf dem - durch Pressfugen getrennt - die drei je 29 m breiten Blöcke, die einzeln betoniert wurden, aufliegen. Auf die Errichtung einer Maschinenhalle wurde verzichtet.
Der Einstau erfolgte am 9. Juli 1942. Etwa einen Monat später wurde der erste Maschinensatz in Betrieb genommen. Nach Erreichen des Vollstaus am 1. September 1942 wurden am 11. Oktober 1942 und am 31. Jänner 1943 die Maschinen 2 und 3 angedreht. Die Eigenbedarfsmaschine hatte am 16. Dezember 1942 ihren Probebetrieb aufgenommen. Die Hauptturbinen weisen einen Durchmesser von sieben Metern auf und zählen damit zu den größten damals in Deutschland eingesetzten Maschinen. Gleichzeitig ist das Werk das erste Kraftwerk im Bereich Unterer Inn, also dem Abschnitt zwischen der Salzach-Mündung und Passau.
Als Ersatz für eine durch den Bau eingestellte Fährverbindung zwischen Ering und Mining wurde die Kraftwerksbrücke für den Fußgängerverkehr freigegeben. Dieser Übergang musste nach dem Kriegsende 1945 durch die erfolgte Abtrennung Österreichs von Deutschland mit Zubauten für Grenzpolizisten versehen werden.
Die ursprüngliche Aluminium-Deckung des Schaltwartenbaus und der Nebengebäude musste nach massiven Korrosionsschäden durch Kupferblech ersetzt werden. Auch die Befestigungsmöglichkeiten für Boote und den Schwimmbagger im Oberwasserbereich erfüllten nicht die Erwartungen, da bei Totalabschaltung der Turbinen Wasserspiegel-Schwankungen von bis zu 1,5 m auftreten. Aus diesem Grund wurde 1956 ein neuer Hafen auf der deutschen Seite errichtet.
Die zunehmende Undichtheit des Krafthausdaches erforderte in den 1980er-Jahren das Aufbringen einer zusätzlichen Betonschicht in diesem Bereich. 1989 wurde der erste der beiden Portalkräne von der Firma Künz erneuert, im Jahr darauf kamen neue Abdeckungen für die Generatoren. Die oberwasserseitige Wehrbrücke, die als öffentlicher Übergang fungiert, musste 2002 bis 2003 verbreitert werden. Im April 2007 erfolgte schließlich die Erneuerung des zweiten Portalkrans durch die Firma Brunnhuber aus Augsburg.
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