Wunschtraum eines Wanderers
Ein jeder Mensch in seinem Leben
tut meist nach etwas Höh`rem streben,
bewegt im Herzen einen Traum,
doch Wirklichkeit wird er wohl kaum.
Mein Wunsch ist, ich gesteh` es ein:
„Ich möchte“ mal Wanderführer sein!“
Als Wanderführer wär´ ich wer!
Ich wär` der Wandergruppe Herr!
Ich sagt´ wohin sie gehen muss,
wär´ immer vorne, nie am Schluss.
Ich kauft` für´n Bus die Fahrscheine ein.
Ach, könnt` ich Wanderführer sein!
Ich könnt` an allen Wandertagen
sie früh aus ihren Betten jagen,
durch`s dichteste Gestrüpp sie hetzen,
ließ` sie den Berg rauf und runter wetzen,
und legt` noch einen Umweg ein.
Ach, könnt` ich doch Wanderführer sein.
Ich würd` bestimmen was sie essen,
würd` mal den richtigen Weg vergessen,
geböte Rast zur Frühstückspause,
gäb` das Signal zur PP-Pause.
Ich gäbe alles dafür her,
wenn ich doch Wanderführer wär`!
Das war`s, was früher ich mal dachte!
Doch seit ich diese Wanderung machte,
erkenne ich mit sicherem Blick,
dies wäre nicht mehr höchstes Glück.
Denn welches wirklich schweres Los
hat so ein Wanderführer bloß!
Ganz vorneweg in allen Fällen
muss gutes Wetter er bestellen.
Scheint Sonne, ist es viel zu warm“!
Ist`s kalt, kriegts mancher an den Darm.
Der Nebel ist auch nicht erwünscht,
Und regnet`s gar, wird er gelyncht.
Der nächste Punkt: die Übernachtung
verdient ganz besondere Beachtung.
Ein jeder will ein Einzelzimmer,
modern, gemütlich, ruhig immer.
Mit eig` ner Dusche, Bad und Klo,
natürlich billig – sowieso.
Und wer sich dann noch fühlt verloren,
`ne Wärmflasche er braucht - und zwar mit Ohren!
Und jeden Tag zum Abendessen
verlangt man nur Delikatessen.
Kaffee und Bier und Schnaps und Wein
Das muss besonders preiswert sein.
Der Weg, das wichtigste Problem,
sei eben stets und recht bequem.
Weich sei der Boden, ohne Steine,
Labsal für müde Wanderbeine.
Muss man dann aber auf Asphalt,
macht man den Wanderführer kalt.
Der Weg darf nie bergaufwärts führen,
ein Führer soll`s gar nicht erst riskieren.
Auch Dickicht sollt` er stets vermeiden,
kein Wanderer kann ihn sonst noch leiden.
In kurzen Worten, schlicht und fein;
„Ein Führer muss ein Engel sein!“
Da ich wohl dafür nicht gemacht,
so hab` ich meinem Wunsch entsagt.
Ich will kein Wanderführer sein!
Ich latsche lieber hinterdrein!