Die Sachsenhäuser Brücke wurde als "Alte Lahnbrücke" 1848 errichtet und ersetzte die zuvor an der gleichen Stelle existierende Brücke. 50 Jahre später wurde sie um eine Eisenbahnspur erweitert, über die die legendäre „Bieberlies“ von Rodheim-Bieber nach Gießen verkehrte. Bis 1970 war sie die einzige Verbindung zwischen der Innenstadt und der Weststadt, dann wurde die Konrad-Adenauer-Brücke flußabwärts eingeweiht. 1973 wurde die Brücke nach aufwendiger Erneuerung offiziell „Sachsenhäuser Brücke“ benannt, 1993 bis 1994 wurde die Brücke letztmalig umgebaut und verbreitert.
Nun zu den wahrscheinlich nicht ganz so bekannten Details:
Am 28. März 1945 marschierte die 7. US-Panzerdivison von Wetzlar kommenden durch Heuchelheim hindurch nach Gießen ein. Dabei trafen die Amerikaner nur noch vereinzelt auf Widerstand. Am Abendstern wurde ein amerikanischer Panzer durch eine deutsche FlaK abgeschossen und auch mit im Hardtwäldchen lagernden, teilweise verletzten Wehrmachtssoldaten gab es Schußwechsel. Der Großteil der deutschen Truppen hatten sich bereits nach Osten abgesetzt und hatten dabei versucht, die Brücke zu sprengen, um den Vormarsch der Amerikaner aufzuhalten. Diese Sprengung gelang nur teilweise, wie auf den Bildern zu erkennen ist, die aus einem Film stammen, den die Amerikaner beim Vorrücken drehten. Nach leichtem Beschuss der Stadt entschied sich der Hauptmann der Schutzpolizei, F. Schröter, die Stadt zu übergeben. Dies erfolgte auf der Straßenkreuzung Neustadt/Anlagenring, auch dieser Vorgang wurde vom Kameramann der Amerikaner festgehalten.
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| 28. März 1945: Die US-Armee rückt auf die Sachsenhäuser Brücke vor. |
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Die gleiche Stelle heute: Im Hintergrund noch gut zu erkennen ist das Haus Rodheimer Straße 17, das ehemalige Wohnhaus des Schlachthofverwalters, Baujahr um 1885. |
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| Die geringen Schäden durch die versuchte Sprengung werden behoben. |
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Die gleiche Stelle heute, in beiden Bildern erkennt man den Stadtkirchenturm, 1945 im ausgebrannten Zustand, 2013 durch die Galerie Neustädter Tor verdeckt. |
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| Ein US-Soldat nähert sich den drei deutschen Polizisten, die sich mit einer weißen Fahne gezeigt hatten, um die Übergabe der Stadt zu vollziehen. |
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Die gleiche Stelle heute, jetzt für Fußgänger verboten. |
Neun Jahre später wurde erneut über eine Sprengung der Brücke nachgedacht: in Vorbereitung des drohenden Kalten Krieges wurden in Mittelhessen zahlreiche Sperranlagen errichtet, um das Vordringen sowjetischer Panzerverbände durch das sogenannte Fulda-Gap zu verlangsamen. 1954 wurde daher der Einbau von Sprengkammern in die Pfeiler der Sachsenhäuser Brücke geplant und letztlich auch umgesetzt. Wann diese tatsächlich eingebaut wurden und wann sie rückgebaut wurden, entzieht sich leider unserer Kenntnis. Jedoch lässt sich ihre Lage in den Brückenpfeilern noch klar erkennen, wenn ihr euch zu den Koordinaten von S3 begebt. Diese Sprengkammern wären im Kriegsfall durch einen sogenannten Wallmeister bestückt worden, anschließend wäre die Brücke gesprengt worden. Auch die Lahnbrücke nach Wißmar sowie die Brücke zwischen Heuchelheim und der alten B49 waren zur Sprengung vorbereitet.
Zu eurer Aufgabe:
An Stage 1 steht ihr unter der Eisenbahnbrücke, über euren Köpfen seht ihr vier große Metallplatten, mit denen Brückenbauteile verbunden sind. Jede der Platten ist mit der gleichen Anzahl Muttern verbunden, nämlich mit wievielen? (=A).
Begebt euch anschließend auf die andere Lahnseite, nutzt dabei die Brücke ;-) An beiden Brückengeländern findet ihr dabei jeweils eine Metalltafel mit teilweise schon bekannten Informationen zur Brücke. Nehmt die erste Jahreszahl, die dort auftaucht, teilt sie durch 2 und ihr bekommt B. Welche Breite (in ganzen Metern) hat die heutige Brückenplatte? (=C)
Da beide Wege unter der Brücke hindurch zur Zeit gesperrt sind, könnt ihr die Straße sicher überqueren, indem ihr den Überweg an der Einmündung der Schlachthofstraße nutzt. Begebt euch so weiter zu Stage 3, von wo ihr einen Blick auf die Brückenpfeiler werfen könnt. Deutlich sind in diesen Rechtecke zu erkennen, die nachträglich vermauert worden sind. In wievielen der vier Brückenpfeiler befanden sich solche Sprengkammern? (=D)
Das Finale findet ihr dann bei:
N50°35.(A+C)*(A/D)-19
E8°39.B-C-(A/D)
Quellen:
- Gießener Anzeiger vom 25.07.2012
- www.Sperranlagen.de
- Schwarz-Weiß-Fotos aus: P. Schlagetter-Bayertz: Gießen im Bombenkrieg, Wartberg Verlag