Dieser EarthCache führt Dich zu einer Stelle der Sülz, an der sich ein schöner, weitläufiger Talmäander gebildet hat. Beim Mäandrieren eines Flusses bilden sich im Laufe der Zeit durch Verlagerung des Stromstriches - dies beschreibt die Linie der stärksten Wasserführung - die typische Flussschlingen heraus, welche auch hier zu sehen sind. Beim Aufprall des Stromstriches an der Bogenaußenwand wird das dort anstehende Material abgetragen und es bildet sich der meist steilwandige Prallhang. Auf der gegenüberliegenden Seite des Prallhangs sind die Verhältnisse genau umgekehrt. Hier ist die Fließgeschwindigkeit am geringsten, so dass dort die feineren Materialien, die der Fluss mit sich führt, abgelagert werden. Diesen Bereich nennt man Gleithang. Folgende Animation erklärt sehr schön das Mäandrieren:

Anklicken, um zur Animation zu gelangen (externe Seite, englisch)
Ein weitläufiges Mäandrieren ist nur in entsprechend breiten Tälern möglich. In den engen Kerb- und Kerbsohlentälern des Bergischen Landes bilden sich Prall- und Gleithänge meist nur als Kleinformen aus. Beispiele findet sich z.B. im Eifgenbachtal (in der Nähe von GC11QXW).
Der doppelte Mäanderbogen der Sülz lässt sich dagegen am Verlauf der Straße sehr gut nachvollziehen. Die engen Kehren zeichnen die Bögen der Sülz nach, die sich hier rund 120m in die umgebenden Hochflächen eingeschnitten hat. Der Untergrund hier besteht aus wechselnden Gesteinsschichten des Mitteldevons, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Widerstandsfähigkeit die Sülz zur Mäanderbildung gezwungen haben. Im natürlichen "Lebenszyklus" wächst der Mäanderbogen durch die Erosion am Prallhang immer weiter nach außen. Dies kann dazu führen, dass zwei aneinander liegende Mäanderbogen zusammenwachsen und sich der Fluss an der Durchbruchstelle ein neues Bett sucht. Der ehemalige Bogen fällt in diesem Fall trocken und wird zu einem Altarm (siehe dazu auch obige verlinke Animation). Ein Beispiel eines solchen verlandeten Altarms findet sich beispielsweise im Worringer Bruch (GC232RK).

Verlauf der Sülz - die beiden Mäanderbögen des Talmäanders lassen sich sehr gut erkennen. Die Sülztalstrasse verläuft parallel dazu. (Quelle: openstreetmap.org)
Die Besonderheit eines Talmäanders ist es, dass dabei nicht nur der Fluss selbst mäandriert, wie dies bei freien Mäandern in Talauen zu beobachten ist. Bei Talmäandern schwingt auch der Verlauf des von dem Fluss geschaffenen Tales hin- und her. Sie entwickeln sich durch Tiefenerosion mäandrierender Flüsse in felsigem Material. Daraus ergibt sich, dass sie ihre Lage nicht so leicht verändern können wie freie Mäander, da bei jeder seitlichen Verlagerung eines Mäanderbogens der darüberliegende Talhang ebenfalls zurückverlegt werden muss.
Grundsätzlich lassen sich zwei Typen von Talmäandern unterscheiden:
- Gleitmäander: die Amplitude der Mäanderschlingen vergrößert sich während der Taleintiefung. Bei ihnen kommt es durch Seitenerosion und Unterschneidung des Talhanges wie bei den freien Mäandern zur Ausbildung von Prall- und Gleithang auf den Uferseiten. Bei Gleit- und freien Mäander kann es auch zur Abschnürung der Mäanderbogen kommen. Infolge bleibt die Durchbruchsstrecke als Umlauftal trocken in der Landschaft zurück. Der abgeschnürte Mäanderbogen bildet eine isolierte, vom Umlauftal und von der Durchbruchstrecke umgebende Erhebung - ein sogenannter Umlaufberg.
- vererbte Mäander: die Krümmungen werden bei diesen ohne wesentliche Veränderung des Grundrisses tiefergelegt. Vererbte Mäander weisen keine Neigungsdifferenz zwischen Prall- und Gleithang auf. Vermutlich liegt dies in den vertikalen Gesteinsstrukturen begründet, welche die Tiefenerosion fördern, die Seitenerosion jedoch hemmen.

Der Flussverlauf entlang der Straßenführung (Prall- und Gleithang sind ebenfalls gut zu erkennen)
An obiger Koordinate findest Du Dich auf dem Prallhang eines Mäanderbogens. Schaue Dich auf dem Weg dorthin um und beobachten den Verlauf der Sülz. Von dort gehe nach N 50° 58.948 E 007° 15.236, um die Sülz zu überqueren sowie deren Verlauf im Talmäander weiter zu erschließen. Um diesen Earthcache zu loggen, beantworte bitte folgende Fragen per Email (Du brauchst nicht auf eine Logfreigabe zu warten, ich melde mich, wenn etwas nicht stimmt):
- Welchen Typ von Talmäander siehst Du hier?
- Ist es denkbar, dass die Mäanderbogen hier eines Tages zusammenwachsen? Was spricht dafür, was dagegen?
- Kannst Du Gesteinsablagerungen entlang des Gleithanges aufgrund der geringeren Fließgeschwindigkeit beobachten?
- Freiwillig: Über ein Foto von Dir vor der Sülz bei N 50° 58.948 E 007° 15.236 würde ich mich freuen.
Quellen: Glossar Freie Universität Berlin